18.02.2017 08:09 |

Mailänder Dom:

"Ausländer" bringen Italiener auf die Palme

Palmen vor dem Mailänder Dom? Die Neugestaltung des Platzes vor der berühmten Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert hat eine Kontroverse darüber ausgelöst, ob exotische Pflanzen vor nationale Denkmäler in Italien gehören. Insgesamt 42 Palmen, von denen einige fünf Meter hoch sind, sowie Bananenstauden sollen vor der historischen Kulisse gepflanzt werden. Pikant ist die Pflanzung auch deshalb, weil das Projekt von der US-Kaffeehauskette Starbucks finanziert wird - ausgerechnet jener Firma, die jetzt Italiens traditionsreichen Cafés massiv Konkurrenz machen will.

Mit der Pflanzaktion bringt sich Starbucks in Italien jedenfalls ins Gespräch. Die Kette ist bisher noch nicht in der Heimat des Cappuccino präsent, will aber im kommenden Jahr ihre ersten Filialen in Rom und Mailand eröffnen. In den kommenden Jahren sollen insgesamt 200 bis 300 Filialen in Italien entstehen. Starbucks wird somit künftig zum großen Konkurrenten der italienischen Traditionscafés.

Bürgermeister will beruhigen: "Lassen Sie uns abwarten"
Starbucks hatte eine Ausschreibung für die Umgestaltung einiger Grünflächen in Mailand gewonnen. Aber sogar Mailands Bürgermeister Giuseppe Sala äußerte sich zurückhaltend über die Idee, Palmen vor dem berühmtesten Bauwerk seiner Stadt zu pflanzen. "Als Bürger halte ich mich erstmal zurück", sagte er. "Lassen Sie uns abwarten, wie es aussieht, wenn es fertig ist." Er habe nicht grundsätzlich etwas daran auszusetzen, zudem gebe es einen historischen Bezug.

Der bekannte italienische Landschaftsarchitekt Paolo Pejrone schrieb dagegen in der Zeitung "La Repubblica", Palmen hätten "weder etwas mit der Zukunft noch mit der Vergangenheit Norditaliens zu tun". Und Bananenstauden seien "wirklich eine mutige Wahl, an der Grenze zum Kitsch".

Der Domplatz sei zudem berühmt für seine Leere, er sei von dem Architekten Piero Potaluppi bewusst so gestaltet worden. "Diese Vision muss respektiert werden." In städtischen Gebieten müssten nicht zwangsläufig heimische Pflanzen stehen - "aber Palmen auf den Domplatz zu pflanzen, erscheint mir wie eine neugotische Verrücktheit", so Pejrone.

Lega-Nord-Chef: "Dann haben wir wirklich Afrika in Italien"
Der Chef der nationalistischen Partei Lega Nord, Matteo Salvini, nutzte die Debatte für fremdenfeindliche Töne: "Palmen und Bananen auf der Piazza del Duomo - was wir jetzt noch brauchen, sind Kamele und Affen, dann haben wir wirklich Afrika in Italien."

Palmen sind nicht in Italien beheimatet, gehören aber vielerorts zum Stadtbild. Bei den italienischen Adeligen waren die exotischen Pflanzen im 18. und 19. Jahrhundert in Mode. Im 20. Jahrhundert ließ Diktator Benito Mussolini Palmen pflanzen - als Referenz an das einstige italienische Kolonialreich in Afrika.

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