Für den Verdächtigen gilt in beiden Fällen die Unschuldsvermutung. Der illegale Zigaretten-Fabrikant von Thalgau entpuppte sich als ehemaliger Fenster-Fabrikant in Wels. Seit er dort Mitte der 80er-Jahre bankrott machte, verfolgt ihn die Staatsanwaltschaft wegen Krida, Betrugs, Untreue und Veruntreuung von vielen Millionen Schilling.
Im Februar 1997 war die umfangreiche Anklage rechtskräftig, doch vor Gericht stand der Angeklagte noch nie. Ein Schlaganfall machte den gewichtigen Industriellen verhandlungsunfähig, für weitere Termine lieferte er weitere Atteste, und schließlich verloren die Strafverfolger seine Spur. Zuletzt konnte ihm im heurigen April seine Vorladung nicht zugestellt werden.
40 Millionen verdient
Richard S. lebte schon längst als U-Boot - zuletzt unangemeldet bei seiner Freundin im Tiroler Unterland: Er soll im Jahr 2004 im Salzburger Thalgau eine illegale und lukrative Zigaretten-Fabrik aufgezogen haben, dort vier Millionen Stangen produziert, damit angeblich 40 Millionen Euro verdient - und somit geschätzte 50 Millionen Steuern hinterzogen haben. Ein Marchtrenker Spediteur soll die heiße Fracht in den Balkan gekarrt haben. Als die Produktion nach Köln und Koblenz verlagert wurde, griff die deutsche Polizei zu - und verfolgte die Spur nach Österreich zurück.
Der Oberösterreicher wurde am 31. Mai in Tirol verhaftet und nach Linz überstellt. Er saß aber kaum 48 Stunden in Haft, als ihn der U-Richter laufen ließ: Richard S. wurden zwar der Pass, Führerschein, 50.000 Euro Bargeld und 1,6 Millionen in Goldbarren abgenommen, eine Kaution musste er jedoch nicht hinterlegen. Fluchtgefahr? Wiederholungs- und Verdunkelungsgefahr? Weil Haftgründe zu befürchten sind, wird der Angeklagte nach neun Jahren in drei Wochen wohl kaum im Welser Gericht erscheinen. Sondern die Justiz weiterhin zum Narren halten.
Foto: Zollwache Tirol
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