48-Jährige vor Gericht

Mordversuch an Untermieter: „Hatte Todesangst!“

Steiermark
21.10.2026 13:16

Weil sie im Wahn den Untermieter ihrer Mutter töten wollte, musste sich am Mittwoch eine 48-Jährige in Graz vor den Geschworenen verantworten. Dass der Mann noch lebt, ist nur einem glücklichen Umstand zu verdanken.

„Ich weiß nicht, warum ich das Messer in der Hand hatte, aber ich wollte ihn auf gar keinen Fall töten.“ – Die beschuldigte Frau spricht vor Gericht langsam und mit schwerer Stimme. Man merkt, dass sie unter Medikamenteneinfluss steht. Die 48-jährige gebürtige Kärntnerin leidet an einer schweren psychiatrischen Erkrankung, ausgelöst durch den Missbrauch diverser Substanzen.

„Sie war zur Tatzeit nicht zurechnungsfähig“, erklärt der Staatsanwalt zu Beginn der Verhandlung den Geschworenen. „Sie handelte sprichwörtlich im Wahn.“ Weshalb auch eine Unterbringung beantragt wurde. 

Bildete sich ein, dass er das Trinkwasser vergiftet
Zu dem Mordversuch kam es Mitte März in einem Wohnhaus in Graz-Gösting, das die 48-Jährige kurzzeitig gemeinsam mit ihrer Mutter bewohnte. Seit über zehn Jahren ist das Obergeschoß untervermietet. Probleme mit dem Untermieter gab es noch nie. Doch aufgrund ihrer Erkrankung bildete sich die Frau plötzlich ein, dass sie von dem 57-Jährigen verfolgt und bestohlen wird, er Kameras installiert hat, ihre Mutter aufhetzt und das Trinkwasser vergiftet.

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Doch als sie im Begriff war, zuzustechen, rutschte sie auf dem Teppich aus. Manchmal haben Opfer großes Glück.

Der Staatsanwalt

Sie nahm ein Küchenmesser, trat die gläserne Terrassentür ein und brüllte dem Grazer entgegen: „Komm her, ich stech' dich ab!“ – „Doch als sie im Begriff war, zuzustechen, rutschte sie auf dem Teppich aus. Manchmal haben Opfer großes Glück“, sagt der Staatsanwalt. Aber dann rutschte das Opfer auf der Flucht selbst auf den Glasscherben der kaputten Tür aus. Das nutzte die Betroffene (bei Unterbringungsverhandlungen gibt es keine Angeklagten, Anm.), trat und schlug auf den am Boden liegenden Untermieter ein, bis ihre Mutter zu Hilfe eilte und sie von dem 57-Jährigen wegzerrte.

„Sie entschied sich, ihn nicht umzubringen“
Und darin sieht Verteidiger Bernhard Lehhofer seine Chance, vom Vorwurf des Mordversuchs wegzukommen: „Sie hat das Messer in der Hand gehabt, aber es nicht benutzt. Sie hat sich bewusst entschieden, ihn nicht umzubringen, obwohl es ein Leichtes gewesen wäre.“ Auch wenn es hinsichtlich des Endergebnisses keinen großen Unterschied mache, wie er eingesteht. „Aber es war kein Mordversuch.“

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Die Dame ist wie eine Furie auf mich losgegangen. Ich dachte, sie bringt mich um.

Das Opfer

Die 48-Jährige selbst kann sich ihre Handlung nicht erklären. „Plötzlich ist irgendetwas passiert, dass ich zu ihm raufgegangen bin. Aber ich weiß nicht warum. Ich weiß nur mehr flüchtig, dass ich wollte, dass er verschwindet.“ – „Wollten Sie ihn umbringen?“, fragt Richter Andreas Rom. „Oder wollten Sie ihn schwer verletzen?“ – „Nein, auf keinen Fall. Aber vielleicht wollte ich ihn schrecken. Keine Ahnung.“ Sein Trampeln hätte sie immer wieder gestört.

Das Opfer selbst schildert, dass es Todesangst gehabt hätte. „Die Dame ist wie eine Furie auf mich losgegangen. ZUm Glück ist sie auf meinem Läufer ausgerutscht. Ich dachte, sie bringt mich um. Ich dachte wirklich, dass ich jetzt sterbe.“ Glücklicherweise kam er mit leichten Blessuren davon.

Eine Entscheidung der Geschworenen steht noch aus.

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