Die oberösterreichische Landesausstellung „Kohle und Dampf“ beeindruckte durch die Adaptierung eines Kohlebrechers in ein modernes Museum - und durch ein Herz für Kinder. Vergessen hat man aber, der Gegenwartskunst im Hausruckviertel einen Platz zu geben. Dafür fand das Lentos Kunstmuseum mit der Helnwein-Ausstellung im Frühling endlich einmal publikumswirksame Beachtung. Unwiederbringlich verloren für (Ober-)Österreich: Gustav Klimts „Häuser in Unterach am Attersee“ fanden in New York um 24,5 Millionen Euro einen neuen Besitzer.
In der darstellenden Zunft fanden die aufregendsten Begegnungen in den „kleinen“ Häusern statt. Witz, Charme und Mut bewiesen die Theatermacher rund um Adi Hirschal in Stadt Haag: Sie inszenierten „Die Reise durch den Mittelpunkt der Erde“ als virtuelles Spektakel - noch zu sehen bis Februar! Heidelinde Leutgöb ist die Regisseurin des Jahres: Sie inszenierte im Eisenhand-Theater eine unglaublich junge, rasante „Romeo und Julia“-Version, die nicht mit Höhepunkten geizte und lieferte mit „Heiße Eisen“ den Knaller des vergangenen Sommers. Ihr dürfen wir eine Träne nachweinen: Sie geht ab Herbst 2007 nach Hannover. Wie schon vor ihr Michael Klügl: Anfang Juli feierte der ehemalige Linzer Intendant seine „Last Night at the Prom“ - ein berührendes Abschiedsfest. Der Flop des Jahres: Shakespeares „Maß für Maß“ am Landestheater: Wenn deutsche Schauspieler den Wiener Schmäh imitieren, tut es richtig weh.
Musikalisch war es offenbar ein gutes Jahr. Als genialer Griff erwies sich die Operette „Fatinitza“ in Bad Ischl. Franz Welser-Mösts Erlebensart von Bruckners „Fünfter“ in St. Florian mit seinem Wunderinstrument, dem Cleveland Orchestra, wird unvergesslich bleiben. Ebenso die intensiven Berührungsminuten von Sängerin und Geigerin Carla Kihlstedt beim 20. Unlimited Festival in Wels. Nicht alle Tage konnte man das Abenteuer Musik in solcher Leibhaftigkeit spüren, wie beim Konzert des L´Orfeo Barockorchester unter Michi Gaigg im Schloss Kammer. Ähnlich feuergefährlich die Accademia Bizantina im Brucknerhaus. Abende mit besonders innigen Qualitäten waren das Finale des 4020-Festivals mit Andrea Eckert im Lentos und die stille Präsenz von Michael Heltau im Klangschloss Tillysburg.
Und sonst? Es wurde endlich ein Kulturhauptstadt-Logo gefunden, Bruckneruni-Rektor von Gutzeit verließ Linz Richtung Salzburger Mozarteum. Ja, doch: Es war ziemlich viel los, dieses Jahr…
Foto: Norbert Artner
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