Geräuschkulisse

Die Yeah Yeah Yeahs mit ¿Show Your Bones¿

Musik
27.03.2006 11:10
Die „Yeah Yeah Yeahs“ – sie sind New Yorks In-Band schlechthin. Schon ihr erstes Album „Fever To Hell“ versetzte den Big Apple in hellste Aufregung: Die TV-Moderatoren stachen sich ein Auge aus, für ein paar Minuten Yeah Yeah Yeahs in ihrer Sendung und Zeitgeist-Magazine widmeten ihnen die Leitartikel seitenweise. Das da ein zweites Album kommen wird, war genauso selbstverständlich, wie das Zutreffen der Prognose, dass es genial wird. „Show Your Bones“ ist jetzt da und wir haben für euch reingehört!
kmm

Zuerst einmal die hard Facts für all jene, die mit den Yeah Yeah Yeahs höchstens alberne T-Shirt-Aufschriften assoziieren. Die Band besteht aus drei New Yorker Multi-Instrumentalisten: Karen O, ihres Zeichens Frontfrau und zuständig für jene Klangerzeuger, deren Bedienung per Tastatur erfolgt. Neben ihr Gitarrist Nick Zinner, der ebenfalls mit Keyboards im Sound mitmischt. Der Dritte im Bunde ist Brian Chase, Schlagzeuger mit nebenberuflicher Tätigkeit als Saitenwürger. 

Aber halt, da fehlt doch was! Richtig, eigentlich müsste da noch jemand den Bass zupfen. Das hatten die Yeah Yeah Yeahs bis jetzt aber noch nie benötigt – tiefe Töne können schließlich auch andere Instrumente von sich geben und im Zweifelsfall dreht man halt den Lautstärkeregler am Gitarrenverstärker noch ein bisschen höher!

Blättert man durch das Booklet ihres neuen Albums „Show Your Bones“ schließt man es mit zweierlei Erkenntnis: a) die Yeah Yeah Yeahs sind völlig abgedreht und schwer kultverdächtig und b) weiß man jetzt, wo der herzige Front-Bub von Tokio Hotel das Styling für die Steh-Frisur geklaut hat. 

Die große Erkenntnis geht weiter, wenn man erst einmal die Scheibe in der Hi-Fi-Anlage hat: Dass die New Yorker diese Band einfach lieben müssen, ist schon nach den ersten paar Takten klar. Die Yeahs sind ein wilder Mix aus all jenen Dingen, die man großartige Musik nennt und Karen O ist das Sahnehäubchen auf diesem musikalischem Melting-Pot: Sie klingt wie eine Mischung aus Nina Persson von den Cardigans und Roger Daltrey von The Who. Ohne Schmäh.

Die elf Songs auf „Show your Bones“ bedienen sich gekonnt an Rock’n’Roll-Elementen aus den 70igern, frühem Metal bzw. Grunge, weisen aber auch ein paar klassische Indie-Elemente auf. Schräge Soundeffekte, eigenwillige Vocal-Harmonies und der allgegenwärtige Analog-Synthesizer tummeln sich mit trashigen Gitarrensolis zwischen der fetten Geräuschkulisse, die Wirbelwind Brian Chase an den Drums zusammenbraut. Schwierig, den Stil treffend zu beschreiben. Sie selbst nennen es „Art-Punk“.

Der langen Schreibe kurzes Fazit: Die drei Yeahs machen jenen Wirbel, bei dem’s Großmutter die Baumwollstiefel auszieht und Politiker mit angsterfüllter Mine um die Zukunft des Erdballs bangen. Durch den fehlenden Druck im Bassbereich – den ohnehin erst die Rockbands der letzten zehn, fünfzehn Jahre zum ultimativen Credo erhoben haben und jetzt nicht mehr davon wegkommen – wird die Musik der Yeah Yeah Yeahs unglaublich transparent. Der intensive Einsatz von Verzerreffekten und Beckenorgien der Marke „Tintifax“ bewirkt einen rauschenden Sound und bringt irre viel dynamische Abwechslung ins Spiel.

Anspiel-Tipps: Die im Gesamtkontext etwas ruhigere Singleauskopplung „Gold Lions“ beinhaltet auch Folkelemente und Country-Gitarren, die die zwei Gitarristen gut dosiert übers ganze Album verstreuen. Wie ein früher David-Bowie-Song klingt der siebente Track „Dudley“ bei dem Synthi-Strings die spacige Aura vorgeben. Schwermetaller-Qualität hat wiederum das wilde „Phenomena“. 
Also: Reinhören und sie lieben oder für immer hassen!

9 von 10 basslosen New Yorkern

In der Infobox findest du Hörproben des gesamten Albums!


Christoph Andert

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Musik
27.03.2006 11:10
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung