Hochwasserschutz

Falle gestellt: Dem Lech wird Geröll geraubt

Tirol
27.10.2015 09:20
Im Außerfern ist ein millionenschweres und österreichweit gewiss einzigartiges Hochwasserschutzprojekt (so gut wie) fertig! Mit der "Geschiebefalle Hornberg" wird künftig der Lech auf Höhe Ehenbichl/Höfen seines mitführenden Gerölls „beraubt“ – damit das Flussbett nicht mehr gefährlich hoch ansteigen kann.

Vielen Außerfernern vergeht ganz schnell das Lachen, wenn sie an die Jahre 1999 oder 2005 denken. Damals trat der Lech nach tagelangem strömenden Regen vielerorts über die Ufer - die Wassermassen kannten keine Grenzen. Keller und ganze Häuser wurden geflutet, teilweise sogar Existenzen ausgelöscht

Vor solchen Katastrophen sollen Anrainer entlang des Flusses in Zukunft verschont bleiben. Lange diskutiert, erfolgte 2012 - wie berichtet - der Start zum Bau der Geschiebefalle Hornberg. Nun ist sie fertig! "Die Hauptarbeiten sind abgeschlossen, die Geschiebefalle ist in Betrieb", freut sich Wolfgang Klien, Chef des Wasserbauamtes Reutte, im Gespräch mit der "Krone".

Die Idee hinter dem Projekt: Von Weißenbach bis Lechaschau verläuft der Lech flach und die Fließgeschwindigkeit ist gering, wodurch große Schotterablagerungen entstehen. Diese mussten bisher regelmäßig mit Baggern entfernt werden, um Überschwemmungen zu verhindern. "Damit hatten nicht alle ihre Freude, vor allem hinsichtlich des Naturschutzes", betonte Klien bereits während der dreijährigen Bauarbeiten.

700 Meter langes Becken

Künftig soll also die Geschiebefalle das Geröll aufhalten. Doch wie funktioniert das? Dazu wurde ein zum Lech parallel verlaufendes Flussbett geschaffen. Dieses sorgt für den weiterhin notwendigen, aber deutlich reduzierten Schottertransport. Das alte Flussbett wurde mit einer Rampe verbaut, die das Wasser in den neuen Nebenarm umleitet. Sollte der Lech mehr Wasser führen, als das neue Flussbett aufgrund eines Durchlasses (siehe Bilder) aufnehmen kann, wird dieses samt Geschiebe über die Rampe in ein rund 700 Meter langes Ablagebecken schwappen. Eine weitere Schwelle sorgt dann dafür, dass das Geröll nicht weiter flussabwärts getrieben wird.

Rund 6 Millionen Euro Kosten

Laut Klien können auf diese Weise künftig im Schnitt rund 50.000 Kubikmeter Geröll pro Jahr möglichst umweltschonend entnommen werden - bei Hochwasser könnte es auch gut und gerne das Doppelte sein. Bis Jahresende werden nun noch einige kleinere Restarbeiten durchgeführt. Die Kosten der Geschiebefalle belaufen sich auf etwa sechs Millionen Euro!

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