Kausch mir was!

Lily Allen ist ¿Alright, Still¿

Musik
21.08.2006 20:34
Sie ist eines der neuen Erfolgsprodukte der boomenden Socialising-Plattform „MySpace“: Die 21 Jahre junge Britin Lily Allen ist der momentane Shootingstar im Insel-Königreich und besetzt mit ihrem Debütalbum „Alright, Still“ derzeit die Playlists der britischen Club-DJs.
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Und sie ist ein phonetisches Unikat in den Charts, denn während man vielen Acts, die es erfolgreich über den Ärmelkanal schaffen, den Engländer-Akzent meist ausbügelt wie einem verknitterten Bowlerhat die Falten, darf Klein-Lily bellen und kauschen wie ein Bauarbeiter.

Laut einer aktuellen Studie unterdrücken zwei Drittel der Briten ihren Dialekt bei der Arbeit. Lily Allen gehört da definitiv nicht dazu. Aufgewachsen im Herzen Londons – im Viertel Hammersmith, wo sie in der Vergangenheit garantiert des Öfteren vom Erfolg träumend an den Headquarters ihrer jetzigen Plattenfirma EMI vorbeispazierte – spricht und singt sie diesen typischen London-Dialekt, bei dem ein Amerikaner ungefähr auf dieselbe Art und Weise den Kopf schütteln würde, wie ein Wiener nach dem Diskurs mit einem Tiroler… oder umgekehrt.

Vielleicht passt sie deswegen so gut zu Mike Skinner aka The Streets, der bellende Sprechsänger, mit dem man sie jetzt so oft vergleicht. Lily Allen hat mit „Alright, Still“ ein Album ins CD-Regal gestellt, wo sich Elemente aus Reggae, Ska, Drum-and-Bass und Jungle in einer Art urbanem Clash vereinen. Sie ist frech, das könnte es einfacher formuliert sagen…

Im Video zur ersten Single „Smile“, sieht sie einem adretten jungen Mann beim Weinen zu und lacht ihn aus statt an. Nur um das zu erklären: Er hat Schuld, weil er dachte, er könnte für „ein bisschen Winseln und Stöhnen“ zu ihr rüberkommen. Nein, arrogant ist sie nicht, aber ihre Telefonnummer kriegt man trotzdem nicht so leicht – das singt sie zumindest auf „Knock ’Em Out“. 

In ihren Songs – und man darf getrost davon ausgehen, dass die Lyrics ihre sind – karikiert sie mit lockerem Sing-Sang die Anzughengste und Bürostöckelschuhträgerinnen, denen sie beim Nachhauseweg von der Schule begegnete und die Society-Kids, die dann am Abend, nachdem der Wirt im Pub das Glöckchen geschwungen hat, betrunken aber immer noch tierisch eingebildet zum finalen Abschuss vor ihr in den Nachtclub torkelten. „Everything’s Just Wonderful“ singt sie dann ergeben – so sieht’s nun mal aus im akzentfreien Großbritannien. Oder in Lilys Worten: „So zerbröselt eben der Keks.“

Für Lily Allen ist das Leben, ungeachtet der breiten Auswahl an unterschiedlichsten Spinnern, mit denen sie bisher Bekanntschaft machen durfte, „Alright, Still“ und ohne ihr filthy „LND“ (London) und ihre unkomplizierte Art, die Dinge mit ein paar g'sunden Schimpfwörtern gerade heraus zu sagen, wäre sie wohl kaum mit einem Weblog zu einem Plattendeal gekommen. Bitte weitermachen!

8 von 10 britischen Akzenten


Christoph Andert

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