Mi, 19. September 2018

Patient verbrüht

29.11.2017 06:43

Konsequenzen nach Todesfall in Pflegeheim

Nach dem Tod des 69-jährigen Maximilian P. beim Baden in der Wohngruppe "Saphir" des Pflegeheims Hartheim in Oberösterreich gibt es erste technische Konsequenzen: Eine Spezialsicherung soll dafür sorgen, dass der Temperaturregler des Wassers künftig nur noch von Pflegekräften verändert werden kann.

58 Grad war das Badewasser heiß, das am 14. November dem auf einen Rollstuhl angewiesenen "Maxi" - wie der Bewohner von allen liebevoll genannt wurde - zum Verhängnis wurde. Eine Betreuerin (52) hatte den Schützling zunächst mit einem Hebelift in die Pflegewanne gesetzt, Wasser einlaufen lassen und währenddessen den Raum kurz verlassen, um sein Bett zu machen. Die Tür ließ sie offen stehen.

"Offenbar menschliches Versagen"
"Leider hat sie aber nicht kontrolliert, welche Temperatur das Badewasser hatte - das war gegen die Vorschriften, somit offenbar ein menschliches Versagen", sagt Renate Hackl, Gruppenleiterin der Behindertenhilfe des Landes Oberösterreich. Als die Betreuerin den 69-Jährigen plötzlich schreien hörte, lief sie sofort zurück, leistete Erste Hilfe und alarmierte den Arzt und die Rettung. Doch die Verbrennungen bei Maximilian P. waren so gravierend, dass er am 23. November an den Folgen im Krankenhaus starb.

Gegen die Mitarbeiterin, die seit fast 30 Jahren im Institut Hartheim tätig und seit 20 Jahren auch für Maximilian P. mitzuständig ist, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung. Die Frau, die ihren Fehler sehr bedauert, muss seit dem Vorfall psychologisch betreut werden.

Schutzvorrichtung wird eingebaut
Wer den mit einer Schnappsicherung versehenenen Thermostat hochgedreht hat, ist unklar. Dafür infrage kämen etwa Reinigungskräfte oder Mitbewohner. Als Konsequenz soll nun der Verbrühungsschutz verbessert werden. "Künftig wird man die Temperatur nur noch mittels einer Kappe, die wie ein Schlüssel funktioniert, individuell verändern können", sagt Hackl. Nur Pflegekräfte werden eine solche haben und dürfen sie nicht aus der Hand geben.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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