20.05.2006 13:08 |

Stolz oder Gefahr?

"Große Mauer" am Jangtse-Fluss ist vollendet

In China ist der Hauptdamm des größten Wasserkraftwerks der Welt wie geplant am Samstag fertig gestellt worden. Die riesige Mauer ist Teil des Drei-Schluchten-Staudamms am Jangtse-Fluss, eines umstrittenen Bauvorhabens der chinesischen Regierung, für das mehr als eine Million Menschen umgesiedelt werden mussten. Dazu kommt, dass Ingenieure und Umweltschützer nun ihre Bedenken zur Funktionstüchtigkeit des Stausees äußern.

Der jetzt fertig gestellte Damm im Tal des Jangtse, des längsten Flusses in Asien, ist 185 Meter hoch und 2.309 Meter lang. Vor der geplanten Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks 2008 müssen aber noch die letzten zwölf der 26 Generatoren des Damms installiert werden, wie die Behörden mitteilten.

Meisterwerk oder Farce?
Für die einen ist das Mammut-Projekt der Stolz der chinesischen Nation, für die anderen eine unkalkulierbare Gefahr für Mensch und Umwelt. Während der 13-jährigen Bauzeit des Drei-Schluchten-Dammes erhitzte die Umsiedlung von 1,3 Millionen Menschen die Gemüter. Zwischen architektonischer Meisterleistung und größter Fehlschlag schwanken die Einschätzungen über das Bauwerk.

Aus Umweltschutzgründen umstritten
Ingenieure und Umweltschützer warnen, dass der Stausee durch Abwasser von flussaufwärts gelegenen Städten verschmutzt werden könnte. In vielen Städten fehlen angemessene Kläranlagen. Die Regierung in Peking argumentiert, der Damm werde dazu beitragen, die Überflutungen am Jangtse zu lindern, und dringend benötigte Elektrizität für die rasch wachsende chinesische Wirtschaft zu produzieren. Das Wasserkraftwerk soll rund 85 Milliarden Kilowattstunden jährlich produzieren.

Erbaut von 30.000 Menschen
8.000 Bauarbeiter waren in der Schlussphase an der Staumauer beschäftigt, zu Hochphasen waren zeitweise 30.000 Menschen auf der Baustelle im Einsatz. Superlative bricht das Bauwerk auch bei den Kosten: Offiziellen Angaben zufolge verschlang der Damm umgerechnet 21 Milliarden Euro, informelle Schätzungen gehen von bis zu 39 Milliarden Euro aus.

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