Mo, 15. Oktober 2018

Kriegsrelikt

09.11.2017 09:48

Fliegerbombe neben Kindergarten ausgegraben

Auf eine 250-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg stießen Arbeiter Mittwoch bei Grabungen im Bereich der Furtwängler Promenade in Salzburg-Aigen. Der nahe englische Privatkindergarten und alle Wohnhäuser im Umkreis von 200 Metern mussten während der Bergung und Entschärfung evakuiert werden.

Der Grundbesitzer - eine angesehene Salzburger Familie - weiß bereits seit längerem, dass sich unter seiner Wiese ein Blindgänger, möglicherweise sogar zwei befinden könnte. Die Stellen sind im Salzburger Bombenkataster vermerkt. Nun wollte man die latente Gefahr endgültig bannen, daher wurden die Grabungsarbeiten angeordnet.

Salzburg-Aigen: Kriegsrelikt lag seit 1944 im Erdboden
Schon am Vormittag entdeckte ein Baggerfahrer eine metallische Platte in knapp sechs Metern Tiefe. Die Arbeiten wurden sofort eingestellt. Die Polizei schickte den Sprengstoffsachverständigen Andreas Dürager vor Ort und warnte die Anrainer, darunter auch den Privat-Kindergarten "English Play Corner". Leiterin Christiane Nowotny organisierte ein Gespräch mit allen Eltern: "Wir haben sie gebeten, die Kinder zur Sicherheit zwischen 12 und 13 Uhr abzuholen. Das hat auch wunderbar funktioniert." Es gab keine Panik, außerdem bestand zu dem Zeitpunkt auch noch keine Gefahr. An der Bombenfundstelle wurde indessen ein Betonring in die Grube gesetzt. Dieser sollte verhindern, dass Erdreich auf das Relikt fällt. Gegen 14.30 Uhr war die Bombe dann freigelegt. Da waren auch schon Spezialisten vom Entminungsdienst vor Ort, um das Relikt, das mit einem Aufschlagzünder ausgestattet war, zu entschärfen.

Hunderte Salzburger wegen Gefahr evakuiert
Hunderte Bewohner der umliegenden Häuser in der Furtwängler Promenade, am Abfalterhofweg, in der Gänsbrunnstraße, in der Schwarzenbergpromenade, in der Ernst-Grein- sowie in der Zieglstadl- und der Weißenbachstraße mussten ihre Häuser verlassen. Die Polizei hatte einen 200 Meter Umkreis rund um die Bombe sperren lassen. Ein Großteil der Bewohner besuchte Verwandte, andere setzten sich in Kaffeehäuser. Feuerwehr, Rettung und Polizei hatten die Menschen gemeinsam informiert und nachgesehen, ob wirklich niemand mehr zu Hause ist.

Zwischen 1944 und 1945 sind bei insgesamt 15 von Italien aus geflogenen Angriffen über der Stadt Salzburg 9200 Bomben abgeworfen worden. Eine Zeitzeugin, die nahe der Furtwängler Promenade wohnt, hat dem jetzt betroffenen Grundbesitzer erzählt, dass sie sich erinnern kann, das hier eine Bombe einschlug. Diese sei aber nie hochgegangen.

In Salzburg gibt es zudem insgesamt noch 92 Flächen, an denen Bomben-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg unter dem Erdboden vermutet werden. Wird ein Relikt zufällig gefunden, übernimmt der Staat die Bergungskosten. Wenn aber aktiv danach gesucht wird - wie nun - müssen die Grundbesitzer alles zahlen. Gegen 16 Uhr konnte am Mittwoch schließlich Entwarnung gegeben werden. "Der Aufschlagzünder hatte eine 6-Kant-Gewinde-Verschraubung", schildert An-dreas Dürager. Diese musste vorsichtig herausgedreht werden. Das Relikt wird jetzt zum Bundesheer gebracht und in Allentsteig kontrolliert gesprengt.

M. Kappes/ M. Tschepp, Kronen Zeitung

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