Rock mit Hirn

MADSEN im Krone.at-Interview

Musik
10.08.2006 16:47
„Man muss mal klarstellen, dass das Leben auch manchmal scheiße ist!“ Den Nachdenklichen und den Redegewandten sprachen MADSEN schon mit ihrem Debütalbum aus dem Herzen. Mit dem Zweitling „Goodbye Logik“ schickt sich die Band erneut an, der Hörerschaft das alltägliche Gute-Mine-zum-bösen-Spiel-ziehen mit den Waffen der Musik etwas erträglicher zu machen. Wir lernen: Es muss nicht immer alles geil sein. Und: Schlagermusik ist deprimierend.
kmm

Letzteres gehört zu den diskursiven Nebenprodukten, die bei dieser Band zwangsläufig entstehen, wenn man sie in ein Gespräch verwickeln darf. Zum Bandnamen MADSEN gibt’s eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Außer vielleicht, dass bei Madsen vieles Madsen heißt: Das erste Album, mit dem sie vor etwas mehr als einem Jahr gehörig aufhören ließen und drei von fünf Bandmitglieder.

Sebastian – songschreibender Gitarrist, Sänger und einer der drei Madsens – ist dabei so was wie der lyrische Feldherr der Kompanie. Beim Interview wirkt er nachdenklich, analysiert die Lage und bringt die Dinge auf den Punkt, wenn er’s für notwendig hält. „Kleine Fehler machen die Musik erst interessant“, resümiert er die musikalischen Qualitäten des norddeutschen Bandgefüges. Dass jemand außer ihm die Songs der Band schreiben könnte, diese Frage hat sich nie wirklich gestellt. „Verdammt, wir können’s halt einfach nicht!“, erklärt Drummer Sascha. Aber zumindest „ansatzweise probiert“ hat man’s, legt Orgelspieler Folli nach.

Tut auch nicht weh. Madsens Texte – und da kann jetzt die Band und/oder der Mensch gemeint sein – sind gewandt, intelligent und in ihrer Einfachheit bisweilen eines der geistreichsten Produkte im deutschsprachigen Indie-Rock. Die Songs sind in einem fabelhaften und ziemlich einzigartigen Gemisch aus sanftem Gesang und melodischem Geschrei vorgetragen, das Druck und Einfühlungsvermögen zugleich vermittelt – und diese Dinge sind seit dem Aufkommen diverser Harte-Schale-Weicher-Kern-Bands wie Franz Ferdinand sehr gefragt...

Im Gegensatz zu Kollegen wie etwa den Sportfreunden Stiller oder den etwas weiter entfernten Tocotronic, versuchen Madsen die Sprache in ihren Songs nicht durch geschwollene Formulierungen und halbfertige Sätze höher zu heben. Bei ihnen bleibt es „Deutsch“. Wohl wissend, dass es jeder spricht und es überall zu hören ist. Wichtig sind ganz andere Dinge: Direktheit, Klarheit, Verständlichkeit. „Ich hab keine Angst davor, in extremere Richtungen zu schreiben“, sagt Sebastian, „und je extremer das Gefühl ist, ums schöner oder konsequenter wird der Song dann auch“. 

Das schlägt sich in einer Mischung aus euphorischen Liedern, die bisweilen den jugendlichen Sturm und Drang – außer Keyboarder Folli sind alle zwischen 21 und 26 – durchkommen lassen und Rocksongs, die nach dem Weltschmerz eines nachdenklichen Twentysomethings klingen, nieder. Der Song „Goodbye Logik“ ist für letzteres ein gutes Beispiel: Es erdrückt dich die Masse, das Leben zieht viel zu schnell vorüber und das Tempo des Fortschritts zerquetscht dich, bevor du noch die erste Zwischenzeit messen kannst. Und es hilft nur eins: Vergiss das, was dir dein Verstand sagen will. Das ist Rock, der irgendwie etwas im Hirn hat.

Letztendlich kann man die Songs von Madsen bis auf die letzte Strophe zerpflücken und man wird noch immer zwischen diesen beiden Seiten, Euphorie und Deprimiertheit, hin und her gerissen. Es ist „na ja, so wie das Leben halt spielt, ne!?“ Und was passiert tatsächlich, wenn die Logik flöten geht? Sebastian: „Dann kannst du das perfekte Rock-Album machen!“ 

9 von 10 Nachrufe auf die Logik

Christoph Andert

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