11.04.2017 09:30 |

krone.at-Test

"Yooka Laylee": Jump'n'Run-Zeitreise in die 90er

In den Neunzigern hat sich das britische Spielestudio Rare einen guten Ruf als Manufaktur höchst unterhaltsamer Jump'n'Runs erarbeitet. Eines der Meisterwerke aus jener Zeit: Das N64-Jump'n'Run "Banjo Kazooie" mit seinem Heldenduo aus Bär und Strauß. Mit "Yooka Laylee" haben einige Ex-Mitarbeiter von Rare nun einen Crowdfunding-finanzierten spirituellen Nachfolger programmiert. Wie sich der spielt, hat krone.at getestet.

Wie im Vorbild übernimmt der Spieler auch in "Yooka Laylee" die Kontrolle über ein ungleiches Heldenduo. Statt Bär und Strauß gibt's diesmal Chamäleon und Fledermaus.

Die Handlung: Ein fieser Großkonzern hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Bücher der Welt einzusaugen und ohne Rücksicht auf Verluste zu versilbern. Die Bösewichte - Hummel und Ente - haben ihre Rechnung aber ohne Yooka und Laylee gemacht.

Die beiden Helden des Spiels finden es nämlich überhaupt nicht witzig, dass der Konzern ihr geliebtes und auch als Beistelltisch genutztes magisches Buch klaut - und machen sich prompt auf den Weg, dem Spuk Einhalt zu gebieten. Sehr viel mehr Story gibt es nicht - und braucht es auch nicht.

Ist die Handlung ein Seitenhieb auf Microsoft?
Tatsächlich ist die Handlung für ein Jump'n'Run recht gesellschaftskritisch. Manch einer könnte sogar hineininterpretieren, dass der Kauf ihres ehemaligen Arbeitgebers durch Microsoft das neue Studio Playtonic dazu verleitet haben könnte, in ihrem Game eine Geschichte über den Kampf zwischen Kapitalismus und Leidenschaft für die Kunst zu erzählen.

Seltsames Gebrabbel stört die Dialoge
Schade: Die Inszenierung ist zwar humorig, aber nicht ganz zeitgemäß. "Yooka Laylee" verzichtet auf Sprachausgabe und erzählt seine unterhaltsam geschriebene Geschichte in Textfenstern.

Das wäre prinzipiell nicht verwerflich, das eigentümlich abgehackte Gebrabbel, das die Charaktere dabei von sich geben, nervt aber gerade bei längeren Dialogen schnell. Gebrabbel kann Nintendo niedlicher und unaufdringlicher.

Spielt sich wie eine Zeitreise in die Neunziger
Aber wie spielt sich "Yooka Laylee" denn nun? Bemerkenswert retro, müssen wir sagen. Wer Spiele wie "Super Mario 64" oder eben "Banjo Kazooie" gern hatte, wird mit "Yooka Laylee" in der Tat viel Freude haben.

Genretypisch hüpfen die Helden in ihrem ersten Abenteuer durch bunte und abwechslungsreiche 3D-Welten, sammeln Schätze, lösen einfachere Schalterrätsel, stellen sich Bossen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und machen Jagd auf magische Buchseiten, die das Tor in ein neues Level öffnen. Was in "Mario 64" Münzen, Sterne und Bilder waren, sind bei "Yooka Laylee" Federn, Seiten und Bücher.

Fähigkeiten müssen klug kombiniert werden
Für taktische Tiefe sorgt in "Yooka Laylee", dass sich der Spieler die speziellen Fähigkeiten der beiden Helden zunutze machen muss. Chamäleon Yooka ist gut für den Kampf geeignet, haut Gegnern seinen Schweif um die Ohren, erklimmt rutschige Rampen und schnappt mit seiner Zunge Lebensenergie liefernde Schmetterlinge.

Laylee wiederum greift mit ihren Flügeln unterstützend ein. Die Fledermaus sorgt flatternde für weitere Sprünge, deckt mit ihrem Sonar versteckte Items auf und schützt Genosse Chamäleon vor feindlichen Angriffen.

