„Ich brauch noch ein bisschen Zeit, um das alles zu realisieren. Ich glaub’s noch nicht ganz“, sagt LaFee – mit bürgerlichem Namen Christina – im Krone.at-Interview. Mit einem Album, voll mit auf Hardrock getrimmten Pop-Songs, schaffte es die junge Deutsche an die Spitze der Charts.
Musikalisch, da braucht man nicht lange um den Brei herumzureden, ist das Ergebnis klinisch sauber, thematisch irgendwo zwischen Rammstein und Jeanette eingereiht, von erfahrenen Produzentenhänden kreiert und zielgruppengerecht mit den entsprechenden Inhalten bestückt worden – wenn auch die Interpretin selbst mittextete. LaFee setzt sich mit schnurgeraden Melodien, direkten Lyrics und jugendlichem Slang in Szene. Was die Stimme an Erfahrung noch nicht drauf hat, macht sie mit gehauchten Sprechpassagen wett.
In der aktuellen Single „Prinzesschen“ erschließt sich genau jener Wortschatz, den man wohl nach Schulschluss an einer Bushaltestelle vermutet. Die erste Auskopplung „Virus“ (O-Ton: Ich wünsch dir n’en Bazillus, ich wünsch dir die Krätze an den Hals) glänzt in etwa mit demselben, jugendlich-direkten Charme. Klingt nach dem typischen Plastik-Produkt. Bis hierher, jedenfalls.
Trotzdem wirkt LaFee nicht annährend überheblich, wie etwa oben erwähnte Band mit der japanischen Hauptstadt im Namen. Sie wird auch nicht zum Synonym für anorganische Musik werden. Sie ist so was wie ein Heintje des 21. Jahrhunderts, der mit der ursprünglichen Figur bloß rein gar nichts mehr zu tun hat und jetzt für die jüngste Generation dasteht, statt wie der aus den späten Sechzigern für die Omis. Weshalb sie sich auch von ihrer eigenen Großmutter Schelte für die deftige Wortwahl in „Prinzesschen“ anhören musste: „Als sie das Wort ‚Titten’ gehört hat, kam sie zu mir und sagte wütend: ‚WAS singst du da!?’“
Freilich schütteln Erwachsene mitunter heftig den Kopf, wenn sie sich die Texte der Fünfzehnjährigen durchlesen. „Ich versteh’s wenn Eltern sagen: ‚Oh, mein Gott, was benützt die denn für Wörter?!’ Aber, ich sing’s ja nicht für ältere“, kontert die aufgeweckte LaFee im Interview. Ältere, wohl gemerkt, können für sie auch schnell mal „so Leute ab dreißig“ sein.
Blättert man durchs Booklet, so finden sich in den Lyrics sämtliche Leiden abgehandelt, mit denen sich Teenager heutzutage halt so herumschlagen müssen. Fein säuberlich, beinah scheibchenweise aufgedröselt. Zwischen den oben genannten „Aufregern“ à la Prinzesschen, gibt’s aber tatsächlichen Inhalt – zumindest mehr als woanders.
Und das war nicht zuletzt ein Grund, bei LaFee mit einem Interview nachzufragen. „In den Songs, wo’s zum Beispiel um einen Vater-Tochter-Streit geht, wo’s ums erste Verliebtsein geht, ums erste Mal selbst und so was – die Lieder hab ich zwar nicht alle selbst durchgemacht, aber miterlebt. Ich weiß zumindest, wie das ist“, erklärt sie vorbehaltslos die Entstehung des Albums.
Ein musikalischer Lebensratgeber für den hilfsbedürftigen Teenager also? Nicht ganz, es ist immer noch Pop-Musik. Die krassen Unterschiede, die sich auftun, wenn gerade in Deutschland westliche und islamische Kultur in Form einer Teenager-Lovestory aufeinander prallen, dieser Thematik hat sich bislang noch keiner angenommen. In ihrem Song „Verboten“ klingt das aber schon ziemlich ausgereift – nur eben auf Bushaltestellen-Slang heruntergebrochen.
Insofern ist LaFee auch kein Bill-und-Tom-Gespann, das PR-halber Hotelzimmer zertrümmern muss oder von einer konsumorientierten Lost Generation angekreischt wird. Ihre Antworten klingen – no na – wie die eines Teenagers. Sie klingt auch zwischen den noch so heiß gefiedelten Gitarrensolis wie ein Teenager. Und die Texte passen auch nur für Teenager. Aber gerade das ist mehr Ehrlichkeit, als man anderswo erwarten kann.
7 von 10 chartstürmenden Feen mit Sympathie-Bonus
Christoph Andert
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