Prozessbeginn

Eigene Tochter getötet, zersägt und verbrannt?

Oberösterreich
13.03.2007 19:33
Alle Augen waren am Dienstag auf eine Person gerichtet: Romana Miny, die nur zögerlich den Schwurgerichtssaal in Linz betritt. Die Fotografen mussten vorher den Saal verlassen. Die verwirrt wirkende Frau ist angeklagt, ihre Tochter Sandra getötet, zerstückelt und verbrannt zu haben. Den Torso soll sie in der Donau versenkt haben. Vom Kopf fehlt weiterhin jede Spur.

Romana Miny wird erst in den Gerichtssaal geführt, als die Fotografen schon wieder draußen sind. „Sie ist in einer psychisch sehr belasteten Situation“, erklärt Richterin Katharina Neumayr. Dann muss die 43-Jährige in der Mitte Platz nehmen, während Staatsanwalt Dietmar Gutmayer die Anklage vorträgt. Die rotblonde Frau mit dem orangen Shirt trägt ihre Haare kürzer als bei der Verhaftung, wirkt nervös, zuckt mit den Händen, blickt suchend um sich. Zu Gutmayers Worten schüttelt sie oft den Kopf.

Der Staatsanwalt wirft ihr eines der grässlichsten  Verbrechen der letzten Jahre vor. Mit einer Indizienkette will er Romana Minys Schuld beweisen. „Sie hat den Mord an ihrer Tochter zielgerichtet geplant“, ist er überzeugt.

Andere Schlüsse als der Staatsanwalt zieht Verteidiger Andreas Mauhart aus den von den Linzer Ermittlern zusammengetragenen Fakten. Sandra könnte auch durch einen Unfall oder durch Selbstmord gestorben sein. Und hat vielleicht die Mutter mit der Verbrennung einen letzten Wunsch der Toten erfüllt? Antworten könnte nur die Angeklagte Romana Miny selbst geben.

„Sie hatte Angst vor Menschen“
Der Richterin gelingt es sogar, die Angeklagte zum Reden zu bringen. Sie erzählt aber über Iri, wie sie ihre Tochter nennt, als würde diese noch leben. Auch über erste Anzeichen von psychischen Störungen bei ihrer Tochter. „In der Volksschule war ich bei Ärzten, weil sie so ist wie ich. Sie hat Angst vor Menschen.“ Man wollte übersiedeln. Sie habe Iri gesagt, dass es im Herbst soweit sein könnte. Für die tätlichen Angriffe ihrer Tochter findet sie nur entschuldigende Worte. „Sie muss sich bei mir abreagieren, wenn sie vom Vater heimkommt. Das regt sie zu sehr auf.“

Doch je näher sich die Fragen an den Tattag heranwagen, desto wirrer werden die Antworten. „Ich habe immer geglaubt, dass alles so war wie immer“, sagt sie. Bei Nachfrage der Richterin verweigert sie die Antworten, wird nervöser.

Die psychologischen Gutachten bestätigten anschließend die Zurechnungsfähigkeit von Romana Miny bei der Tat. Der Prozess wird am kommenden Freitag mit Zeugeneinvernahmen fortgesetzt.

 

 

 

Foto: Chris Koller

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