Die weltruhmlose Band hat ein bewegtes Schicksal: Seit dem ersten Auftritt 1970 hat Wishbone Ash satte 16 Bandmitglieder „verschlissen“. Gitarristen und Schlagzeuger kamen und gingen, zwischendurch sprangen auch drei der vier Gründungsmitglieder vom Zug ab. Gut, dass immer jemand da war, der weitergemacht hat.
Unter der Regie des einzigen noch verbliebenen Wishbone-Ash-Urgesteins, dem Gitarristen und Sänger Andy Powell, zieht die vierköpfige Band mit „Clan Destiny“ ein kleines Resümee nach so vielen Jahren, in denen die Fangemeinde – eben jener angesprochene Clan – um Wishbone Ash immer stärker zusammenwuchs und mit der Zeit einen regelrechten Kult um die Musiker gebildet hat.
Charakteristisch für „The Ash“, wie sie liebevoll von ihren Anhängern genannt werden, ist der Einsatz von zwei Lead-Gitarren. In ihren Songs gibt es keine Begleitstimme und einen fidelen Zweit-Gitarristen, der zwischendurch ein paar Solos durchwürgt, sondern die doppelt Portion an Solis und fast immer zwei eingängige Riffs, die das Thema des Songs bestimmen – siehe Thin Lizzys „The Boys Are Back In Town“, das deutlich nach dem Ash-Muster gestrickt ist.
In ihren eigenen Songs schwanken Andy Powell, Bob Skeat (bass), Ray Weston (drums) und Finnland-Import, Muddy Maninnen (git) stilistisch immer zwischen Deep-Purple-mäßigem Durchmarsch-Rock und sanften Folk-Tönen. Im Gegensatz zu den Altmeistern, mit denen sie früher tourten, haben Wishbone Ash ihren Sound und ihre Texte aber konstant weiterentwickelt. So klingt auch „Clan Destiny“ keineswegs nach einer alteingesessenen Rockpartie, die sich mit jeder neuen Platte wehmütig an ihre alten Glanzzeiten erinnert – das Album könnte durchaus von Newcomern stammen, die sich am klassischen Gitarrenrock erfreuen.
Auf „Clan Destiny“ dringt die alte Schule des Classic Rock vor allem durch die Soundstruktur. Anders als heutiger Rock klingen Wishbone Ash transparent, detailliert; man hört jeden einzelnen Ton der Twin-Leads, die bisweilen melodische, virtuose Soli-Parts hinlegen und Druck und Drive nicht durch brutal verzerrte Gitarren-Schreddereien aufbauen müssen. Die besseren Gitarristen sind halt doch die Altherren…
Gesanglich merkt man den Unterschied zu früheren Alben. Andy Powell war in der Originalbesetzung nicht der Lead-Sänger, bringt aber mit der Unterstützung der neuen Mitglieder angenehme Vocal-Parts zustande. Auch hier geht die Melodie vor. Auf Songs wie „Eyes Wide Open“ paaren sich 3-Ton-Harmonien mit dem shuffeligen Staccato der Rhythmus-Sektion. Musikalisches Highlight auf „Clan Destiny“ ist neben dem Spiritual-Cover „Motherless Child“ die Instrumental-Nummer „Surfing On A Slow Wave“, die dem Songtitel musikalisch voll und ganz gerecht wird.
7 von 10 Altmeistern, die ohne Weltruhm auskommen
Tipp: Wishbone Ash gastieren heuer zweimal in Österreich. Am 7. Juli beim Legends Of Rock in Wiesen und einen Tag später bei den Rock-Legends auf der Burg Clam!
Christoph Andert
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