Eine verschwundene Karotte bringt acht Mädchen und internationale Kunstschaffende zusammen: Im Taxispalais kuratieren „die acht Freundinnen“ mit Direktorin Nina Tabassomi. Das Projekt entstand in Kooperation mit dem TSD-Projekt „Lernhilfe und Teilhabe“.
Eine Karotte fehlt. Für Benin, Huriye, Mayada, Nada, Ribaz, Sidra, Yara und Yaren beginnt damit eine Geschichte über das Zusammenleben. Die Mädchen sind zehn bis zwölf Jahre alt, sprechen mehrere Sprachen und leben in Innsbruck. Als Kollektiv nennen sie sich „Die acht Freundinnen“. Gemeinsam mit Taxispalais-Direktorin Nina Tabassomi erarbeiteten sie ohne Druck und Zwang die gleichnamige Schau. Für Tabassomi ist es „eines der schönsten Ausstellungsprojekte, die wir hier in den vergangenen zehn Jahren realisieren konnten“. Die Mädchen seien „so voller Energie und Ideen“.
Eine Tür zur Mitgestaltung öffnet sich weit
Die Mädchen und ihre Familien werden von den Tiroler Sozialen Diensten (TSD) betreut. Den Weg in die Kunsthalle ebnete die Kooperation mit dem TSD-Projekt „Lernhilfe und kennenlernen der neuen Heimat“, das Julia Berger aufgebaut hat und leitet. Monatelang trafen sich die Mädchen wöchentlich mit Tabassomi zur Kuratorinnen-Werkstatt.
Die Kinder erzählen mit Freude von Gemeinschaft
Aus der Einladung, etwas zu erfinden, entstand „Die verschwundene Karotte“: Kaninchen Kati und seine Freunde lernen, Verlust zu teilen, zu verzeihen und einander zu helfen. Zunächst auf Arabisch erzählt, wurde die Geschichte gemeinsam ins Deutsche übertragen. In der Ausstellung lesen die Mädchen selbst, in beiden Sprachen. Wer ihnen zuhört, begegnet ihren Vorstellungen von Gerechtigkeit. Tabassomi lud Kunstschaffende ein, darauf zu reagieren. Sie antworteten „mit großer Herzlichkeit und Großzügigkeit“. Einige kamen in die Werkstatt, anderen schickten die Kinder Briefe, Zeichnungen und Sprachnachrichten.
Eines der schönsten Ausstellungsprojekte, das wir hier in den vergangenen zehn Jahren realisieren konnten.
Nina Tabassomi, Direktorin Taxispalais
Die meisten Arbeiten entstanden eigens für die Freundinnen. Marwa Arsanios kündigt die Geschichte mit einem Plakat an: Der Titel steht auf Arabisch. Cana Bilir-Meier und Emel Yükseloğlu verwandelten die Tierfiguren in Sitzkissen, auf denen man der Geschichte lauschen kann. Natascha Sadr Haghighian antwortet mit Aquarellen auf die Post der Kinder. Aykan Safoğlu übersetzte ihre Tanzfreude in eine Choreografie aus Konfettischritten und Bewegungspfeilen. Michael Baers malte eine Kaninchengemeinschaft in Rosa und Hellblau; auch ein Fuchs darf dazugehören. Zusammenhalt bekommt hier Farbe, Form und den entsprechenden Raum.
Die Kunst nimmt ihre Gedanken auf
Die Verbindung zwischen den Kindern und international renommierten Kunstschaffenden war Direktorin Nina Tabassomi ein Anliegen: „Dieser Wunsch hat sich mehr als erfüllt.“ Die Geschichte der Mädchen gibt den Erwachsenen reichlich Stoff zum Weiterdenken. Diese Erfahrung kann Selbstvertrauen stärken und Zugehörigkeit wachsen lassen. Zu sehen bis 21. Februar 2027 im Taxispalais Kunsthalle Tirol.
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