Entführungsdrama

So grausam war der Kampf ums Kind!

Oberösterreich
22.06.2006 18:56
„Es war ein Kampf auf Leben und Tod!“ Silvia Lubinger (29) aus Freistadt ist tapfer und stark. Sie hat bisher das furchtbare Entführungsdrama um ihr Baby Samuel (2 ½ Monate) gut überstanden, soll eventuell schon heute, Freitag, das Spital verlassen dürfen. Im „Krone“-Interview erzählt sie, wie grausam der Kampf ums Kind war. Schlimm: die 40-jährige tatverdächtige Tschechin Helena V. (es gilt die Unschuldsvermutung) behauptete im Verhör, sie sei das unschuldige Opfer gewesen, und habe nur ein Glas Wasser gewollt…

„Ich bin mit dem Rücken zu ihr gestanden, plötzlich hat sie mir zwei Mal mit dem Hammer auf den Kopf gehaut“, erzählt Silvia Lubinger von dem Überfall: „Keine Ahnung, was ich für einen harten Schädel habe.“ Bis dahin sei die gut gekleidete, perfekt Deutsch sprechende Tschechin ganz normal gewesen: „Als sie gemerkt hat, dass ich noch stehe, hat sie auf einmal einen ganz starren Blick bekommen“, erinnert sich Lubinger: „Ich hab´ sie zuerst angebrüllt, ganz laut, sogar auf Hochdeutsch: ,Hören Sie auf! Hören Sie auf!´, ein paar Mal. Aber sie hat weiter den Hammer geschwungen. Irgendwie hab´ ich sie dann entwaffnen können. Aber die Frau war wie irr. Ich hab´ ihr die Kehle zugedrückt und auf sie eingetreten, aber sie hat nicht aufgehört. Es war fürchterlich. Wir haben so aufeinander eingeprügelt - so etwas zeigt man normalerweise nicht einmal im Film.“

Angst verlieh Löwenkräfte
Die Angst um Söhnchen Samuel, der weinend auf einer Decke am Boden lag, verlieh der jungen Shiatsu-Praktikerin Löwenkräfte. Obwohl die Angreiferin einen Kopf größer und 30 Kilo schwerer war, konnte Lubinger die 40-jährige Tschechin schließlich zu Boden ringen: „Ich hab´ sie auf den Boden gedrückt und ordentlich auf ihr Gesicht eingedroschen - damit sie endlich aufhört und aufgibt. Dann hab´ ich sie an den Haaren aus dem Haus geschleift und schnell die Tür zugemacht. Ich wollte nur noch mit meinem kleinen Kind in Sicherheit sein. So etwas passiert hoffentlich nur einmal im Leben.“

Tatverdächtige mimte den Unschuldsengel
Helena V. lag stöhnend auf der Treppe, sagte: „Ich wollte ja nur etwas zu trinken.“ Bei dieser Verteidigungsstrategie blieb die Marketingmanagerin auch bei ihrer Einvernahme durch die Polizei - bis sie von den Kriminalisten mit den Beweisen konfrontiert wurde. Mit der Sporttasche, in der sie Wickelpolster, Windeln, aber auch ein Klebeband und einen Hammer mitgeführt hatte. Mit den Aussagen ihres italienischen Mannes, dem sie am Telefon schon gesagt hatte, dass sie mit einem Sohn heimkommen werde.

Heute muss der Linzer-U-Richter entscheiden, ob Helena V. in Haft bleibt.

 

Foto: Chris Koller

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