28.04.2017 13:17 |

Schnee und Regen

Das war der kälteste April seit neun Jahren!

Es kommt Ihnen nicht nur so vor, es ist auch so: Der heurige April ist kühler als die Jahre zuvor - und zwar lag die Temperatur 0,2 Grad Celsius unter dem Mittel. Damit ist der Monat, der für seinen wettertechnischen Facettenreichtum bekannt ist, der kälteste seit neun Jahren. Insgesamt waren die Unterschiede groß: Am 10. April gab es in Hermagor in Kärnten 25,9 Grad, in der zweiten Monatshälfte folgte dann aber ein massiver Kaltlufteinbruch.

Dabei wurden zum Beispiel an den Wetterstationen der Flughäfen Graz und Innsbruck mit minus 5,5 Grad bzw. minus 4,4 Grad neue Frostrekorde für die zweite Aprilhälfte aufgestellt", sagte ZAMG-Meteorologe Alexander Orlik. Kaltlufteinbrüche mit Frost und Schnee sind zwar im April keine Seltenheit, aber die Neuschneemengen am 19. und 20. April waren zum Teil sehr ungewöhnlich, besonders im Gebiet von den Ybbstaler Alpen bis zum Wienerwald, resümierte Orlik.

86 Zentimeter Schnee - und das Mitte April
Zum Beispiel schneite es in Lunz am See in Niederösterreich innerhalb von 24 Stunden 65 Zentimeter, ein selbst in einem Wintermonat extrem hoher Wert. Am 20. April lagen dann insgesamt 86 Zentimeter Schnee. Das gab es hier in der zweiten Aprilhälfte seit Messbeginn im Jahr 1896 noch nie. Der Rekord für den gesamten April liegt in Lunz mit 170 Zentimeter deutlich höher, gemessen am 1. April 1944.

Extreme Niederschlagsmengen im Südwesten
Extrem waren Ende April die Niederschlagsmengen im Südwesten Österreichs, sagte Orlik: "Am Loiblpass kamen in 48 Stunden 256 Millimeter Niederschlag zusammen. Das gibt es hier statistisch gesehen nur alle 20 Jahre, in einem Frühlingsmonat sogar nur alle 40 bis 50 Jahre. In Bad Bleiberg regnet es in 48 Stunden 138 Millimeter. Das kommt hier durchschnittlich alle zehn Jahre vor, und in einem Frühlingsmonat nur alle 40 bis 50 Jahre."

In Kärnten und Osttirol war es der erste flächendeckend ergiebige Regen nach einer rund fünf Monate dauernden Trockenheit. Berücksichtigt man die Prognosen bis Monatsende, so zeichnet sich in der österreichweiten Auswertung ein um 45 Prozent überdurchschnittlich nasser April ab.

Sonniger Süden, trüber Norden
Die Sonnenscheindauer lag hingegen zehn Prozent unter dem Mittel, aber hier gab es große regionale Unterschiede. Der Alpenhauptkamm bildete dabei relativ genau eine Trennlinie zwischen einem überdurchschnittlich sonnigen Süden und einem sehr trüben Norden. Von Osttirol bis in das Mittelburgenland schien die Sonne, verglichen mit dem klimatologischen Mittel, um fünf bis 20 Prozent länger. Aber auch von Vorarlberg bis zu den Tuxer Alpen waren die Sonnenscheinverhältnisse ausgeglichen.

Deutlich seltener zeigte sich die Sonne dann vom Tiroler Unterland bis ins Nordburgenland. In diesen Gebieten schien diese um zehn bis 30 Prozent kürzer. Besonders trüb war es aber vom Flachgau bis zu den Ybbstaler Alpen sowie im Mühl- und Waldviertel. Das Defizit an direktem Sonnenschein lag hier zwischen 30 und 50 Prozent.

Frostschäden bei Obstkulturen
Auch die April-Bilanz der Phänologie, die Auswirkungen von Wetter und Klima auf Pflanzen und Tiere untersucht, zeigt einige Besonderheiten. Nach dem wärmsten März der Messgeschichte begann auch der April sehr mild, wodurch die Blüte der Leitpflanzen des sogenannten Vollfrühlings ungewöhnlich früh begann. Die Kaltlufteinbrüche in der zweiten Aprilhälfte verursachten dann in vielen Obstkulturen verbreitet Frostschäden.

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