Wütender Protest

Demonstration gegen Papstbesuch in Istanbul

Ausland
26.11.2006 19:26
Zwei Tage vor dem Türkei-Besuch von Papst Benedikt XVI. haben sich am Sonntag mehrere tausend Menschen zu einer Protestveranstaltung in Istanbul versammelt. Die Demonstranten, die mit zahlreichen Bussen auf dem weiträumig abgesperrten Kundgebungsplatz eintrafen, schwenkten türkische Flaggen und Fahnen der islamischen Saadet-("Glückseligkeits"-)Partei, die zu der Kundgebung aufgerufen hatte.

Die Beteiligung war relativ schwach. Statt der erwarteten Million von Demonstranten nahmen nach unterschiedlichen Angaben lediglich 10.000 bis 20.000 zum Großteil junge Menschen an der Kundgebung teil. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle und ging am Abend zu Ende.

Die Demonstration richtete sich gegen Äußerungen des Papstes zum Thema Islam und Gewalt, die von vielen Muslimen als Beleidigung des Propheten Mohammed aufgefasst worden waren. "Wir haben unendlichen Respekt vor allen Religionen und deren Vertretern, aber wir können nicht still bleiben angesichts Erklärungen, die sich gegen unseren Glauben richten", sagte ein Vertreter der Veranstalter-Partei.

Erdogan distanziert sich
Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat sich von den Anti-Papst-Protesten distanziert und von "marginalen Gruppen" gesprochen. Bei den Parlamentswahlen vor vier Jahren hatte die islamische Saadet-Partei nur rund 2,5 Prozent der Stimmen erhalten.

Der Papst hatte am 12. September in Regensburg einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert mit den Worten zitiert, der Prophet Mohammed habe nur "Schlechtes und Inhumanes" gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. Nach Protesten in der islamischen Welt bedauerte Benedikt XVI., dass seine Äußerungen missverstanden worden seien.

Papst strebt "echte Freundschaft" an
Benedikt hat unterdessen ein Bekenntnis zur Freundschaft mit der Türkei abgelegt. Er begegne dem "lieben türkischen Volk und seinen Repräsentanten" mit einem Gefühl "der Wertschätzung und echter Freundschaft", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Außerdem wurde bekannt, dass der Heilige Vater auf seiner Reise auch die Blaue Moschee in Istanbul besuchen wird. Dies wird als Zeichen für den Dialog mit dem Islam interpretiert.

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