21.12.2006 21:08 |

Anarchie und Morde

Mehr als 300 Tote bei Kämpfen in Somalia

Ungeachtet einer Einigung auf Friedensgespräche sind in Somalia bei neuen schweren Kämpfen nach Angaben der Konfliktparteien mehr als 300 Menschen getötet worden. Die Islamisten sprachen am Donnerstag davon, dass Somalia sich im "Krieg" mit dem Nachbarland Äthiopien befinde. Die Eskalation der Gewalt schürte Sorgen, dass sich der Konflikt zu einem Flächenbrand am Horn von Afrika ausweiten könnte.

Die Islamisten erklärten, ihre Milizen hätten bei Gefechten nahe der südlichen Stadt Baidoa, dem Sitz der in Bedrängnis geratenen Übergangsregierung, mehr als 200 äthiopische Soldaten getötet und weitere 200 verwundet.

Die Regierung wiederum teilte mit, bei den Gefechten seien 100 Islamisten getötet worden. Hunderte Menschen flohen vor den Gefechten, bei denen Raketen, Artillerie und Mörsergranaten abgefeuert wurden.

Äthiopien gewährt Flüchtlingen Schutz
"Jeden Tag kommen 150 neue Flüchtlinge nach Addis Abeba", sagte der Chef der somalischen Gemeinschaft in Äthiopien, Mahamud Issa. Die äthiopische Regierung habe den Flüchtlingen Schutz zugesichert. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk registrierte eine verstärkte Ankunft von Menschen in Flüchtlingslagern.

Unklarheit über an Kämpfen Beteiligte
Ein Sprecher der Union der Islamischen Gerichte (UIC) sagte, die Milizen kämpften gegen Äthiopier, nicht gegen Soldaten der vom Westen unterstützten Übergangsregierung. Äthiopien bestreitet, dass seine Soldaten in Kampfhandlungen verwickelt sind. Das Nachbarland hat nach eigenen Angaben lediglich mehrere hundert Mann zur Ausbildung der Regierungssoldaten nach Somalia geschickt.

Somalia versank nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Mohammed Siad Barre 1991 in Anarchie. Die mit Hilfe der UNO eingesetzte Übergangsregierung ist nahezu machtlos, der Rat der Islamischen Gerichte hat seit Juni die Hauptstadt Mogadischu und weite Teile im Süden Somalias unter Kontrolle.