Flüchtlingsdramen

70 Tote bei Schiffsunglücken

Ausland
20.08.2006 19:00
Wieder neue Flüchtlingstragödien im Mittelmeer: Bei zwei Unglücken vor der süditalienischen Insel Lampedusa sind am Wochenende vermutlich bis zu 70 Menschen ums Leben gekommen. Am Sonntag überschlug sich 60 Seemeilen vor der Insel ein Schlauchboot mit 30 Insassen, die wahrscheinlich aus Eritrea stammen. Bereits in der Nacht zum Samstag hatte ein gekentertes Boot vermutlich 50 Menschen in den Tod gerissen.

Ein Fischerboot entdeckte am Sonntag nur zehn Überlebende der 30 Schlauchbootinsassen, die sich an einen Holzbalken klammerten. Auf der Suche nach den 20 anderen Flüchtlingen entdeckten Retter lediglich leblos in der See treibende Körper. 

Zehn Flüchtlinge des Schiffsunglücks vom Sonntag konnten geborgen werden, während weitere 40 Einwanderer in den Fluten versanken - darunter mindestens zehn Minderjährige, berichteten italienische Medien am Sonntag. Die Zeitung „La Repubblica“ sprach von einem „Massaker an Kindern“. 

Marineschiff könnte Flüchtlings-Boot gerammt haben
Unterdessen wurde die Suche nach den Vermissten vom Samstag mit Schiffen, Hubschraubern und Flugzeugen fortgesetzt. Weitere 70 Insassen des zehn Meter langen Bootes waren in der Nacht zum Samstag bereits von einem Schiff der italienischen Marine gerettet worden.

Es kursierten unterschiedliche Versionen zu den Gründen des Unglücks. Eventuell habe das Marineschiff das Boot bei dem Rettungsversuch gerammt und so zum Sinken gebracht, zitierten Medien eine Augenzeugin. 

Ein anderer Flüchtling erzählte hingegen, die verzweifelten Immigranten, die größtenteils aus Nordafrika, Somalia und Eritrea stammen, seien beim Anblick des Militärschiffes alle auf eine Seite des Bootes gerannt und hätten es zum Kentern gebracht.

Italien kämpft gegen skrupellose Schlepperbanden
Nach den Tragödien vor Lampedusa wurden fünf mutmaßliche Schlepper festgenommen. Der italienische Innenminister Giuliano Amato rief zu einem verstärkten Kampf gegen die Schlepperbanden auf. Seit Wochen stehe er zudem in engem Kontakt zu den libyschen Behörden, um Lösungen für das Flüchtlingsproblem zu finden und Patrouillen vor der Küste des nordafrikanischen Landes einzurichten.

Rekordzahl an Flüchtlingen auf den Kanaren
Auch auf den Kanarischen Inseln nimmt der Zustrom von afrikanischen Bootsflüchtlingen weiter zu. Am Wochenende gelangten binnen 48 Stunden über 1000 illegale Zuwanderer von der Küste Westafrikas auf die Inselgruppe, mehr als im gesamten Monat August des Vorjahres. Seit Jahresanfang erreichten über 17.000 Afrikaner mit Booten die Kanarischen Inseln, drei Mal so viele wie im Jahr 2005 insgesamt.

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero räumte ein, dass die eingesetzten Mittel im Kampf gegen die illegale Zuwanderung unzureichend seien. Er forderte die Europäische Union auf, sich bei der Suche nach einer Lösung des Problems stärker zu engagieren.

Schlepperbanden befördern Flüchtlinge nach Griechenland
In Griechenland entdeckte die Küstenwache am Sonntag 18 illegale Einwanderer vor der Insel Lesbos. Die aus verschiedenen Staaten des Nahen Ostens stammenden Flüchtlinge waren auf einem Boot von der gegenüberliegenden türkischen Küste gestartet. 

500 Euro sollen sie an Schleppern für die Überfahrt gezahlt haben. Von den Schleppern fehlte jede Spur. Bereits am Samstag hatten 42 Illegale von der Türkei aus auf verschiedene Inseln der Ägäis übergesetzt.

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