Dr. Susanne Heindl, Turnusärztin an einem großen Schwerpunktspital in Oberösterreich, ist mutig genug, vor versammelter Presse aus dem Arbeitsalltag, der immer weniger ein Ausbildungsalltag ist, zu erzählen. 1200 Kolleginnen und Kollegen in Oberösterreich teilen ihr Schicksal, bei dem Bürokratie und das Steckenbleiben in Routinearbeiten dafür sorgen, dass die eigentliche medizinische Ausbildung am Patienten immer (zeit-)knapper wird.
Schlechte Noten für die „Ärzte-Schule“
Heindls Resümee: „Viele Kollegen fühlen sich nicht gut ausgebildet.“ Und das ist beileibe keine Minderheitsmeinung: Laut IFES-Studien bewerteten im Jahr 2003 bereits knapp ein Drittel und im Jahr 2006 sogar schon die Hälfte aller Turnusärzte ihre Ausbildung mit 4 oder 5 nach dem Schulnotensystem!
„Immer mehr junge Ärzte ersticken in Routine, das Aneignen praktischer Erfahrungen und Fertigkeiten unter Anleitung älterer Kollegen kommt zu kurz“, rügt Turnusärztevertreter Dr. Armin Ranner die Tendenz, die Jungärzte als Systemerhalter einzusetzen.
Wie funktionieren unsere Spitäler noch?
Auch die anderen Ärzteschichten stöhnen über die zunehmende Bürokratie und medizinfremde Tätigkeiten: „Unsere Spitäler funktionieren nur noch, weil viel Engagement da ist - da gibt´s dann Ausbildung in der Freizeit oder im Selbststudium“, so Spitalsärztevertreter Dr. Harald Mayer. Dr. Peter Niedermoser, Präsident der OÖ-Ärztekammer, fordert die Politik auf, die Turnusärzte zu entlasten: Denn viele Tätigkeiten könnte das Pflegepersonal übernehmen.
„Ich liebe ja die Arbeit mit den Patienten!“
Dr. Susanne Heindl ist Turnusärztin im zweiten Ausbildungsjahr. Viel zu oft muss sie nicht ausbildungsrelevante Routinetätigkeiten machen.
Sie haben einen Tretroller bei der Pressekonferenz mit. Was wollen Sie damit sagen?
Den benutze ich, um in meinem Krankenhaus schnell von Station zu Station zu kommen. Denn sogar eine einzige eingesparte Minute hilft mir dabei, nicht aus dem Zeitplan zu fallen.
Sie stehen so unter Druck?
Das Wichtigste für unsere Ausbildung ist die Visite am Krankenbett. Routinetätigkeiten nehmen uns diese Zeit zunehmend.
Warum trauen Sie sich, öffentlich aufzumucken?
Weil ich meine Arbeit so liebe, nämlich die mit den Patienten, will ich Verbesserungen erreichen. Darum möchte ich kämpfen.
Foto: Chris Koller
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