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15.10.2016 09:00

"Mafia III": Kann man dieses Angebot ablehnen?

Die "Mafia"-Serie gilt neben "GTA" von Rockstar Games als einer der großen Namen der Open-World-Action. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an den jüngst erschienenen dritten Teil, der in einer fiktiven Version der US-Metropole New Orleans inmitten der wilden Sechzigerjahre die Geschichte des Vietnam-Heimkehrers Lincoln Clay erzählt. Ob "Mafia III" den Erwartungen gerecht wird, erfahren Sie in unserem Test.

Wir schreiben das Jahr 1968. Rassismus ist Alltag, Hunderttausende traumatisierte junge US-Amerikaner führen in Vietnam einen Krieg, den sie nicht gewinnen werden. In der Heimat geben sich Blumenkinder psychedelischer Rockmusik hin und tragen den Protest gegen den Stellvertreterkrieg am anderen Ende der Welt auf die Straßen. 2K hat sich eine bewegte Epoche für "Mafia III" ausgesucht - und erzählt darin eine bewegende Geschichte.

Lincoln Clay, ein farbiger Vietnam-Heimkehrer kehrt zurück nach New Bordeaux - ein virtuelles New Orleans. Doch es fällt ihm schwer, die blutgetränkten Reisfelder Vietnams hinter sich zu lassen und in ein normales Leben zurückzufinden. Ohne lebende Verwandte oder Perspektive dauert es nicht lang, bis er sich einer neuen "Familie" anschließt: einem Mafia-Clan, der ihm so etwas wie Normalität verspricht. Ein Angebot, das Lincoln nicht ablehnen kann.

Intrigen, Schmerz und Rache
Die Handlung von "Mafia III" nimmt schnell Fahrt auf, erzählt eine Geschichte von Intrigen, Schmerz, tiefen Feind- wie Freundschaften und Rachegelüsten. Sie fesselt den Spieler dabei mit einer filmreifen Inszenierung, die zum Besten gehört, was das Genre derzeit zu bieten hat.

Die in vielen Rückblenden und Zwischensequenzen erzählte Story fängt die Atmosphäre der ausklingenden Sechziger detailliert ein, fesselt mit exzellentem Soundtrack, vielschichtigen Charakteren und ebenso gut geschriebenen wie gesprochenen Dialogen. Teils derb, rassistisch und brutal, aber immer stimmungsvoll. Dass in einem Thriller wie "Mafia III" auch Sex und Gewalt ihren Platz haben und das Game den Spieler nicht gerade mit Samthandschuhen anfasst, ist da nur konsequent, sollte Eltern aber bewusst sein. "Der Pate" ist auch nichts für Kinder.

"Playboy" im Sumpf
Schade: Abseits der tollen Handlung merkt man dem Spiel immer wieder an, dass etwas mehr Entwicklungszeit nicht geschadet hätte. New Bordeaux ist mitsamt seinem sumpfigen Umland hübsch und detailreich gestaltet, aber nicht so lebendig wie Los Santos aus "GTA V".

Abseits der Haupthandlung gibt es zwar Nebenmissionen, sie reichen qualitativ aber nicht an die Aufträge der Hauptstory heran und setzen oft auf sich wiederholende Spielmechaniken. Schauplätze werden öfter für mehrere Missionen recycelt - das muss nicht sein.

Abseits der Missionen gibt es in New Bordeaux zwar viel zu entdecken, aber nicht unendlich viel zu tun. Der Spieler darf Sammelgegenstände wie "Playboy"-Hefte sammeln, so viele Minispiele wie in "GTA" gibt es aber nicht.

Patches, Bugs und Abstürze
Kleinere Probleme gibt's auch bei der Technik: Dass PC-Spieler anfangs wie Konsolenbesitzer nur mit maximal 30 Bildern pro Sekunde spielen konnten, obwohl ihre Hardware womöglich mehr hergibt, wurde zwar mittlerweile per Patch behoben. Den einen oder anderen Grafik-Bug findet man im Game aber nach wie vor, auch gelegentliche Abstürze plagen "Mafia III".

Manch eine Design-Entscheidung bei der ansonsten hübschen Optik ist diskussionswürdig: Etwa die Liebe der Entwickler zu Reflexionen, die bei Verfolgungsjagden in der Abendsonne schon mal dazu führen kann, dass man kurzzeitig die Orientierung verliert. Oder der Unschärfe-Filter, der für einen filmischen Look über die komplette Spielgrafik gelegt wurde.

Fahren, Feuern und Pfeifen
Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in "Mafia III" ein gutes Open-World-Game steckt. Spielerisch wird altbewährt gefahren, geschossen - und dieses Mal auch geschlichen.

Das Fahrverhalten darf der Spieler dabei selbst wählen: Arcade ist zugänglicher, Simulation lässt die Muscle Cars ordentlich rutschen, beides unterhält. Hie und da - etwa mit dem Boot - bockt allerdings die Kameraführung.

Geschossen wird wie in jedem anderen Deckungs-Shooter. Auf Knopfdruck sucht Lincoln Deckung und nimmt aus selbiger seine Gegner aufs Korn. Dass deren Künstliche Intelligenz nicht unbedingt den Nobelpreis gewinnen würde und auch nicht besonders an ihrem Leben hängt, kommt dem Spieler dabei zu Gute. Oft genug reicht es, Wachen per Pfiff anzulocken, um sie lautlos auszuschalten.

Solide Optik, musikalische Zeitreise
Optisch gibt sich "Mafia III" atmosphärisch, vereinzelt trüben aber etwas unscharfe Texturen oder Grafik-Bugs den guten Eindruck. Auch die Lichteffekte sind teils etwas grell. Dafür sind die Figuren sauber animiert - insbesondere in puncto Mimik in den Zwischensequenzen.

Herausragend gut ist der Soundtrack von "Mafia III" - zumindest, wenn man etwas an den "Rolling Stones", den "Animals", "Creedence Clearwater Revival" oder auch "Steppenwolf" findet. Zumal er sinnvoll in die Zwischensequenzen eingebaut wurde und auch beim Autofahren Laune macht.

Dialoge passen ebenfalls, die Sprecher machen ihre Aufgabe auch auf Deutsch gut. Multiplayer gibt es indes keinen - angesichts dessen, dass "Mafia III" ein sehr storylastiges Game ist, keine Schande.

Fazit: Auch, wenn es im Mittelteil Durchhänger gibt: Hangar 13 und 2K haben mit "Mafia III" den erhofft packend erzählten, cool inszenierten und fein vertonten Thriller abgeliefert, auf den viele gehofft hatten, gleichzeitig aber auch Potenzial verschenkt. Spielerisch gibt es abwechslungsreichere Open-World-Schauplätze, der eine oder andere Bug und die schwache KI hätten ebenfalls nicht sein müssen. Nicht optimal für den Wiederspielwert, die Story entschädigt dann aber wieder für Vieles.

Plattform: PC (getestet), PS4, Xbox One
Publisher: 2K Games
krone.at-Wertung: 7/10

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