Ihre jeweils eigenen Fähigkeiten müssen die beiden Helden in den Levels klug kombinieren, um ans Ziel zu kommen und die für den Fortschritt zentralen Gegenstände zu sammeln. Die Spielwelt gibt sich dabei schön abwechslungsreich: Das Heldenduo arbeitet sich im Spielverlauf über tropische Inseln, durch düstere Fabrikshallen, über eisige Gipfel und durch ein gruseliges Halloween-Land.

Angemessener Anspruch, stimmige Optik
Der Schwierigkeitsgrad steigt angemessen: Je weiter man vorankommt, umso mehr Fähigkeiten - Stampfattacken, Flatterflüge, Rückwärtssaltos - stehen dem Heldenduo zur Verfügung, um ans Ziel zu kommen. So ist das Game zunächst schön zugänglich, später im Spiel gibt es aber auch richtig schwere und die gesamte Geschicklichkeit des Spielers fordernde Parcours-Passagen.

Hie und da lockern die Entwickler den gelungenen Jump'n'Run-Spaß mit Events auf, bei denen man etwa in "Donkey Kong"-Manier in einen Grubenhunt steigt, ein Wettrennen mit einem NPC startet oder Puzzles löst. Nichts wirklich neues, aber in seiner Summe ein stimmiges Ganzes.

Zum stimmigen Ganzen trägt auch die hübsche Optik bei. In der getesteten PC-Version läuft das Game auch auf älteren Rechnern in angenehm flüssigen 60 Bildern pro Sekunde, die Spielwelt ist liebevoll designt, kunterbunt und mit ansprechenden Licht- und Wassereffekten angereichert. Die Helden und Gegner hat man ebenfalls sehr liebenswert getroffen. Klar könnte man optisch mehr aus aktuellen PCs oder Konsolen holen, aber der Comic-Look von "Yooka Laylee" braucht keine superscharfen Texturen und Partikeleffekte, um zu gefallen.

Gute-Laune-Soundtrack mit Ohrwurmqualitäten
Zum gelungenen Gesamteindruck trägt auch der Gute-Laune-Soundtrack bei, den die Entwickler "Yooka Laylee" spendiert haben. Das Spiel wird von eingängigen Dschungeltönen untermalt, die Soundeffekte hat man ebenfalls gut getroffen. Da tut die teils geradezu bizarre Brabbelei, mit der die Textfensterdialoge hinterlegt sind, doppelt weh. Womöglich können jüngere Spieler damit mehr anfangen, uns hat es im Test aber wirklich genervt.

Nett, weil Genre-untypisch: Die Entwickler haben "Yooka Laylee" sogar ein paar nette Multiplayer-Herausforderungen spendiert, um auch nach dem ersten Durchspielen Langzeitmotivation zu bieten.

Fazit: Würdiger Nachfolger zu "Banjo Kazooie"
Bei ihrer Kickstarter-Kampagne haben die Entwickler von Playtonic Games "Yooka Laylee" als spirituellen Nachfolger zum N64-Klassiker "Banjo Kazooie" beschrieben. Nach dem Spielen können wir attestieren: Sie haben Wort gehalten.

Freunde der 3D-Jump'n'Runs der Neunziger kommen in dem kunterbunten Jump'n'Run-Abenteuer voll auf ihre Kosten und werden im Spielverlauf mehr als ein Déja-vu erleben, das sie in ihre Kindheit zurückversetzt. Man merkt dem Game zwar da und dort an, dass hier nicht mit dem allergrößten Budget gearbeitet wurde. Das ultimative Ziel, quasi eine Gaming-Zeitreise in die goldene Ära der 3D-Jump'n'Runs zu entwickeln, ist Playtonic aber gelungen.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: Playtonic Games
krone.at-Wertung: 8/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
„Wachablöse“
Coutinho! Hat Müller bei Bayern schon ausgedient?
Fußball International
2:1 würde reichen
LASK: Bitte das Gleiche in Brügge noch einmal!
Fußball National
Sport für Schwangere
Mit Babybauch durch die Weinberge
Gesund & Fit
Filzmaier-Analyse
Wohin und mit wem gehst du, SPÖ?
Österreich
Rekordfest der „Krone“
Wir haben ganz Linz singen und tanzen gesehen!
Oberösterreich
Hier im Video
Juventus siegt ohne Trainer - Pleite für Ribery
Fußball International

Newsletter