Kernstück der "Tourist Trophy" ist der Karriere-Modus, in dem sich der Spieler durch insgesamt 22 Pokal-Serien kämpfen muss. Bevor es allerdings so weit ist, darf erst ein Mal die Schulbank gedrückt werden, um mit einer erworbenen Lizenz an den Start gehen zu können. Durch besonderes Geschick im Bremsen, Kurven- und Slalomfahren schaltet der Spieler nach bestandener Abschlussprüfung eine der insgesamt vier Lizenzen frei (Anfänger, Junior, Experte, Spezial).
Wurde diese Hürde genommen, dann steht einer Karriere als Profi-Fahrer eigentlich nichts mehr im Weg. Aber eben nur eigentlich. Denn um an den Pokal-Rennen teilzunehmen, bedarf es auch einer richtigen Maschine - schließlich möchte man nicht immer auf kleinen Motorrollern und Gatschhupfern der Konkurrenz hinterhertuckern. Glücklicherweise gibt es ja die "Herausforderungsrennen". Aus insgesamt 93 Maschinen wählt der Spieler seine Lieblings-Maschine (abhängig von der Lizenz-Klasse). Gewinnt er die an das Zweirad geknüpfte Bedingung, beispielsweise den Gegner innerhalb einer festgelegten Rundenzahl zu überholen, dann geht der Ofen in seinen Besitz über.
Nach und nach entsteht so ein stattlicher Fuhrpark, der in der "Garage" betrachtet werden kann. Neben den japanischen Maschinen von Honda, Kawasaki, Suzuki oder Yamaha, von Bikern auch mehr oder weniger liebevoll "Reiskocher" genannt, stehen auch europäische Bikes der Firmen Ducati, Triumph, Aprillia oder BMW zur Auswahl. In der Garage lassen sich nicht nur jede Menge Informationen über die einzelnen Typen einholen, es darf auch herumgeschraubt werden, um für das nächste Rennen optimal vorbereitet zu sein. Nach Herzenslust darf an Aufhängung, Bremsen, Reifen oder Auspuff gewerkelt werden. Zu guter Letzt bedarf es noch der passenden Biker-Kluft. In der Rubrik "Motorradkleidung" wählt der Spieler aus Shoei-Helmen und Dainese-Kombos sowohl Renn- als auch Straßenoutfits.
Groß auch die Auswahl bei den Rennstrecken: Egal ob Fuji Speedway, Suzuka Circuit, Laguna Seca, die Nordschleife des Nürburgrings oder Fahrten durch das grelle Tokyo, Seoul, Hongkong, die engen Straßen New Yorks, Seattle und entlang der malerischen Côte d’Azur. Insgesamt 37 abwechslungsreich gestaltete Kurse lassen so schnell keine Langeweile aufkommen. Nach jedem Rennen lassen sich übrigens die schönsten Momente in einer rasant geschnittenen Wiederholung anschauen. Auf Wunsch können nicht nur Filme, sondern auch Bilder gespeichert und somit immer wieder als mit Musik untermalte Diashow betrachtet werden. Über eine Druckfunktion können die besten Schnappschüsse sogar auf Papier verewigt werden.
Wer nach einer Weile genug vom Karriere-Stress hat, der darf im "Arcade-Modus" sein Können unter Beweis stellen. Trotz des Namens unterscheidet sich das Fahrverhalten nicht vom Karriere-Modus, ist das gesamte Spiel doch eher arcadelastig ausgefallen. Neben einem schnellen Rennen, gegen einen oder mehrere Mitstreiter, darf auch per Splitscreen gegen einen Freund oder alleine gegen die Uhr gefahren werden. Zu Beginn wählt der Spieler aus einer der vier Kubik-Klassen (250, 400, 750, 1000 und darüber), unterzieht seine Maschine dann einem "Schnelltuning" und wählt wieder ein passendes Outfit.
Dann geht es erneut auf die Piste und hier offenbaren sich zugleich Schwäche und Stärke des Spiels: die Steuerung. Motorräder haben nämlich einen entscheidenden Nachteil: Sie kippen in der Kurve gerne um. Gerade bei den PS-starken Maschinen findet sich der Spieler schnell in der Bande oder Leitplanke wieder. Für Anfänger kann dieser Umstand bereits in der Lizenschule für gehörigen Frust sorgen. Da hilft es auch nur bedingt, wenn die Ideallinie auf dem Kurs eingezeichnet wird. Hat man durch viel Training auf kleinen, langsamen Bikes jedoch den Bogen raus und versteht das Zusammenspiel von Gas und Bremse sowie Kurvenverhalten, dann lässt sich mit der Steuerung präzise über die Kurse navigieren. Und wenn man zum ersten Mal beim Beschleunigen einen Wheelie auf den Asphalt legt, kommt echte Rennatmosphäre auf.
Fazit: "Tourist Tropy - The Real Riding Simulator" dürfte jeden Motorrad-Fanatiker vollends begeistern - vorausgesetzt er setzt sich intensiv mit der nicht gerade einfachen Steuerung auseinander. Ansonsten punktet das Spiel in jederlei Hinsicht: Feinste Grafik, kerniger Motorensound und groovende Musik sowie eine Vielzahl an unterschiedlichen Maschinen, abwechslungsreichen Rennkursen und Pokalserien.
Plattform: PS2
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 88%
von Sebastian Räuchle
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