08.01.2007 12:57 |

Aus der Autostadt

Bilder und Trends der Detroit Motor Show

Es hat schon einen Grund, dass eine Sexbombe wie Carmen Electra den Chevrolet Camaro präsentiert. Oder Christian Slater und andere Hollywoodstars auf der 100. Detroit Motor Show posieren. Trotz schwächelnden Marktes demonstriert die Autoindustrie Selbstbewusstsein.

Der fröhlich-selbstbewusste Auftritt auf heimischem Parkett verstellt den Blick auf die Realität: Die US-Autobauer stecken in massiven Schwierigkeiten. Jenseits des Atlantiks tobt seit Jahren ein ruinöser Preiskampf, in dem sich die Hersteller mit immer neuen Rabatten gegenseitig unterbieten. Hinzu kommen die anhaltend hohen Ölpreise, die die Verbraucher zunehmend auf sparsamere und kleinere Autos ausweichen lassen. Von hohen Sozial- und Gesundheitskosten ganz zu schweigen. 

Absatzzahlen am Boden
"Die US-Hersteller versuchen in Detroit zu zeigen, dass sie in diesem Jahr die Kurve kriegen. Die Hausaufgaben sind aber sicherlich noch nicht gemacht", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer zur Lage der "Großen Drei": General Motors, Ford und Chrysler. Im abgelaufenen Jahr sank ihr Absatz auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren. 

Alle stecken mitten im Umbau. Chrysler beispielsweise hat im letzten Jahr einen Milliardenverlust eingefahren. In den kommenden Wochen will Vorstandschef La Sorda seine Sanierungspläne bekannt geben. Klar ist bislang nur, dass erneut Arbeitsplätze abgebaut werden, wie viele allerdings, darüber hält man sich Detroit bedeckt. Chrysler hat bereits harte Einschnitte hinter sich. In den vergangenen Jahren sank die Zahl der Mitarbeiter von rund 126.000 auf 82.000. 

Milliardenverluste
GM macht zwar Fortschritte bei der Sanierung, im dritten Quartal fiel aber immer noch ein Verlust von 115 Millionen Dollar an. Das Unternehmen schließt ebenfalls Fabriken und baut gezielt Stellen ab. Das gleiche Bild bei Ford: In den ersten neun Monaten steckte der Konzern sogar mit mehr als sieben Milliarden Dollar in den roten Zahlen. Er kürzlich hat Ford angekündigt, sich für den Umbau bei Banken und am Kapitalmarkt mehr als 21 Milliarden Dollar besorgen zu wollen. Zehntausende Jobs sollen abgebaut werden. 

Denn radikale Sparmaßnahmen allein dürften den schwächelnden Riesen nicht auf die Beine helfen. "Sie haben eine falsche Modellpalette und eine falsche Einstellung zum Kunden", sagt der frühere BMW-Chefvolkswirt Helmut Becker, Leiter des Instituts für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation in München. Den Trend zu sparsameren Autos haben sie verschlafen. Mit dem massiven Anstieg der Ölpreise in den vergangenen Jahren blieben sie auf ihren großen, Sprit fressenden Trucks sitzen. 

Neue Modelle sind gefragt und hier entfalten die US-Hersteller seit einigen Monaten und besonders auch in Detroit hektische Betriebsamkeit. Chrysler will künftig Daimler-Dieseltechnologie nutzen und plant die Produktion eines Kleinwagens in Kooperation mit dem chinesischen Hersteller Chery, der allerdings nicht vor dem Jahr 2009 kommen dürfte. 

Bei General Motors muss die deutsche Tochter Opel Lücken in der Produktpalette stopfen und liefert ab Ende des Jahres den Kompaktwagen Astra für die Schwestermarke Saturn. Sogar ein Elektroauto wurde in Detroit vorgestellt. Ganz zu schweigen vom Hybridantrieb, an dem alle Hersteller basteln, nachdem der japanische Konkurrent Toyota damit in den vergangenen Jahren große Verkaufserfolge erzielt hat.

 

Sonntag, 09. Mai 2021
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