24.12.2006 08:14 |

Meisterdetektiv

Sherlock Holmes - Die Spur der Erwachten

Der Tag von Meisterdetektiv Sherlock Holmes hätte so schön werden können - das Frühstück mit dem ihn verehrenden Dr. Watson, die Zeitung, ein paar gute Bücher... Das alles versprach einen geruhsamen Nachmittag, doch diese Ruhe hält nicht lange an. Geheimnisvolle Vorkommnisse fordern den wohl berühmtesten Detektiv der Literaturgeschichte.

Dr. Watson ruft Sherlock Holmes zum Haus eines steinreichen Londoners, dessen Bediensteter wie vom Erdboden verschluckt ist. Der Mann ist Maori, auf dem Boden seiner ungemütlichen Hütte findet Holmes rätselhafte Zeichnungen sowie rauscherzeugendes Kraut, das natürlich zu genauerer Untersuchung eingesteckt wird.

Adventure mit Ego-Perspektive
Das funktioniert bequem per Mausklick, gesteuert wird der Meisterdetektiv durch das komplett 3D-animierte viktorianische London per WASD-Steuerung. Die Ego-Perspektive ist für ein Adventure ungewöhnlich, aber auch gewöhnungsbedürftig. Man muss diese Art der Fortbewegung mögen und jeder Gamer sollte selbst entscheiden, ob er sich dafür begeistern kann. Per Schnellreisefunktion lassen sich die Wege abkürzen. Die meisten Dialoge laufen ohne Eingreifmöglichkeiten automatisch ab - verschiedene Antwortmöglichkeiten oder Fragenalternativen hätten dem Gefühl, selbst in die Rolle des berühmten Detektivs zu schlüpfen, sicher gut getan.

Holmes verdächtigt erst den reichen Hausbesitzer, den Dienstboten aus Neuseeland verscheucht zu haben, doch die Geschichte nimmt eine ungewöhnliche Wendung. Schließlich werden weitere Personen entführt, so auch der Diener einer Prinzessin - das kann doch kein Zufall sein! Also sammelt der Spieler in Gestalt von Holmes und, seltener, Dr. Watson Beweise, spricht mit Verdächtigen und untersucht seine Fundstücke mit einem Chemiebaukasten.

Die meisten Orte müssen gründlich abgesucht werden, hat der Protagonist ein Detail vergessen, heißt es zum Beispiel vor dem Holmes'schen Zuhause: "Ich habe noch nicht alle Details". Kleine Hinweise, was genau übersehen wurde - das artet manchmal in nervige Kleinarbeit aus - wären wünschenswert gewesen.

Stimmungsvoll in Szene gesetzt
Grafisch weiß "Sherlock Holmes - Die Spur der Erwachten" nicht zu überzeugen. Auch wenn die Einspieler bei Dialogen und die grundlegende Gestaltung gut gelungen sind, wirken die Außenlevels zu steril, Blumengärten zu kantig und Animationen teils unpassend. Die Stimmung der viktorianischen Welt rund um das Meisterhirn haben die Entwickler jedoch zweifelsohne gut getroffen.

Das wichtigste in Sherlock Holmes' Leben sind natürlich die Rätsel - und von denen gibt es im Game auch massenhaft. Meist müssen Gegenstände im Inventar kombiniert werden, oft erfordert das Spiel jedoch auch eine komplexere Handlungsabfolge. Nach einem Gespräch muss etwa über eine Akte herausgefunden werden, welche Verkleidung nötig ist, um eine Person zum Sprechen zu bewegen. Erst mit dem richtigen Äußeren geht es im Game dann vorwärts.

Nach erfolgreicher Bewältigung warten am Ende der Kapitel Fragen, die für jeden halbwegs aufmerksamen Spieler zu beantworten sein dürften. Warum dieses Element jedoch aus dem Vorgänger - damals in verschärfter Version mit schier unzähligen Möglichkeiten - übernommen wurde, ist nicht klar. Es ist unwahrscheinlich, dass irgendjemand daran wirklich Gefallen findet - schließlich lösen Holmes und Watson die Rätsel im Game. Die Zwischenfragen scheinen eher eine Überwachungsmaßnahme dem Spieler gegenüber zu sein, ob er auch bei der Sache ist - das hat jedoch nur den Gamer selbst zu interessieren. Fesselnder wird das Spiel dadurch jedenfalls nicht.

Fazit: "Sherlock Holmes - Die Spur der Erwachten" verspricht durch den Verlauf der Geschichte Gruselstimmung. Diese Erwartungen kann das Spiel jedoch nicht ganz erfüllen, kaum je läuft dem Gamer ein Schauer über den Rücken. Trotz teils gelungener Texturen und guter Ansätze krankt es im chronisch menschenleeren, sterilen London an Atmosphäre. Das können auch die Levels in der Schweiz oder Louisiana nicht mehr retten. Auch der lineare Storyverlauf bremst ungehemmten Spielspaß. Dessen ungeachtet warten zahlreiche, lösbare Rätsel auf Adventure-hungrige Spieler.

Plattform: PC
Publisher: Frogster Interactive
Krone.at-Wertung: 71 %

Von Bernadette Geißler

Montag, 21. Juni 2021
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