Alles beginnt in einer heruntergekommenen Toilette eines heruntergekommenen Restaurants, in der Tommy, Kfz-Mechaniker und Cherokee-Indianer, über sein heruntergekommenes Leben sinniert. Am liebsten würde er gemeinsam mit seiner Freundin Jen ausreißen, doch die legt, ebenso wie Tommys Großvater Enisi großen Wert auf ihre indianischen Wurzeln und möchte das Reservat daher nicht verlassen.
Ehe den Dreien eine Lösung für ihr Dilemma einfallen könnte, kommt alles ganz anders: Von einer Sekunde auf die nächste kreisen Ufos über dem Diner, reißen das Dach weg und entführen die drei Hauptdarstelller. Ehe sie sich versehen, befinden sich Tommy, Jen und Enisi auf einer riesigen "Protein"-Farm, auf der Menschenfleisch zur Energiegewinnung verarbeitet wird. Die Matrix lässt grüßen. Enisi, so viel sei verraten, zieht recht bald den Kürzeren und kehrt in die ewigen Jagdgründe ein.
Doch, und das ist eine Besonderheit von "Prey", steht er Tommy von dort aus hilfreich zur Seite und weiht ihn in die Geheimnissen der alten Cherokee-Indianer ein. So lernt Tommy auch den "Spirit Walk", eine Möglichkeit seinen Körper zu verlassen und als transzendentales Wesen durch die Level zu streifen. Dies ist immer dann von Vorteil, wenn Tommy in der Alien-Welt auf Hindernisse stößt. Auf Knopfdruck verlässt er seinen Körper, durchläuft das Hindernis und öffnet die Tür von Innen. Zur Verteidigung dient ihm als spirituellem Wesen der "Spirit Bow", dessen exzessiver Gebrauch jedoch an seinen mentalen Kräften zehrt.
Die andere Besonderheit von "Prey": die Gravitation. Immer wieder befindet sich Tommy in Räumen ohne Schwerkraft, in denen Gravitationsfelder geschickt ein- oder ausgeschaltet werden müssen, um voran zu kommen. Was vormals oben war, ist plötzlich unten und umgekehrt. Die räumliche Wahrnehmungsfähigkeit des Spielers wird auf die Probe gestellt. Dies gilt auch für die immer wiederkehrenden Magnetbahnen, auf denen Tommy kopfüber oder entlang von Wänden spaziert und die sich plötzlich im Raum auftuende Löcher und Portale, die Tommy in andere Räume teleportieren.
Wenn Tommy gerade mal nicht mit der Schwerkraft und Orientierung kämpft, dann geht er auf Alien-Jagd. Die teuflischen Kreaturen könnten direkt aus der Feder des Alien-Schöpfers H.R. Giger stammen und setzen unserem Helden ordentlich zu. Tommy hat aber zwei entscheidende Vorteile: Er kann quasi nicht sterben und er hat ein umfangreiches Waffenarsenal zur Verfügung. Geht Tommys Gesundheitsanzeige nämlich gegen Null, findet er sich in den ewigen Jagdgründen wieder. Hier gilt es mit dem "Spirit Bow" verlorene Seelen abzuschießen, um Mana und Gesundheit wieder aufzufüllen.
Die Waffen hingegen verfügen alle über eine Primär- und Sekundär-Funktion: So lässt sich das Jagd- auch als Scharfschützengewehr benutzen und die Granate in Form eines komischen Käfers kann auch zur Mine umfunktioniert werden. Eine Besonderheit ist die "Leech Gun", die durch Anzapfen von Energiequellen aufgeladen wird. Je nach Art der Energie tötet sie Gegner mit feurigen Kugeln, friert mit Eis ein oder grillt mit Blitzen. Zusätzlich befindet sich im Inventar unseres Indianers noch ein Feuerzeug, um dunkle Korridore auszuleuchten.
Grafisch wie auch akustisch gibt es an "Prey" absolut nichts zu rütteln. Vor allem das biomechanische, ständig pulsierende und pumpende Alien-Design weiß zu überzeugen. Hinzu kommen Furcht einflößende Kreaturen und eine sehr hohe Detaildichte. Beim Sound vertraute man auf Jeremy Soule, der bereits bei "Oblivion" oder "Guild Wars" den Ton angab. Auf eine deutsche Sprachausgabe muss der Spieler leider verzichten.
Für Multiplayer-Fans stehen ein "Death Match"- und "Team Match"-Modus bereit.
Fazit: Drei Dinge machen "Prey" zu einem außergewöhnlichen Shooter: Eine packende, wahrlich epische Story, knackige und fordernde Rätselkost sowie die Aufhebung der Schwerkraft. Fans der Action kommen trotz allem nicht zu kurz, denn auch zu Metzeln gibt es in den abwechslungsreich gestalteten Leveln reichlich. Shooter-Fans dürfen bedenkenlos zugreifen.
Plattform: PC, Xbox 360 (getestet)
Publisher: Take 2
Krone.at-Wertung: 91%
von Sebastian Räuchle
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