Tiroler Justiz-Protest

„Akten und Aufgaben wachsen uns über den Kopf“

Tirol
13.10.2026 18:00

Wie bundesweit ruft das Personal am Landes- und Oberlandesgericht Innsbruck wegen notorischer Überlastung um Hilfe . Unterbesetzung prallt auf komplexere Fälle, neue Gesetze und die Folgen von KI. Den Bürgern drohen Wartezeiten.  

Mit einem symbolischen Schulterschluss stellten sich Richter, Staatsanwälte und andere Mitarbeiter am Dienstag vor dem Gebäude in der Innsbrucker Maximilianstraße. Die Botschaft an das Justizministerium ist klar: Der Personalstand reicht einfach nicht mehr aus!

Zweistelliger Anstieg bei der Zahl der Akten
Beispiel von Staatsanwalt Joachim Wüstner: „2021 gab es noch 5766 Akten gegen unbekannte Täter, zuletzt waren es um 16 Prozent mehr.“ Bei den Sozialrechtsangelegenheiten am Landesgericht steht in den ersten neun Monaten ein Zuwachs von 20 Prozent zu Buche. Fast alle Sparten verzeichnen ein zweistelliges Plus.

Auch die Präsidenten Stutter (LG, re.) und Gosch (OLG) orten Handlungsbedarf.
Auch die Präsidenten Stutter (LG, re.) und Gosch (OLG) orten Handlungsbedarf.(Bild: Johanna Birbaumer)

„Wir leisten mehr, als uns zugemutet werden sollte. Der Rechtsstaat funktioniert nur mehr, weil wir Arbeit mit nach Hause nehmen“, ergänzte Manuel Außerlechner, Obmann der Richtervereinigung in Tirol, bei der „außerordentlichen Versammlung“ im Saal Arlberg. „Streik“ nennt man die Protestwoche bewusst nicht.

Geld für Überstunden derzeit nicht vorgesehen
Robert Renzler, Richter und Vorsitzender der GÖD Tirol, betonte, dass man für Überstunden keinerlei Vergütung bekomme. Rechnerisch sei aber täglich ein Verfahren vollständig abzuwickeln – Urlaub und Wochenenden eingerechnet.

Zitat Icon

Durch die KI kommen Eingaben von oft mehreren hundert Seiten. Wo das hinführt, ist gar nicht abzuschätzen.

Manuel Außerlechner, Obmann Richtervereinigung in Tirol

Mehrere Ursachen für steigenden Arbeitsaufwand
Die Gründe für die Überlastung sind vielfältig: Ständig neue Gesetze sind auch für die Richterschaft oft Neuland. Die Beschlagnahmung von Datenträgern (meist Handys) ist rechtlich und technisch komplex. Zudem nehme der Auslandsbezug von Fällen zu: „Wir können für den Unfall eines Tirolers in Italien zuständig sein und müssen das italienische Recht anwenden“, ergänzte Renzler. Gleiches könne für den Skiunfall zweier Niederländer auf einer heimischen Piste zutreffen.

Zitat Icon

Zu verstehen, was die Streitpunkte in den derzeitigen Lebensrealitäten der Menschen sind, wird immer komplexer.

Robert Renzler, Richter und Gewerkschafter (GÖD)

KI generiert Eingaben in maßlosem Umfang
Ein Problem bereitet zunehmend Kopfzerbrechen: Viele Eingaben werden inzwischen mithilfe von der KI generiert – oft Hunderte Seiten zu einem simplen Sachverhalt. „Wir selbst dürfen die KI aber gar nicht anwenden“, so Renzler auf „Krone“-Nachfrage. Zu heikel sei es, sensible Daten auf diese Plattformen einfach hochzuladen.

Auch Präsidenten sehen Limit erreicht
Wie sehen die „Hausherren“ die Probleme der Justiz? OLG-Präsident Klaus-Dieter Gosch erinnerte an die Fürsorgepflicht als Dienstgeber: „Eigentlich müsste ich bei acht Überstunden pro Woche die Reißleine ziehen.“ LG-Präsident Andreas Stutter resümierte: „Richter und Staatsanwälte halten der Belastung nicht länger stand.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Tirol

krone.tv

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung