Mi, 17. Oktober 2018

"Krone"-Interview

17.11.2017 14:26

Kelly Clarkson: Endlich freie Selbstbestimmung

15 Jahre lang steckte US-Popstar Kelly Clarkson in einem Knebelvertrag, der ihre künstlerische Freiheit beschnitt. Mit ihrem achten Studioalbum, "Meaning Of Life", konnte sich die 35-Jährige nun mit neuem Label und privatem Lebensglück aus ihrem Tief freistrampeln - und zeigt sich darauf so authentisch und mit Soul infiziert, wie nie zuvor.

Sich selbst zu finden und seine Wünsche und Stärken im passenden Rahmen umsetzen zu können, das ist für viele Menschen der Gipfel des Erstrebenswerten. Schon als Kind im allerbesten Kreativalter werden einem allzu oft Prügel in den Weg gelegt und Luftschlösser verpuffen an der rauen Schale Realität. Manchen gelingt es aber irgendwann doch, sich frei entfalten und das Innerste nach außen kehren zu können. Die amerikanische Pop-Prinzessin Kelly Clarkson hat dafür ganze 15 Jahre und acht Studioalben gebraucht - an Aufgeben hat sie trotzdem nie gedacht. Als sie 2002 die allererste Staffel der Erfolgsreihe "American Idol" gewann und mit der Single "A Moment Like This" zuerst den US- und dann den Weltmarkt eroberte, war die 20-Jährige noch voller Träume und Hoffnungen. Mehr als 25 Millionen verkaufter Alben konnten aber nie darüber hinwegtäuschen, dass ihr die künstlerische Freiheit genommen wurde. Aus dem Knebelvertrag mit RCA Records kam Clarkson erst jetzt frei, weshalb das aktuelle Album "Meaning Of Life" dem Abwerfen tonnenschweren Ballasts gleichzusetzen ist.

Wie eine Zwangsehe
Als Clive Davis 2004 den Vorsitz von RCA übernahm, hoffte sie insgeheim auf künstlerische Freiheit, wurde aber weiterhin in ihrem Tun beschränkt. Das 2007er Werk "My December" wollte er gar einstampfen, scheiterte aber in seinem Vorhaben. Nach eineinhalb Jahrzehnten kommerzieller Erfolge und persönlicher Tiefschläge, fühlt sich die mittlerweile 35-jährige Clarkson auf Atlantic Records wie neugeboren. "Dieser Vertrag war wie eine Zwangsehe", erinnert sich Clarkson im Gespräch mit der "Krone" in einem Berliner Nobelhotel zurück, "es ist für einen Künstler verdammt hart, dauernd Kompromisse eingehen zu müssen. Es frisst dich innerlich auf. Freiheit und Selbstbestimmung sind die Schlüssel zu einem schönen Leben - nicht nur für Künstler, sondern für Menschen im Allgemeinen. Es wird immer Leute geben, die einen nicht mögen, welche, die einen tolerieren und andere, die einen lieben. Die Welt ist so bunt und voller Talente, dass es für jeden einen Platz gibt. Es ist okay, wie du bist."

Kelly Clarkson anno 2017 ist eine fest im Leben stehende Powerfrau mit dem Hang zu großen Melodien und viel Soul. "Meaning Of Life" sollte nicht nur ein Zeichen der neugewonnenen persönlichen Freiheit werden, sondern auch eine profunde Hommage an all die großen Künstlerinnen, die der einstigen Castingshow-Ikone als Vorbild dienten: Annie Lennox, Alanis Morissette, Mariah Carey oder TLC. Mehr denn je klingt sie aber auch nach den ganz großen Stimmen wie Aretha Franklin oder Whitney Houston. Clarkson hat ihren Frieden mit sich und der Umwelt gemacht - und das metaphorisch schon im Albumtitel verknüpft. "Es geht darum, Liebe zu geben und empfangen zu können. Wer Liebe teilen kann, ist definitiv ein besserer Mensch. Sich zu fragen, was einen glücklich macht, wirkt im ersten Moment vielleicht etwas kindisch, es ist aber zeitlos relevant, um ein schönes Leben zu führen."

