Vergnügungsrausch

Thrillville

Spiele
08.01.2007 10:39
Wenn der Puls rast, das Herz vor Angst fast stehen bleibt und Menschen in Panik laut aufschreien, dann sind – richtig erraten – Achterbahnen meist nicht weit. In „Thrillville“ übernimmt der Spieler von seinem alternden Onkel Mortimer gleich ein ganzes Vergnügungs-Imperium, das es von nun an auszubauen und zu pflegen gilt.

Nach der Erstellung des eigenen Charakters beginnt das Spiel mit einem ausführlichen Tutorial, in dem uns die Säulen der Instandhaltung eines Freizeitparks näher gebracht werden. Da wäre zu allererst einmal das Bauen neuer Attraktionen, damit die Anlage auch weiterhin fleißig neue Gäste in den Park lockt. Glücklicherweise hat Onkel Mortimer schon gute Vorarbeit geleistet, so dass der Spieler nicht bei Null anfangen muss. 

Dennoch sind die bereits vorhandenen Fahrgeschäfte nicht gerade auf dem neuesten Stand und zudem nur wenig atemberaubend. Jedes Karussel, Achterbahn oder dergleichen darf aber glücklicherweise eigenhändig von uns modifiziert werden. Das gilt nicht nur für die Streckenführung, sondern auch für das optische Erscheinungsbild, bei dem Farbe und Thema (Western, Science-Fiction, etc.) bestimmt werden. Natürlich gibt es in einem Park aber nicht nur Fahrgeschäfte, sondern auch einfache Wurf- und Schießbuden, Würstel- und Pizzastände oder – nicht zu verachten – ganz normale Toilletenanlagen.

Selbstverständlich will die gesamte Infrastruktur auch verwaltet werden. Im Management-Menü können daher Eintrittspreise festgelegt und Personal eingestellt werden. Damit dieses die ihm zugeteilten Aufgaben auch nach bestem Gewissen erfüllt, ist Ausbildung ein ganz zentraler Punkt. Das klingt jedoch wesentlich trockener, als es letzten Endes ist: Der Spieler schlüpft nämlich in die Haut seiner Mitarbeiter und verbessert in kleinen Mini-Games die Fähigkeiten seiner Untergebenen. 

Die Cheerleaderin, zur Unterhaltung der Gäste, muss etwa in einem Rhythmusspielchen durch Drücken des entsprechenden Buttons im Takt bleiben, der Elektriker soll sich innerhalb eines Zeitfenster auf einer Leiterplatine von A nach B löten und der Platzwart muss mit Staubsauger und Schwammtuch herumliegenden Abfall und Erbrochenes beseitigen.

Im Management-Menü kann zudem auch Geld in die Erforschung neuer Attraktionen und in Werbekampagnen investiert werden. Alles zu dem Zweck, neus Publikum zu gewinnen. Damit es den Damen und Herren auch gefällt, sollte der Spieler in regelmäßigen Abständen ein kleines Schwätzchen mit seinen Gästen halten. Jeder Besucher lässt sich auf Knopfdruck anreden und zu den verschiedensten Dingen befragen. 

Dadurch kann nicht nur in Erfahrung gebracht werden, an was es dem Park noch fehlt, sondern es werden auch Freundschaften geschlossen, so dass einmal kennengelernte Personen uns immer wieder ansprechen, sobald sie uns begegnen. Da der Kunde nunmal König ist, sind wir schließlich sogar beim Verkuppeln behilflich und schlüpfen auf der Suche nach der besseren Häfte in den Körper einsamer Singles oder messen uns in Herausforderungen mit den Gästen.

Und als ob wir mit all den bereits genannten Punkten nicht ohnehin schon genug zu tun hätten, gilt es auch noch eine Reihe von Missionen zu absolvieren, die uns im Erfolgsfall Geld für neue Attraktionen und Erfahrung bescheren. Sind wir nämlich „reif“ genug, darf der nächste von insgesamt fünf Freizeitparks eröffnet werden. 

Die Missionen richten sich nach den Kategorien Bauen, Spiele, Besucher, Wartung und Geschäft. Mal reicht es bereits eine Pommesbude zu errichten, dann wiederum muss ein Besucher von den Qualitäten des Parks überzeugt werden oder der Spieler als strahlender Sieger in einer seiner Attraktionen hervorgehen. Denn – das Beste zum Schluss – jedes Fahrgeschäft ist auch spielbar. 22 Mini-Games gibt es insgesamt, darunter diverse Auto-Rennen, „Untertassen-Sumo“ oder beispielsweise Shooter (sogar eine Ego-Variante). 

Sämtliche Spiele, von ihnen ist ein Großteil Multiplayer-fähig, lassen sich auch direkt einzeln oder in einem Turniermodus über das Hauptmenü aufrufen. Hier findet der Spieler zudem einen Achterbahn-Bau-Modus. Da der Platz in den Freizeitparks meist beschränkt ist, kann hier ganz nach Belieben mit Loopings und Schraubenzieherspiralen herumexperimentiert werden. Zum Schluss darf – wie im Spiel – die getane Arbeit begutachtet und eine Runde im eigenen Rollercoaster gedreht werden.

Rein optisch ist „Thrillville“ guter Durchschnitt. Vor allem die vielen Fahrgeschäfte wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet und lassen Prater-Stimmung aufkommen. Leider können jedoch keine Bäume oder sonstige Deko-Artikel im Park verteilt werden, so dass es zwischen den Attraktionen ein wenig öd ausschaut. 

Das Handling ist sehr einfach gehalten und bietet so auch Anfängern einen leichten Einstieg. Allerdings macht die Kamera gerade beim Bauen von Achterbahnen nicht immer das, was man sich von ihr wünscht, worunter dann die Übersichtlichkeit leidet. Keinen Grund zur Klage bieten hingegen Sprachausgabe und Musik: Jede Attraktion verfügt meist über ihre eigene Soundkulisse, was zur Verdichtung der Atmosphäre beiträgt.

Fazit: „Thrillville“ richtet sich an all jene, denen bisherige Simulationen schlichtweg zu trocken und auch zu kompliziert waren. Hier steht ganz klar der Spaß im Vordergrund und den hat man bei der Vielzahl an kleinen und unterhaltsamen Mini-Games auf jeden Fall. Freunde des Wirtschaftens und Jonglierens mit Zahlen kommen hingegen nur bedingt auf ihre Kosten. Dieser Aspekt beschränkt sich auf das Festlegen der Eintrittspreise, das Schalten von Werbung und eventuell noch das Analysieren der Vorlieben der Gäste. 

Plattform: PS2, Xbox, PSP
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 77%

Von Sebastian Räuchle

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