Erste Eindrücke

“GT Sport”: Vom Videospiel zum Rennfahrer

Spiele
27.05.2016 12:48

Kazunori Yamauchi hat eine Leidenschaft für schnelle Autos - nicht nur virtuell, sondern ganz real: Seit 2009 ist der Schöpfer der "Gran Turismo"-Serie auch erfolgreich als Rennfahrer aktiv. Eine Karriere, die, wenn es nach dem 48-jährigen Japaner geht, künftig Gamer in aller Welt ereilen soll. "GT Sport", der am 16. November erscheinende jüngste Ableger des millionenfach verkauften PlayStation-Franchises, soll's möglich machen, wie krone.at bei einer Präsentation am Nürburgring erfuhr.

Nicht weniger als eine Wiedergeburt des Motorsports soll "GT Sport" einläuten. Dafür sind Yamauchi und sein rund 200-köpfiges Entwicklerteam von Polyphony Digital eine Kooperation mit dem internationalen Motorsportverband FIA eingegangen. Das Ziel: Videospieler zum Rennfahrer zu befördern und so dem Mitgliederschwund bei Motorsportklubs in aller Welt Einhalt zu gebieten.

Zwei Championships wurden dafür eigens ins Leben gerufen, der Nations Cup und der Manufacturer Fan Cup, in denen sich Gamer wahlweise für ihr Land oder ihren bevorzugten Hersteller hinters Steuer klemmen, um sich über Vorentscheide auf Landes- und Europaebene bis ins "FIA World Final" hochzufahren. Die Sieger sollen im Rahmen von Live ausgetragenen Veranstaltungen ermittelt und am Ende eines jeden Jahres im Rahmen der FIA Gala, Seite an Seite mit prominenten Rennfahrern, geehrt werden.

Den besten Fahrern winkt eine echte Rennlizenz
Die besten "GT Sport"-Fahrer sollen darüber hinaus eine echte, vollwertige Rennlizenz erhalten, um damit dann an tatsächlichen Rennen teilnehmen zu können. Diese sogenannte FIA Gran Turismo Digital License wird aktuell von 22 Ländern weltweit untersützt, darunter unter anderem Großbritannien, Belgien, Norwegen, Dänemark, China, Indien, Australien und Neuseeland, wie Yamauchi am Mittwoch bei einer Präsentation am Nürburgring erklärte. Weitere Länder sollen zum PS4-Release Mitte November folgen. Ob dann auch Österreich und Deutschland mit von der Partie sein werden, bleibt abzuwarten.

Eines ist aber klar: Wer den Sprung von der virtuellen auf die reale Rennstrecke schaffen möchte, muss ein vorbildlicher Fahrer sein. Das nötige Rüstzeug und Unterricht in Sachen "Racing Etiquette" erhalten Gamer in der "Beginner's School", einem umfangreichen Tutorial-Modus, der mit den Gepflogenheiten der Steuerung, aber eben auch dem FIA-Regelwerk vertraut machen soll.

137 Boliden, 117 Events, 19 Schauplätze
Was hat "GT Sport" sonst noch zu bieten? Neben dem Sport- wartet die Rennsimulation mit einem Arcade-Modus auf, in dem alleine oder zu zweit via Splitscreen Einzel- und Zeitrennen sowie Drift-Herausforderungen in Angriff genommen werden dürfen. Herzstück ist jedoch die bislang als "GT Modus" bekannte Kampagne, die in Summe 117 verschiedene Rennen und Herausforderungen bietet. Zu deren Bewältigung stehen zum Start 137 teils reale, teils fiktive Fahrzeuge aus vier verschiedenen Klassen bereit, mit denen an 19 Schauplätzen in 27 Varianten um die Wette gefahren werden darf, darunter etwa neu der legendäre Tokyo Expressway und die ovale, eine halbe Meile lange Strecke namens Northern Isle Speedway.

Mit dem Auge kaum zu erfassende Grafikpracht
Erstrahlen sollen sie dank neuer Rendering-Engine in einem neuen "Licht", das die Zuschauer die Beleuchtung regelrecht "spüren" lässt. "Sie können sehen, wie sich jedes einzelne Blatt an den Bäumen am Streckenrand im Wind bewegt, das Licht anzieht und streut", verheißt die offizielle Website zum Spiel. Zugleich wird dort allerdings eingeräumt, dass der Detailgrad der Fahrzeuge und Strecken "möglicherweise während Fahrten im normalen Gameplay nicht sichtbar" ist. Auf dynamische Wetterwechsel muss zugunsten einer konstanten Framerate gleich ganz verzichtet werden.

Auto-Porno
Eben deshalb führt "GT Sport" als Neuerung den sogenannten Scapes-Modus ein. Der Fotomodus erlaubt es, die virtuellen Hochglanzboliden an und in über 1000 virtuellen Schauplätzen in Szene zu setzen. Parameter wie Blende, Fokus, Weißabgleich oder Tageszeit können hier für den perfekten Schnappschuss nach Belieben verändert werden. Sollte das noch nicht genügen, stehen Autoliebhabern weitere Modi bereit, um ihrer Leidenschaft zu frönen, etwa ein Lackierungseditor, die "Marken-Zentrale", in der Dutzende Herstellervideos von bzw. über Autos warten, oder das Museum. Dieses versorgt Interessierte nicht nur mit Informationen zur Geschichte des Automobils, sondern setzt diese auch in einen historisch-kulturellen Kontext. Oder hätten Sie gewusst, dass das erste vierrädrige Fahrzeug, der Benz Patent-Motorwagen Victoria, in demselben Jahr erschien wie Edvard Munchs berühmtes Gemälde "Der Schrei", nämlich 1893?

"Fahren ist nicht besonders schwierig"
All das ziele darauf ab, den Spieler "glücklich zu machen und zu überraschen", beschreibt Yamauchi seine Motivation nach 20 Jahren "Gran Turismo"-Geschichte. Mit "GT Sport" hofft der Japaner, ein Vorurteil endgültig aus der Welt zu räumen, nämlich das Rennsimulationen schwierig sein müssten. Fahren sei schließlich auch im echten Leben nicht besonders schwierig, so Yamauchi. Ob dem tatsächlich so ist, kann er an diesem Wochenende beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring unter Beweis stellen: Als vierter Fahrer des Teams Walkenhorst Motorsport wird er hinter dem Steuer eines BMW M6 GT3 mit um den Sieg fahren.

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