Putzige Tierchen

Wildlife Park 2

Spiele
04.07.2006 16:55
Wer sich schon immer als Zoodirektor versuchen wollte, ist mit "Wildlife Park 2" gut bedient: Gleich haufenweise Huf-, Klauen- und Pfotentiere sowie diverse Wasserlebewesen wollen umhegt und gepflegt sein. Wer sich Mühe gibt und besonders gut für seine Schützlinge sorgt, den erwarten zufriedene Tiere, die für zahlreichen Nachwuchs im Tierpark sorgen. Und wer kann Babytigern und kleinen Kamelen schon widerstehen?

Das Riesenkrokodil ist ziemlich schlecht gelaunt an diesem Nachmittag. Wenn es nicht eingefangen wird und vor allem in einem ausbruchssicheren Gehege landet, werden noch mehr Kleintiere ihr Leben aushauchen. Dabei wollte man doch alles richtig machen, wenn ein Wildpark Hilfe braucht.

So oder so ähnlich spielen sich die meisten der zwanzig Missionen von "Wildlife Park 2", die Hintergrundgeschichten im Kampagnenmodus haben keine spürbare Auswirkung auf das eigentliche Spiel. Während der Spaßfaktor mit jeder Mission ansteigt, klettert auch der Schwierigkeitsgrad nach oben. Anfänglich flott zu erledigen, nehmen die Missionen mit einem Mal spürbar an Geschwindigkeit - die übrigens regulierbar ist - und Anspruch zu. In Japan verschiedenste Meeresbewohner in einem teuren Aquapark zu vereinen, Tiere und vor allem Gäste zufrieden zu stellen - das kann ein nervenaufreibender Job sein.

Haie, Ponys, Nashörner, Schildkröten, ...
Über fünfzig Tierarten warten auf den zukünftigen Wildparkbesitzer. Kuschelige Hasen und bockige Ziegen für den Streichelzoo, fortpflanzungsfreudige Strausse und bewegungsfreudige Zebras sind in Afrika daheim, verspielte Delphine und unheimliche Riesenkraken wohnen im Aquapark nebeneinander. Besonders gelungen ist, dass sich alle Tiere fortpflanzen können - und das auch gerne tun, wenn sie sich wohl fühlen.

Ich wollte immer schon mal einen Tiger...
Um für Nachwuchs zu sorgen, braucht jedes Tier besondere Pflege: der richtige Boden, genug Futter und diverse Beschäftigungsmöglichkeiten wie Boxsäcke, Laufbänder und Steine zum Drüberhüpfen sind Pflicht in beinahe jedem Gehege. Schon bald fühlt sich der Spieler verantwortlich für "seine" Tiere, leidet, wenn sie leiden und freut sich unbändig, wenn der Tiger zufrieden sein Klettergerüst erkundet.

Wirtschaftssimulation inklusive
Um die Bedürfnisse aller tierischen Schützlinge befriedigen zu können, werden allerlei Wirtschaftsgebäude errichtet. Die Produktion von Gemüse, Obst sowie Fisch und Fleisch kann beginnen. Daneben macht der Zoodirektor fleißig Werbung für seine Attraktionen. Das alles kostet natürlich Geld - das soll durch variable Eintrittspreise und verschiedene Verkaufsstände wieder hereinkommen. Für Gäste gibt es allerlei Schönes zu entdecken - Dekoration, verschiedene Pflanzenarten, gemütliche Bänke, Getränke- und Imbissbuden sowie Aussichtsplattformen stehen zur Auswahl, um den Besuchern ihr Erspartes abzuluchsen.

Anspruchsvolle Gäste
Die Besucher sind leider immer wieder ein Ärgernis: Auch wenn es bereits zwei Würstelstandl gibt - stehen die nicht genau vor der Nase der Gäste, ziehen sie wütend von dannen. Jeden Einzelnen per Hand zum gewünschten Ziel zu transportieren ist auf die Dauer zwar keine Lösung, besänftigt die Tierparkfreunde aber wenigstens. Je knapper die Kasse, desto schwieriger, die Wünsche der Besucher zu berücksichtigen. Wütende Gesichter verleiten aber dazu, Geld in die Verschönerung des Parks zu investieren - was ein noch größeres Loch in die Kasse brennt. Ein Teufelskreis!

Plötzlich leere Kassen 
Der Spieler verliert auch ohne nörgelnde Gäste leicht den Überblick über die Finanzen. Schließlich muss an allen Ecken und Enden gebaut, dekoriert und gefüttert werden. Die Produktion des Futters lässt sich dankenswerterweise ohne Probleme jederzeit an- und wieder abstellen, so kann Überproduktion und Verschwendung der Kampf angesagt werden. Wie viel Geld aber etwa durch Werbemaßnahmen wie Flyer und Plakate wirklich verschwindet, fällt im Spielverlauf erst auf, wenn plötzlich rote Zahlen im Finanzüberblick erscheinen.

Flipper lebt ewig
Neben der Herausforderung, eine Missionen zu meistern, ist auch freies Füttern, Züchten und Bauen möglich. Hier ist der gesamte Wirtschaftsteil deaktivierbar, Tiere und Pflanzen - die übrigens auch Bedürfnisse haben - stehen dann im Mittelpunkt. Im freien Spiel kann jeder Gamer seine Schützlinge außerdem unsterblich machen, was die Bindung an Cheetah, Flipper und Co. weiter stärkt. Neben konventionellen Tierarten können sich Mutige auch an die Wiedereinbürgerung diverser Saurierarten und Mammuts machen.

Nerviges Terraforming
Die Präsentation der Tiere ist etwas enttäuschend, sie sind polygonarm geraten. Trotzdem macht das Mitleben im Park Spaß, etwas mehr unterschiedliche Besucherfiguren hätten dem Realitätsgrad aber sicher nicht geschadet. Ein gravierender Schwachpunkt des Spiels ist, dass Höhenveränderungen nur mit viel Zeit und Nerven zu schaffen sind. Das Tool, mit dem Berge oder Gruben in die Landschaft eingebaut werden können, arbeitet unpräzise und oft völlig unkontrollierbar. Blöd nur, dass diverse Tierarten auf flachem Gelände nicht glücklich werden - so bei beinahe jeder Mission wegen des Terraformings Ärger programmiert ist.

Fazit
Das Einarbeiten in die Aufgaben eines Zoodirektors fällt leicht, Steuerung, Ressourcenmanagement und Gebäudebau sind intuitiv gelungen. Von kleinen Schwächen abgesehen ist "Wildlife Park 2" eine gelungene Aufbausimulation, die über Stunden hinweg Spaß macht. Die Bindung, die zu den Tieren aufgebaut wird, motiviert enorm und dass glückliche Bewohner Nachwuchs produzieren, erfreut besonders.

Plattform: PC (getestet)
Publisher: Deep Silver
Krone.at-Wertung: 85%

von Bernadette Geißler

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