17.03.2006 13:33 |

Umwerfend

Fight Night Round 3

Der Boxsport hat nicht gerade den besten Ruf, gilt es doch allgemein als barbarisch, wenn zwei Männer sich gegenseitig die Fresse polieren. Trotz allem kann die gesittete Art der Prügelei tierischen Spaß machen, vor allem wenn man "Fight Night Round 3" spielt. Das ist wesentlich unblutiger und spart zudem Kosten für den Zahnarzt.

Am Anfang einer jeden Box-Karriere steht das Erschaffen eines Boxers. Wie mittlerweile bei einer Vielzahl von Spielen möglich, darf der Spieler hier nach Lust und Laune an Körperproportionen und Aussehen (Haarfarbe, Bartlänge, Tattoos, etc) des Boxers herumschrauben. Doch damit nicht genug: Der Spieler legt auch die Gewichtsklasse, die Stellung der Füße oder die Art des Schlagens fest - eher sportlich schnell oder kräftig ausholend. Anschließend noch Fertigkeiten-Punkte auf Werte wie Schlagkraft oder Ausdauer verteilen und schon ist der Champ fertiggestellt.

Bevor es dann jedoch in den Ring geht, muss ein Trainer und - viel wichtiger - ein Box-Kampf her, in dem der blutjunge Sportler sein Talent unter Beweis stellen kann. Aus einer Übersicht wählt der Spieler seinen Lieblings-Gegner und unterzeichnet anschließend einen Vertrag. Mit dem spärlichen Anfangsgeld reicht es leider nur für einen Allerwelts-Trainer, der den Boxer im Training auf Sandsack oder Sparrings-Partner jedoch mit den nötigsten Bewegungen vertraut macht und anspornt.

Komplex, aber absolut realistisch: Die Steuerung
Das ist auch bitter nötig, denn die Steuerung von "Fight Night Round 3" ist äußerst komplex, sorgt dafür aber auch für ein unglaublich realistisches Box-Gefühl. So dient der rechte Analogstick zum Austeilen von rechten, linken oder geraden Schlägen aller Art, während der linke Analogstick für die nötige Beinarbeit sorgt. Die Kombination aus rechter Schultertaste und rechtem Analogstick liefert die Deckung, die linke Schultertaste samt linken Analogstick leitet Ausweichmanöver ein. Hinzu kommen noch die Buttons, mit denen zum Beispiel unfaire Taktiken eingesetzt werden können, beispielsweise der Ellbogen oder eine Kopfnuss. Davon sollte der Schiedsrichter allerdings nichts mitbekommen. Das klingt alles fürchterlich kompliziert, nach kurzer Zeit hat man aber bereits den Dreh raus.

Taktik statt Button-Smashing
Im Kampf selber ist dann kluges Taktieren gefragt, denn nur durch wildes Drücken von Knöpfen wird hier niemand Champion. Zudem muss der Spieler sehr genau auf die Lebenszeichen seines Boxers achten, fehlen doch sämtliche Anzeigen auf dem Bildschirm. Wenn der Kämpfer also zunehmend langsamer und schwerfälliger wird und zudem noch eine dicke Lippe hat, dann ist Vorsicht geboten. Kurze Zeit später könnte man sich nämlich bereits auf der Matte wiederfinden. Dann ist Tempo gefragt: In einer Art kleinem Mini-Game muss der Spieler seinen Blick wieder schärfen und auf den Referee richten, um wieder aufstehen zu können.

Sehr unterhaltsam gestaltet ist auch die Zeit zwischen den Runden: Der Spieler wird nicht nur mit Tipps vom Trainer versorgt, er muss im schlimmsten Fall auch die Narben seiner Spielfigur verarzten. Anschließend wirbelt die Kamera noch in die gegnerische Ecke, um einen kurzen Einblick in die Taktik des Gegners zu gewähren. Dann kurz noch einen Blick auf das heiße Nummerngirl werfen, Mundschutz wieder einlegen und schon geht's weiter. Am Ende des Kampfes kann das gewonnene Preisgeld in einen besseren Trainer oder Ausrüstung investiert werden.

Fotorealistische Grafik
Die Grafik von "Fight Night Round 3" ist mehr als beeindruckend und nimmt schon fast fotorealistische Züge an. Jeder Muskel zeichnet sich hier unter der Haut der Boxer ab und die feinen Schweißperlen reflektieren das Licht. Ein richtiger Augenschmaus sind die Slow-Motion-Aufnahmen, wenn einer der Boxer K.O. geht und das Gesicht zu einer schmerzverzehrten Fratze verformt wird. Auch die Umgebungen - vom Amateuerboxclub bis hin zu den großen Stadien - sind äußerst realistisch gestaltet. Bei der Musik setzt man hingegen ganz auf treibende Hip Hop-Grooves.

Wer nicht im Karriere-Modus boxen möchte, der kann auch zu zweit vor einer Konsole oder online Matches bestreiten. Darüberhinaus gibt es im "ESPN-Classic"-Modus die Möglichkeit, große Begegnungen der Boxgeschichte nachzuspielen. Hier darf man dann mit Ali gegen Frazier antreten und die Geschichte vielleicht neu schreiben. Im "Hard Hits"-Modus muss der Gegner schließlich so oft wie möglich zu Boden geprügelt werden.

Fazit: "Fight Night Round 3" sieht auf der Xbox 360 nicht nur umwerfend aus, es spielt sich auch ebenso. Die detailgetreue Grafik und die realistische Steuerung sorgen für packenden Box-Spaß, der in diesem Genre nach seines Gleichen sucht.

Plattform: Xbox 360 (getestet), Xbox, PS2
Publisher: EA Sports
Krone.at-Wertung: 89%

von Sebastian Räuchle

Samstag, 08. Mai 2021
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