Familienbande
Unermessliches Glück verspürt die Sängerin vor allem im privaten Bereich. Mit Ehemann Brandon Blackstock, dem Sohn ihres Managers Narvel, ist sie seit gut vier Jahren glücklich verheiratet. Die Patchwork-Familie umfasst insgesamt vier Kinder und begleitet sie auch auf Promotiontermine wie hier in Berlin. "Speziell als Mutter ist es mir wichtig, meinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein. Sie sollen sich wohlfühlen und Inspiration daraus ziehen. Authentizität ist in dieser Gesellschaft unerlässlich. Achtet einfach darauf, immer ihr selbst zu sein. Es gibt nicht umsonst Äpfel, Birnen und Bananen und nicht nur eine Sorte Obst." Die Liebe zum Nachwuchs geht bei Clarkson sogar so weit, dass sie mit "River Rose And The Magical Christmas" unlängst ihr zweites Kinderbuch veröffentlichte und auch dabei ist, ein Musical zu konzipieren.

"Da ich eine Zehnjährige im Körper einer 35-Jährigen bin, ist Vorstellungskraft kein Problem", lacht sie, "die Realität ist hart genug, umso lieber flüchte ich mich als Leserin in Bücher, die magische und fantastische Begebenheiten ausstrahlen. Manchmal würde ich einfach gerne in der Heimat von Harry Potter wohnen." Zum Kinderbuchschreiben wurde Clarkson von ihrer Nanny motiviert, die ihr dazu riet, nachdem sie die Geschichten las, welche die Sängerin immer wieder für ihre Kinder erfand und zusammenstellte. Die waschechte Texanerin lebt seit mehr als einer Dekade in der "Music City" Nashville, Tennessee. Die großen Musikmetropolen New York oder Los Angeles reichen ihr für sporadische Besuche.

Notwendige Bodenständigkeit
"Ich suchte nach einer Stadt, in der ich arbeiten und in Ruhe leben konnte. Nashville ist perfekt, weil hier eine unglaublich große Musikszene ist und man trotzdem nicht von Schein und Glitzer geblendet wird." Ausschlaggebend für die Umsiedelung war ein ganz profanes Erlebnis. "Wir haben ein Haus besichtigt und ich saß mit einem guten Glas Wein auf der Veranda. Da wusste ich sofort, dass ich hier richtig bin. Ich mag diese Gegend, weil die Leute sehr entspannt und freundlich sind. Wir leben an einem Fluss und ich liebe die Natur und die Farmen, die sich in meinem Umkreis befinden. Ich bin immer dann glücklich, wenn ich in einer natürlichen Umgebung bin." Durch die Bodenständigkeit im Alltag fällt ihr das Runterkommen von ausverkauften Konzerthallen und Veranstaltungen mit roten Teppichen umso leichter. "Wenn ich daheim bin, spiele ich mit den Kindern Brettspiele oder hänge einfach vor dem Fernseher herum. Das ist nicht nur wichtig, um in diesem Business zu überleben, sondern auch, um die Kinder so normal wie möglich zu erziehen."

All das spiegelt sich auf "Meaning Of Life" wider - eine Art vertonter Spiegel zur Seele einer offenen, aber im Leben allzu oft herausgeforderten Frau. Songs wie der Titeltrack, "Whole Lotta Woman", "I Don't Think About You" oder "Love So Soft" sind gewichtige Marksteine der Selbstfindung - und schlussendlich auch Neuerfindung. "Das ist das erste Album, in dem ich zu 100 Prozent ich selbst bin. Mit den Songwritern hatte ich viele harte und ehrliche Gespräche über die schwierigen Phasen, die ich in meinem Leben durchschreiten musste. Dieses Album ist mit Abstand mein stolzester Fußabdruck im Musikgeschäft." Clarkson sieht sich als das normale "Girl Next Door" und gibt das auch in ihren Songs wider. Jeder solle sich damit identifizieren können, denn im Endeffekt unterscheidet sie nichts von ihren Fans. "Wir alle wollen Liebe, wir wollen erfolgreich und glücklich sein und wir wollen respektiert werden. Deshalb habe ich in meinem Leben immer darauf geachtet, dass sich in meinem direkten Umfeld nur ehrliche Menschen befinden."

Folgen, nicht führen
Clarkson ist ganz und gar nicht das Alphatier, als das sie nach außen hin oft dargestellt wird. "Ich bin eigentlich extrem gut darin, zu folgen und die Arbeit so zu machen, wie sie von mir verlangt wird. Unglücklicherweise hat mich das Leben und meine Karriere aber in eine solche Führungsrolle gespült, die schlussendlich in den Song 'Stronger (What Doesn't Kill You)' mündete." Auch - oder gerade wegen - mehr als 100 Nummer-Eins-Songs in den "Billboard Charts", drei Grammys und einem geschätzten Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro ist der sympathischen Sängerin die Normalität im Leben wichtiger als je zuvor. Und wer weiß? Vielleicht führt die neugewonnene Freiheit auch zu noch größeren Höhenflügen.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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