Metzger geschlossen
Kühlsystem-Hacker schlugen auch in der Schweiz zu
Die Serie von Hackerangriffen auf Kühl- und Gefriersysteme in europäischen Supermärkten reißt nicht ab. Nach Lebensmittelgeschäften in Frankreich, Schweden, Belgien, Luxemburg, Estland, Italien und Irland ist nun auch in der Schweiz ein Fall gemeldet worden. Unterdessen rüsten sich die heimischen Supermarktketten gegen Attacken.
In Köniz wurde ein Fleischhauer Opfer eines solchen Delikts. Um die Lebensmittel zu schützen, wurde das Geschäft vorübergehend geschlossen. „Durch einen gezielten Cyberangriff wurde die elektronische Steuerung unserer Kühl- und Tiefkühlanlagen manipuliert“, schrieb der Betreiber von „Lüthi‘s Fleischwaren“ am Donnerstag auf seiner Webseite. Zuerst berichtete SRF online darüber.
Um mögliche Risiken für die Lebensmittelsicherheit auszuschließen, trennten die Ladeninhaber die Kühlanlagen vom Netz und schlossen das Geschäft vorübergehend. Nun würden sämtliche Prozesse und Anlagen geprüft. Am 20. November soll der Fleischhauer wieder öffnen. Vorausgesetzt, die Anlagen kühlen wieder zuverlässig.
Die Hintergründe der Angriffe sind bisher unklar. Da keine finanziellen Forderungen gestellt wurden, vermuten Experten Sabotage. „Der Einzelhandel ist ein leichtes Ziel, weil Handelsketten eine Vielzahl von Kühlreglern, Gebäudemanagementsystemen, Zugangskontrollen und Kassensystemen betreiben“, erklärte Tom Hegel, Analyst beim Cybersicherheitsunternehmen SentinelOne. Die Margen im Lebensmittelhandel seien gering und die Ware verderbe innerhalb weniger Stunden, weshalb jede Störung schnell schmerzhafte, öffentlich sichtbare Folgen habe.
Solche Hacks sind nicht neu und bereits 2022 in Russland sowie kurz danach in den USA aufgetreten, sagt IT-Experte Markus Roth. Laut dem im Innenministerium angesiedelten Bundesamt für Cybersicherheit (BCS) sind Cyberangriffe auf Kühlsysteme von Supermärkten auch in Österreich grundsätzlich nicht auszuschließen. „Aktuell liegen keine konkreten Meldungen zu derartigen Fällen vor“, teilte die Behörde am Dienstag mit. Die Lage werde laufend beobachtet.
Heimische Supermärkte rüsten sich gegen Cyberangriffe
Die heimischen Supermärkte haben aber ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Bei SPAR gebe es eine eigene Abteilung, die sich auch mit der Sicherheit von Kühlsystemen beschäftige. Rewe (Adeg, Billa, Billa Plus und Penny) beobachte die Lage kontinuierlich, aber bei den Unternehmen der Rewe Group in Österreich seien keine vergleichbaren Vorfälle bekannt, hieß es auf APA-Anfrage. Auch bei Lidl sei man nicht betroffen.
„Aus Sicherheitsgründen äußern wir uns nicht zu konkreten technischen Schutzmaßnahmen, eingesetzten Systemen oder sicherheitsrelevanten Prozessen“, sagte eine Rewe-Sprecherin. Auch der Diskonter Hofer verfügt über ein eigenes Team für IT-Sicherheit. „Wir können versichern, dass IT-Sicherheit einen hohen Stellenwert hat und entsprechende technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt werden“, hieß es aus dem Unternehmen. Nähere Details gab Hofer ebenfalls aus Sicherheitsgründen nicht bekannt.
Blutbanken in Frankreich ebenfalls betroffen
Übrigens ist mittlerweile nicht nur der Lebensmittelhandel betroffen. Am Montag wurden mehrere Blutbanken in Frankreich Opfer von Hackern. Die Situation sei nun unter Kontrolle, teilte das französische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Die in diesen Zentren gelagerten Blutkonserven seien nicht beeinträchtigt worden.

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