Fr, 21. September 2018

Verschwörungstheorie

26.11.2017 14:13

Russen: Conchita Wurst hat Ehefrau und Kinder

Die erste Landesvisite der insbesondere in Russland umstrittenen österreichischen Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst hat am Wochenende für großes Medieninteresse gesorgt. Eine besonders wilde Verschwörungstheorie der Russen, die über Wurst anlässlich ihres ersten Besuchs in St. Petersburg verbreitet wurde: alles nur "Homo-Propaganda", die reale Person des Wurst-Darstellers Tom Neuwirth spiele die Interpretin nur wegen eines Vertrages. Neuwirth sei in Wirklichkeit mit einer Frau verheiratet und habe auch zwei Kinder.

Der privaten Kreml-nahen Nachrichtenagentur "Regnum" waren die bizarren Wurst-Spekulationen am Sonntag eine eigene Meldung wert. Die Agentur beruft sich dabei auf Medienberichte und nennt einen Society-Kanal des Instant-Messaging-Dienstes Telegram als Quelle.

Demnach habe Wurst-Darsteller Neuwirth eine Familie - eine Frau und zwei Kinder, "sie leben in einem kleinen Dorf in der Nähe von Wien". Das Bild eines Transvestiten und eines Schwulen, der mit einem Mann zusammenlebt, führe Neuwirth nur auf Vertragsbasis durch, heißt es in der Meldung.

Conchita als "Symbol eines moralischen Niedergangs des Westens"
Der abstruse Bericht macht deutlich, wie umstritten Conchita Wurst in Russland ist. Nachdem die Interpretin 2014 bei ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest in staatlichen russischen Medien zum Symbol eines moralischen Niedergangs des Westens hochstilisiert wurde und Rechtsaußenpopulist Wladimir Schirinowski in diesem Zusammenhang den Abzug sowjetischer Truppen aus Österreich 1955 als Fehler bezeichnet hatte, war das mediale Interesse am Petersburg-Aufenthalt groß.

Conchita war nach St. Petersburg gekommen, um mit ihrer Präsenz ein unter deutlichem Druck stehendes LGBT-Filmfestival zu unterstützen. Die zehnte Ausgabe des Petersburger Festivals "Seite an Seite", das in vergangenen Jahren wiederholt von Rechtskonservativen kritisiert und auch attackiert worden war, endete am Samstagabend mit einem Österreich-Schwerpunkt: Nach der Vorführung von Händl Klaus' schwulem Beziehungsdrama "Kater" trat Conchita auf die Bühne und beantwortete Fragen russischer Fans. Anschließend trat sie bei der Abschlussparty des Festivals auf.

In Interviews mit liberalen Medien in St. Petersburg sprach Wurst am Samstag insbesondere über eine in Russland nicht selbstverständliche Gleichberechtigung sexueller Minderheiten, Nachrichtenagenturen referierten zudem Aussagen von ihrem Auftritt bei "Seite an Seite". So wurden von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur "Ria Nowosti" Aussagen Wursts zitiert, wonach sie von den Palästen von St. Petersburg begeistert sei und sich gerne hier einen Palast kaufen würde.

Die Aussagen wurden auch vom nationalistischen Vizepremier Dmitri Rogosin auf Facebook und Twitter kommentiert. Der Spitzenpolitiker erinnerte dabei an eine für ihren Bartwuchs bekannte Petersburger Aristokratin des 18. Jahrhunderts und schrieb, dass es in der Stadt wohl nun bald eine touristische Tour zu den Palästen von zwei bärtigen Frauen geben werde. Später löschte der Vizepremier, der eigentlich für die russische Waffenindustrie zuständig ist, seinen Eintrag.

 krone.at
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