Unsere Friedhofskultur verändert sich: Viele Hinterbliebene müssen sparen, leben im Ausland oder sind aus der Kirche ausgetreten. Hannah Lamprecht von der Bestattung Himmelblau in Graz kennt die aktuellen Entwicklungen.
„Ein Grab ist in erster Linie ein Ort für die Hinterbliebenen“, betont Hanna Lamprecht als allererstes. Und das Leben der Hinterblieben hat sich nun mal stark verändert: „Früher hat eine Familie oft über Generationen im selben Ort gelebt. Heute wohnt die Tochter in Graz, der Sohn in Wien und die Enkel studieren im Ausland.“
Es ist nicht der einzige Grund, weshalb Familiengräber immer öfter infrage gestellt werden. Hinzu kommen die Kosten für Grabstein, Pflege und Nutzungsrecht, die für viele schwer zu stemmen sind. Und der schwindende Glaube, weshalb alte Traditionen teils überholt scheinen.
Die Konsequenz: Gräber werden teils aufgelassen, und immer öfter Formen der Naturbestattung gewählt. Eine Urne unter einem Baum ist deutlich weniger pflegeintensiv. „Trauer ist heute so individuell wie das Leben selbst“, sagt die Expertin. Schon bei den Trauerfeiern werden vereinzelt gänzlich neue Herangehensweisen gewählt – etwa ein Livestream für Verwandte im Ausland.
Lamprecht betont jedoch: „Der klassische Friedhof ist für viele Menschen nach wie vor wichtig, und das wird auch so bleiben. Gerade jetzt zu Festtagen wie Allerheiligen oder zu Weihnachten kommen Familien zusammen, zünden Kerzen an, legen Blumen ab und gedenken gemeinsam. Diese Rituale haben einen großen Wert.“
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