Ice vs. Eko

Ice Cube steigt gegen Eko Fresh in den Ring

Musik
28.06.2006 16:45
Viele Fragen schießen einem beim Hören von Eko Freshs neuer CD „Hart(z) IV“ durch den Kopf. Zum Beispiel: „Gibt es einen Preis für Belanglosigkeit?“ oder „Muss man musikalischem Bockmist eine Plattform bieten?“ Wie man es hingegen richtig macht beweist Altmeister Ice Cube mit „Laugh now, cry later“. Krone.at schickt beide Alben in den Ring...
kmm

Die Vorgeschichte: Eko wird als junges Talent von Kool Savas entdeckt und unter dessen Fittiche genommen. Der junge Ekrem, so der gebürtige Name, erobert darauf hin schnell die Herzen der Fans und avanciert zum „König von Deutschland“. Wegen musikalischer Differenzen kommt es jedoch zum Streit zwischen Schüler und Mentor. Savas zieht einen Schlussstrich und trägt Eko mit „Das Urteil“ lyrisch zu Grabe. Es wird ein wenig still um den jungen Türken. Mit „Hart(z) IV“ meldet sich Eko schließlich wieder zurück – aggressiver denn je. Um diesen Standpunkt zu untermauern, müssen die Haare ab und der Rücken tätowiert werden. Schließlich kommt man ja, ganz wie Idol Tupac, von der „Westside“, wie der gleichnamige Track des Albums beweisen soll. 

Aber um auf die Musik zurückzukommen: Die macht es einem schwer, das Album von vorne bis hinten durchzuhören. So unterschiedlich und gut die Beats mit ihren satten Bässen, Elektro-Sounds und orientalischen Einflüssen auch sein mögen, Rap lebt nun eben vom Text – und da bietet Eko gewohnten und belanglosen Einheitsbrei. Nicht einmal der Hauch eines Anflugs von Kritik, schließlich könnte man die Thematik„Hart(z) IV“ durchaus für ein politisches Statement nutzen, ist zu spüren. Stattdessen gibt es ohne Ende selbst verherrlichende, niveaulose, homophobe und sexistische Texte. Zeilen wie „Egal ob oben oder unten, ich habe einen Pferdeschwanz“ oder „Deine Mutter ist ein Wal, sie liegt feucht am Strand“ gehören a) noch zu den anspruchsvolleren Zitaten und mögen b) vielleicht sogar für einen Moment unterhaltsam sein. Erstreckt auf Albumlänge öden sie aber c) nur an. 

Einziger Lichtblick auf dem 22 Tracks (19 Songs plus Intro, Skit und Outro) umfassenden Album: „Bitanem (Meine türkische Freundin)“. Hier geht es mal nicht nur um „Gangbang“, „Bitches“ und den „German Dream“, sondern um die Liebe zu einer Frau. Angesichts der Frauen verachtenden Texte auf „Noch einmal“ dürfte sich die Freundin allerdings wenig geehrt fühlen.

Fazit: Wer „Asi-Rap“ für ein Qualitätsmerkmal hält, der wird an diesem Album seine Freude haben. Doch selbst hartgesottenen Aggro-Fans dürfte „Hart(z) IV“ wenig neues bieten. Savas ist und bleibt eben besser.

3 von 10 Dampfplauderern 

Wie man es hingegen richtig macht, beweist Altmeister Ice Cube auf seinem neuesten Werk „Laugh now, cry later“. Nach Ausflügen in die Schauspielerei kehrt der 37-Jährige endlich wieder zu seinen Wurzeln zurück und präsentiert straighten Gangster-Rap. Ice Cube, der inzwischen auch bürgerlich so heißt, geizt in seinen Texten auch nicht mit Sexismus („Was nutzt ein guter Arsch, wenn er nicht kochen kann?“) und Gewalt-Themen. Allerdings wäre Ice nicht er selbst, wenn er nicht auch soziale Themen anpacken und zur Sprache bringen würde. Natürlich geht es gegen George Bush, aber auch um die Rolle der Schwarzen in den USA, deren Weg aus den Armenviertel noch immer steinig und schwer ist („The Nigga Trapp“), führt er doch in den meisten Fällen ins Gefängnis oder in den Tod. Im Gegensatz zu Ekos Mönchengladbach oder Berlin wirkt South Central eben doch eine Spur authentischer.

Auch was die nötige Gangster-Attitüde anbelangt, hat Ice die Nase klar vorn: Schließlich gilt der „N.W.A“ als Begründer des Genres. Zitat aus “Child Support”: „I’m the father of this gangsta-shit, never thought I’d have a bunch of bastard-kids.” Wer Cubes Geschichte noch nicht kennt, dem sei übrigens “Growin’ Up” empfohlen, welches vom Beat her schon fast an „It was a good day“ anknüpft.

Musikalisch gibt sich Ice ansonsten typisch Westcoast-like: fiepende Synthie-Linien, tief in der Magengegend sitzende Bässe und die alten Roland 808-Drumsounds. Gepaart wird alles mit einer ordentlichen Portion Funk. Neben Swizz Beats oder Scott Storch darf einer dabei nicht fehlen: Cubes alter Spezi und Beat-Bastler Dr. Dre werkelte auch an einem Song mit. Unterstützung in Sachen Rap bekommt Ice von Snoop „Fo’Shizzle“ Dogg, WC und Lil’ Jon.

Fazit: Auf „Laugh now, cry later“ rappen 20 Jahre Bühnenerfahrung – und das hört man. Ice macht, und darauf besteht er, „Reality-Rap“ – und nicht „Gangsta-Rap“. Trotz genretypischer Großkotzerei verliert Ice nicht den Blick fürs Wesentliche und bringt auch Kritisches zu Papier.

8 von 10 kühlenden Eiswürfeln

von Sebastian Räuchle

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