Mo, 25. Juni 2018

Fordert und fesselt!

18.12.2016 09:00

"Shadow Tactics: Blades of the Shogun" im Test

Erinnern Sie sich an den Green Beret und seine "Commandos", die Ende der Neunziger das Genre der Echtzeit-Taktik begründeten? Vermissen Sie sie - der letzte Teil erschien vor 13 Jahren - womöglich sogar? Dann ist "Shadow Tactics: Blades of the Shogun" genau das richtige Spiel für Sie. Nach jahrelanger Durststrecke belebt das im Japan des 17. Jahrhunderts angesiedelte Game das Genre nämlich endlich wieder.

13 Jahre nach "Commandos 3" darf in Daedalics Echtzeit-Taktikspiel endlich wieder in die Tastatur gebissen, an den Fingernägeln gekaut und Haare gerauft werden. "Shadow Tactics: Blades of the Shogun" ist nämlich ebenso wie die Genre-Begründer keine leichte Kost - auch, wenn es im einfachen Schwierigkeitsgrad deutlich zugänglicher ist als seinerzeit "Commandos".

Aber zunächst zur Rahmenhandlung: Die spielt im Japan des 17. Jahrhunderts, wo gerade ein neuer Shogun die Macht übernommen hat. Und damit er sie auch behält, hat er ein Team tödlicher Spezialisten angeheuert, die seine Widersacher - Verschwörer und Rebellen - möglichst subtil aus dem Verkehr ziehen sollen. Der Spieler steuert diese mächtigen Spezialisten während ihrer Einsätze.

Fünf Helden mit eigenen Stärken und Schwächen
Wie seinerzeit auch bei "Commandos" hat dabei jeder der fünf steuerbaren Protagonisten seine ganz eigenen Fähigkeiten. Ninja Hayato beispielsweise pirscht sich lautlos an seine Gegner heran und schlägt aus dem Hinterhalt mit Samuraischwert und Wurfstern zu. Deutlich rabiater geht der schwergepanzerte Samurai Mugen vor: Er kann zur Not auch mehrere Feinde in Schach halten.

Eine Übung, die andere Charaktere wie das Fallensteller-Straßenkind Yuki oder Aiko, eine Meisterin der Verkleidung, schnell in Bedrängnis bringen würde. Und erst recht den fünften Helden im Bunde, den gebrechlichen Scharfschützen-Opa Takuma, der seine eingeschränkte Mobilität wiederum mit einem zahmen Marderhund ausgleicht, der Wachen mit Kunststücken ablenkt.

"Commandos"-Kenner fühlen sich sofort heimisch
Spielerisch fühlen sich "Commandos"-Kenner in "Shadow Tactics" sofort heimisch. Wie im Genre-Wegbereiter bewegt man sein Team in Echtzeit über isometrische Karten, achtet penibel darauf, die Sichtkegel der Gegner zu meiden und entwickelt ausgefuchste Strategien, um sie möglichst unbemerkt auszuschalten und sich Schritt für Schritt ans eigentliche Missionsziel heranzutasten. Meist gilt es, Zielpersonen auszuschalten, Verbündete zu retten oder Objekte zu sichern.

Für taktischen Tiefgang sorgt dabei die Notwendigkeit, die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere klug zu verknüpfen und möglichst unentdeckt zu operieren. Oft genug reicht ein falscher Zug und die aufgeschreckten Feinde machen kurzen Prozess mit den Recken des Kaisers. Da trifft es sich gut, dass das Game ein einfach zu bedienendes Schnellspeicher- und Ladesystem hat.

Gelungene Steuerung, praktische Komfort-Features
Recht hilfreich ist auch ein Feature, bei dem der Spieler seinen Helden erst Befehle gibt und sie diese dann simultan umsetzen lässt. Timing ist in "Shadow Tactics" nämlich Trumpf. Oft genug harrt man zuerst eine Weile in seiner Deckung, studiert die Bewegungen der Wachen, belauscht ihre Gespräche - und entwickelt erst nach und nach eine erfolgversprechende Strategie.

Generell gilt: In "Shadow Tactics" führen viele Wege ans Ziel, bei der Erreichung seiner Ziele hat der Spieler viel Freiheit. Das lädt zu Experimenten ein - erst recht in den höheren Schwierigkeitsgraden, in denen die Entwickler Zusatzaufgaben wie das Absolvieren eines Levels ohne einen bestimmten Helden oder innerhalb eines knackigen Zeitlimits einbauen. Lohn solcher Mühen sind Abzeichen, die man auf niedrigeren Schwierigkeitsstufen nicht bekommt. Das sorgt auch nach dem ersten Durchgang für Wiederspielwert.

Detailverliebte Optik, stimmungsvoller Sound
Dass "Shadow Tactics: Blades of the Shogun" einen stimmigen Gesamteindruck hinterlässt, liegt auch an der hübschen Aufmachung und Vertonung - wenngleich wir uns zusätzlich zur japanischen und englischen Sprachausgabe auch eine deutsche gewünscht hätten. Sei's drum: Japanisch mit Untertiteln sorgt in Kombination mit dem landestypischen Soundtrack ohnehin für mehr Atmosphäre.

Die im bunten Comic-Look gehaltenen isometrischen Karten sind mit viel Liebe ins Detail gezeichnet, bieten viel Abwechslung - von grünen Ebenen über schwerbewachte Festungen bis hin zu bunten Städtchen - und fangen das Stimmungsbild des alten Japan gut ein. Dass man es hier mit einem neueren Genrevertreter zu tun hat, bemerkt man an den hübschen Partikeleffekten, den realistischen Schatten und den ansehnlichen Wassereffekten.

Erwähnenswert: "Shadow Tactics: Blade of the Shogun" bietet Controllerunterstützung, kann also auch am TV-Gerät gespielt werden. Dass das Game auf allen Betriebssystemen - also auch auf mit Spielen chronisch unterversorgten Apple-Computern und sogar Linux - läuft, sei ebenfalls lobend hervorgehoben.

Fazit: Wer an der "Commandos"-Reihe oder dem Wildwest-Taktikspiel "Desperados" Freude hatte, kann bei "Shadow Tactics: Blades of the Shogun" ungeschaut zuschlagen - zumal es mit 40 Euro vergleichsweise günstig ist. Ausgehungerte Taktiker mit einer gewissen Frustresistenz fühlen sich ab der ersten Minute heimisch, spielerisch bietet das Game eine spannende Herausforderung an einem stimmungsvollen Schauplatz.

Tipp: Bei "Shadow Tactics" frönen die Entwickler einer längst vergessenen Tugend und bieten eine kostenlose Demo-Version an, in der Sie die erste Mission selbst ausprobieren und sich Ihr eigenes Urteil bilden können.

Plattform: PC (Windows, MacOS, Linux); PS4 & Xbox One 2017
Publisher: Daedalic Entertainment
krone.at-Wertung: 9/10

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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