Fotos der Show gibt's in der Infobox!
Dass die Stadthalle – zumindest die große Halle D – mit der akustischen Performance vieler europäischer Konzerthallen nicht mithalten kann, wissen wir ja leider. Selbst dem griffigen Sound von Pearl Jam stellte die Architektur am Montag ein wenig das Stolperbein. Was ganz hinten auf den Rängen gut klang und sich nicht überschlug, muss vorne wohl zu laut gewesen sein.
Die Rockband aus Seattle wählte im letzten Drittel jedenfalls statt „Laut sein, aber nicht gut klingen“ die Variante „Verdammt guter Sound, dafür weniger Lautstärke“. Und irgendwie war es auch gut so, denn Mike McCreadys ausgedehnte Soli schmierten sich wie Balsam in die Ohren und der gute Eddie war sowieso hervorragend bei Stimme – das muss man nicht hinterm Krawall verstecken.
Ganz anders als bei ihrer Show in Madrid – siehe Infobox – starteten Pearl Jam mit der Power-Nummer „Life Wasted“ von ihrem aktuellen Album, das schlicht „Pearl Jam“ heißt. „Corduroy“ und „Rearviewmirror“ folgten. Die erste Stunde spielten sie sich warm: Mit „Daughter“ und „Jeremy“, der sehr ruhigen Nummer „Parachutes“ (auch vom neuen Album), bevor mit „Why Go“ und „Go“ das reguläre Set mit einem gierigen Sprint Eddie Vedders durch den Mittelgang des aus Sicherheitsgründen geteilten Wavebrakers zu Ende ging. Die Wiener waren verzückt und alles andere als träge, was man österreichischen Fans in der Tat zu Unrecht nachsagt.
Aber das war noch nicht das Ende. Eine Pearl-Jam-„Zugabe“ besteht aus insgesamt elf Songs. Und die begannen sie erstmal mit „Black“ und einer doppelt schnell gespielten „Mich-leckt-die-Welt-am-Arsch“-Version von „Even Flow“. Kurz räumten die fünf Bandmitglieder und Tour-Keyboarder Boom Gaspard die Bühne, aber nur um sich gleich wieder einklatschen zu lassen. 10.000 Kehlen grölten dann fingerzeigend und headbangend den Refrain von „Alive“.
Zum Schluss gingen wieder die Lichter an – auch das gehört seit dem tragischen Tod von neun Fans beim Roskilde-Festival 2000 zu Pearl Jams verschärften Sicherheitsmaßnahmen – und Eddie Vedder sprach den Wiener Fans ein Kompliment aus: „Ihr habt das hier zu etwas ganz Besonderem gemacht.“ Und wie vor etwas mehr als drei Wochen die Spanier, schwor er auch die Österreicher auf eine baldige Wiederkehr ein: „Diesmal werden keine sechs Jahre vergehen, bis wir wieder kommen!“
Das Finale bildeten „Yellow Ledbetter“, bei dem Vedder sichtlich angeheitert eine Weinflasche auf seinem Kopf balancierte und Tambourins in die Menge warf, und das Jimi-Hendrix-Cover „Little Wing“ auch in der Mitte der Stehfläche schon fast auf Zimmerlautstärke. Trotzdem war es ein energiereiches und zudem astrein gespieltes Rock-Inferno! In Sachen Live-Kultur und Bühnenshow machen Pearl Jam eben nicht viele was vor. Wer’s verpasst hat, der ist selber Schuld. Aber immerhin kommen sie ja in weniger als sechs Jahren wieder…
DIE SETLIST IN WIEN
Life Wasted
Corduroy
Rearviewmirror
World Wide Suicide
Comatose
Elderly Woman Behind The Counter In A Small Town
Severed Hand
Sad
God's Dice
Daughter
Jeremy
I Got ID
Parachutes
Wishlist
State Of Love And Trust
Why Go
Go
-----------
Last Kiss
Inside Job
Off He Goes
Black
Do The Evolution
Even Flow
-----------
Spin The Black Circle
Once
Alive
Fuckin' Up (Neil Young)
Yellow Ledbetter
Little Wing (Jimi Hendrix)
Text: Christoph Andert
Fotos © Andreas Graf
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