Nach Nemzow-Tod

Bericht deckt russische Verluste in Ostukraine auf

Ausland
12.05.2015 16:50
Vertraute des Ende Februar im Zentrum Moskaus ermordeten Kremlkritikers Boris Nemzow haben am Dienstag einen Bericht vorgelegt, der nach ihren Angaben "vollständige Beweise" für die Präsenz russischen Militärs in der Ukraine enthält. Der 64-seitige Bericht enthalte unter anderem Aussagen von "Schlüsselzeugen", sagte einer der Autoren, der Oppositionelle Ilja Jaschin, in Moskau.

Der Bericht befasst sich mit der Rolle des Kreml und des russischen Staatschefs Wladimir Putin im Ukraine-Konflikt und trägt den Titel "Putin - der Krieg". Er fußt auf Recherchen Nemzows, die dieser bis zu seiner Ermordung vorantrieb. Der 55-Jährige wurde in der Nacht auf 28. Februar erschossen, die Ermordung des Regierungsgegners löste weltweit Bestürzung aus.

Nemzows Bericht beruht nach Angaben der Autoren unter anderem auf Gesprächen des Politikers mit Angehörigen gefallener Soldaten. Außerdem wertete das Team, das nach dem Tod des Oppositionellen seine Recherchen fortsetzte, zahlreiche öffentlich verfügbare Quellen aus: Fotos, Interviews führender Separatisten, Berichte und Analysen russischer und internationaler Medien.

Mehr als 200 russische Soldaten in Ostukraine gefallen
Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass allein im August 2014 mindestens 150 russische Soldaten in der Ostukraine getötet wurden. Ihre Angehörigen hätten je drei Millionen Rubel (rund 50.000 Euro) Schmerzensgeld erhalten. Die Zahlung sei an die Bedingung geknüpft gewesen, dass sie nicht öffentlich über den Tod ihrer Familienmitglieder sprechen.

Etwa 70 weitere russische Soldaten sollen zudem Anfang des Jahres am strategisch wichtigen ukrainischen Eisenbahnknotenpunkt Debalzewo gefallen sein. Deren Angehörige hätten allerdings kein Geld bekommen, heißt es in dem Bericht. Demnach würden die russischen Militärs in den meisten Fällen formal zum Austritt aus der Armee gezwungen werden, bevor sie in die Ostukraine entsendet werden.

"Alle entscheidenden militärischen Siege" der prorussischen Separatisten in der Ostukraine seien "von regulären russischen Truppen gewährleistet" worden, sagte Jaschin bei der Präsentation des Berichts am Dienstag. Für ihren Einsatz im Krisengebiet sollen die russischen Truppen umgerechnet bis zu 1.600 Euro Sold im Monat erhalten.

Einsatz soll Moskau schon eine Milliarde Euro gekostet haben
Auch mit den angeblichen Kosten der militärischen Intervention Moskaus in der Ukrainie hatte sich Nemzow vor seinem Tod auseinandergesetzt. Seine Angaben wurden von seinen Unterstützern nachrecherchiert: So schätzt der Ökonom Sergej Aleksaschenko die Kosten des Einsatzes auf 53 Milliarden Rubel (fast eine Milliarde Euro). Außerdem hätten die russischen Regionen geschätzte 80 Milliarden Rubel (fast 1,4 Milliarden Euro) für Flüchtlinge aus den ostukrainischen Regionen Donezk und Lugansk ausgegeben.

Der Kreml bestreitet, militärisch in den Konflikt zwischen Separatisten und ukrainischen Truppen in der Ostukraine einzugreifen. Zu dem Nemzow-Bericht wollte sich die russische Regierung am Dienstag nicht äußern. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte laut russischen Nachrichtenagenturen, er habe den Bericht nicht gelesen.

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