04.07.2006 21:58 |

Spanien in Trauer

U-Bahn-Unglück: Fünf Minuten Stille für die Opfer

Der Unglückszug von Valencia soll doppelt so schnell gefahren sein wie erlaubt. Ein Sprecher der Eisenbahngewerkschaft berichtete, dass die U-Bahn mit 80 Stundenkilometern durch eine Kurve gefahren sei, in der die Höchstgeschwindigkeit auf 40 km/h begrenzt war. Bei der Entgleisung der U-Bahn waren am Montag in der ostspanischen Stadt 41 Menschen getötet und fast 50 verletzt worden. Zehntausende Spanier haben sich außerdem landesweit, um in fünf Schweigeminuten der Opfer zu gedenken.

Der Lokführer, der selbst bei dem Unfall getötet wurde, sei für den Beruf nicht ausreichend ausgebildet gewesen, kritisierte ein Sprecher der Bahngewerkschaft. Es habe sich um einen U-Bahn-Mitarbeiter gehandelt, der eine zweiwöchige praktische Einweisung erhalten habe. Üblich seien zwei Monate.

Die Ermittler führten das Unglück auf menschliches Versagen zurück. Ein Unwohlsein oder ein Ohnmachtsanfall des Lokführers sei nicht ausgeschlossen. Jedenfalls sei er nicht in der Lage gewesen, rechtzeitig zu reagieren. Er habe plötzlich Vollgas gegeben und unmittelbar vor dem Unfall erfolglos versucht, den Zug abzubremsen.

Die Zahl der Todesopfer ist unterdessen auf mindestens 41 gestiegen. Von den 47 Verletzten wurden zwölf in Krankenhäusern behandelt, zwei von ihnen befanden sich in kritischem Zustand. Auf der Strecke der Linie 1 hatte sich erst im September ein schwerer Unfall ereignet. Beim Zusammenstoß von drei Bahnen wurden damals 30 Menschen verletzt.

Tausende Spanier gedachten am Dienstag der Opfer des schweren U-Bahn-Unglücks. Landesweit kamen die Menschen vor den Rathäusern zu fünf Schweigeminuten zusammen. Vor dem Regierungspalast in Valencia nahm auch Spaniens Vizeregierungschefin Maria Teresa Fernandez de la Vega an der Trauerkundgebung teil. Die offizielle Trauerfeier fabdden Abend in der Kathedrale der ostspanischen Hafenstadt statt. Auch König Juan Carlos, Königin Sofia und Ministerpräsident Zapatero waren anwesend.