Di, 21. August 2018

"Krone"-Ombudsfrau

11.08.2016 13:00

Zwang zu freiwilliger Untersuchung für Geburt?

Für die Geburt wollte sich eine 27-jährige Leserin in einem öffentlichen Wiener Spital anmelden. Dort bekam sie eine Liste mit Untersuchungen, die bei Wahlärzten durchzuführen seien. Kostenpunkt: rund 600 Euro. Ohne diese Untersuchungen würde man sie nicht zur Geburt aufnehmen, teilte man der erstaunten Frau in der 7. Schwangerschaftswoche mit. Auf Anfrage der Ombudsfrau ruderte der Wiener Krankenanstaltenverbund zurück. Es handle sich um eine missverständliche Formulierung...

Schon die Begrüßung auf der Gynäkologie-Station kam Melanie N. komisch vor: "Man warf mir vor, dass ich in der siebten Woche schon spät dran sei mit der Anmeldung. Dabei habe ich da gerade erst die Bestätigung vom Arzt erhalten, dass ich wirklich schwanger bin." Danach musste die Wienerin einen Zettel unterschreiben, laut dem sie sich freiwillig zu verschiedenen, speziellen Untersuchungen verpflichtet. Dazu bekam sie eine Liste mit Wahlärzten. "Es hieß, ich dürfe ausschließlich nur zu Ärzten auf dieser Liste gehen und müsse die Untersuchungen privat bezahlen", erinnert sich die 27-jährige. Auf dem Zettel stand auch, dass sie ohne Nachweis über diese Untersuchungen nicht zur Geburt in dem öffentlichen Wiener Spital aufgenommen würde. "Warum darf ich diese Untersuchungen nicht bei einen Kassenarzt machen", wandte sie sich schließlich an die Ombudsfrau.

Das betreffende Spital ließ uns wissen, dass man hausintern nur für einen sehr kleinen Teil der angemeldeten Patientinnen die Untersuchungen kostenlos durchführen könne. Untersuchungen übrigens, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden und die auch nicht im Mutter-Kind-Pass gefordert werden. Warum aber müssen sich Patientinnen mit einer Unterschrift überhaupt zu speziellen Untersuchungen bei Wahlärzten verpflichten, damit sie in einem öffentlichen Krankenhaus für eine Geburt aufgenommen werden? Der Wiener Krankenanstaltenverbund, als zuständiger Spitalsbetreiber, gibt zu, dass das entsprechende Schreiben missverständlich formuliert ist. Man möchte werdende Mütter lediglich auf die Bedeutung und die Art der möglichen pränatalen Untersuchungen hinweisen. Möchte eine Frau auf diese Untersuchungen verzichten, werde das respektiert und man werde deshalb auch niemanden abweisen. Einen schalen Beigeschmack hat das Ganze schon irgendwie.

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