14.07.2006 15:41 |

Kriegsverbrechen

Prozess um Srebrenica- Massaker hat begonnen

Elf Jahre nach dem Massaker in Srebrenica hat am Freitag vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag der bisher größte Prozess gegen die mutmaßlich Verantwortlichen begonnen - mit einem Eklat: Als UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte das Verfahren gegen sieben frühere bosnisch-serbische Offiziere mit einer Rede eröffnen wollte, wurde sie nach nur einer Minute von den Verteidigern unterbrochen.

Del Ponte dürfe sich erst im formellen Eröffnungsplädoyer zu Wort melden, das für Ende August vorgesehen sei. Die vier Richter gaben der Verteidigung recht und die sichtlich erzürnte Chefanklägerin musste sich wieder setzen. Der Prozess wird nun am 21. August fortgesetzt. In sechs Anklagepunkten werden den Ex-Offizieren Vujadin Popovic, Ljubisa Beara, Vinko Pandurevic, Drago Nikolic, Ljubomir Borovcanin, Milan Gvero und Radovij Miletic Völkermord, Vertreibung sowie Mord an Srebrenica-Einwohnern vorgeworfen.

Massenmord an 8.000 bosnischen Moslems
Den Angeklagten wird dabei die Beteiligung an dem Massenmord an rund 8.000 bosnischen Moslems im Jahr 1995 vorgeworfen. Fünf der angeklagten ranghohen Militärs oder Polizisten müssen sich wegen des Vorwurfs des Völkermords verantworten. Dieser schwerste dem Völkerrecht bekannte Tatbestand wird vom Haager Tribunal nur für das Srebrenica-Massaker verwendet.

Schlimmstes Kriegsverbrechen nach dem Zweiten Weltkrieg
Srebrenica war im April 1993 zur UNO-Schutzzone erklärt worden. Zuvor hatte es Gräueltaten moslemischer Verbände an serbischen Zivilisten in der Umgebung von Srebrenica gegeben. Am 11. Juli 1995 fiel das Gebiet in die Hände der bosnisch-serbischen Truppen. Sie trennten unter Duldung niederländischer Blauhelmsoldaten die Frauen und Kinder vom Rest der Bevölkerung und ermordeten in den folgenden Tagen nach divergierenden Angaben bis zu 8.000 Männer. Das Massaker in Srebrenica gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg.