Gegen die Netiquette

Warum es Trump im „Krone“-Forum schwer hätte

Forum
09.10.2026 14:00

Die „Krone“ berichtet beinahe täglich über die Eskapaden von Donald Trump. Vor allem seine Postings auf Truth Social sorgen in unserer Community für Kopfschütteln. Doch was wäre, wenn der US-Präsident seine Botschaften nicht dort, sondern bei uns absetzen würde? Ein Blick in unsere Netiquette zeigt: Es gäbe einiges zu moderieren.

In der krone.at-Community ist uns ein respektvoller und freundlicher Umgang wichtig. Wir fordern daher Toleranz und Akzeptanz sowie sachliche und konstruktive Diskussionen.

In unserer Netiquette haben wir einige Punkte aufgelistet, die hingegen nicht gern gesehen sind. Bei Verstößen werden die Userbeiträge nicht veröffentlicht und gegebenenfalls erhält der Nutzer eine temporäre Sperre im Sinne einer Verwarnung. Bei schweren oder mehrmaligen Verstößen kann er dauerhaft vom „Krone“-Forum ausgeschlossen werden. Sehen wir uns mal an, wie oft das Moderationsteam bei Donald Trump einschreiten müsste:

1. Provokation und „Trolling“
Provokative Beiträge und sogenanntes „Trolling“ zielen meist nicht auf Meinungsaustausch ab, sondern darauf, andere bewusst zu verärgern und Diskussionen zu stören. Als Donald Trump in einer Rede den europäischen Staaten zurief: „Eure Länder gehen in die Hölle“, war die Empörung entsprechend groß. Solche zugespitzten Sätze laden die Stimmung emotional auf und fördern eher die Eskalation als die Debatte, wie auch das von Trump gepostete Meme mit ihm als Papst oder eine Bildmontage mit Grönland, Kanada und Venezuela als Teil der USA. Derartige Provokationen werden im „Krone“-Forum nicht freigeschaltet.

2. „Fake News“
Der Mann, der in Österreich „Waldstädte“ mit explosiven Bäumen entdeckte, hätte es im „Krone“-Forum schwer. Laut Washington Post kam Donald Trump in seiner ersten Amtszeit auf 30.573 falsche oder irreführende Behauptungen. Damit verstößt er klar gegen Punkt 2 unserer Netiquette: „Fake News“, also die bewusste oder unbewusste Verbreitung von Falschmeldungen in manipulativer Absicht. Ob er es besser weiß oder wirklich glaubt, was er so von sich gibt, ist dabei egal. Bei diesem Tempo wäre er wohl schon vor dem Mittagessen vom Moderationsteam verwarnt worden.

3. Rechtlich verbotene Handlungen
Strafrechtlich relevante Äußerungen werden im „Krone“-Forum nicht geduldet. Dazu zählen unter anderem Aufrufe zu Gewalt und Straftaten sowie deren Verharmlosungen, terroristische Inhalte, Drohungen, Propaganda für extremistische Aktivitäten und Organisationen, Verhetzung, Verleumdungen, Rufschädigung oder auch Wiederbetätigung. Ein eindrückliches Negativ-Beispiel hat hier 2021 Donald Trump geliefert, als er nach dem Wahlsieg Joe Bidens die Menge zum Sturm auf das US-Kapitol angeheizt hatte. Dass er sich nicht immer an die geltenden Gesetze hält, zeigte auch das Missbrauchsurteil gegen Trump oder seine Drohung an das Mullah-Regime im Iran. Im „Krone“-Forum könnte dieses Verhalten – je nach Schwere des Verstoßes – zu einer temporären oder auch dauerhaften Sperre führen.

4. (Persönliche) Angriffe auf andere Personen, Gruppen, Religionen, Geschlechter oder sexuelle Orientierungen
Vor einer echten Mammutaufgabe steht, wer die Entgleisungen und Beleidigungen des US-Präsidenten auflisten will, denn es sind schlicht zu viele. Wir greifen deshalb nur einige Beispiele heraus. Im Wahlkampf 2024 behauptete Trump, haitianische Einwanderer in Springfield würden Haustiere essen – bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2015 machte er Mexikaner pauschal zu Triebtätern. Auch gegen Demokraten teilt er gern aus: So soll er Senator Adam Schiff zuletzt als „Alien“ bezeichnet haben. Hinzu kommen infantile Spitznamen wie „Sleepy Joe“ für seinen politischen Konkurrenten Joe Biden. Wir wissen es zu schätzen, dass unsere Leserinnen und Leser ihrer Meinung lieber mit Argumenten Gehör verschaffen, als auf Polemik und Hetze zu setzen.

5. „Off-Topic“
Als Off-Topic gelten Beiträge, die nichts zur Diskussion beitragen, ein Thema verwässern oder unnötige und unsachliche Informationen liefern. Donald Trump beherrscht eine verwandte Technik: Statt auf Kritik einzugehen, verweist er gerne auf das Fehlverhalten anderer. Auch in seinen Reden springt Trump gerne zwischen den Themen hin und her. Bei seinem Auftritt in Davos ging es neben Grönland (oder war es doch Island?) plötzlich auch um Windräder und Medikamentenpreise. Unser Kommentar dazu: Bitte zurück zum Thema.

6. Persönliche und private Informationen ohne Einverständnis
Im „Krone“-Forum ist es untersagt, persönliche Informationen über andere Personen wie beispielsweise Klarnamen, Telefonnummern, Adressen oder andere personenbezogene Daten zu verbreiten. Donald Trump hat erst kürzlich die private Telefonnummer seines Parteikollegen veröffentlicht und dazu aufgefordert, ihn anzurufen, um seine Meinung bezüglich der Zeitumstellung zu ändern. „Krone“-Leser wissen: Das ist ein absolutes No-Go.

7. Unerwünschte Werbung („Spam“)
Wir sind ein Forum für den Austausch von Meinungen, kein Basar zum Feilbieten von Waren. Auch ein US-Präsident sollte eher seine politische Weltanschauung an den Mann und die Frau bringen, als sein eigenes Merchandise zu vermarkten. Das sieht Donald Trump allerdings anders: Seit seiner Wahl soll er mit Werbeartikeln bereits mehr als 600 Millionen Dollar verdient haben – von signierten Bibeln über goldene Turnschuhe bis hin zu einem eigenen Parfüm. Auf krone.at würde Trump aber schnell merken, dass der Duft des Erfolges im Forum so rasch verfliegt. 

8. Öffentliche Diskussionen über Entscheidungen des Community-Teams
Auf seiner eigenen Plattform Truth Social muss Donald Trump niemandem Rechenschaft ablegen, im politischen Alltag schon: Dort übernimmt der Supreme Court gewissermaßen die Rolle des Moderators. Er prüft, ob sich der Präsident an die Verfassung hält. Im „Time“-Interview klagte Trump, er habe seinen Richtern „die Stelle ihres Lebens verschafft“, und trotzdem stimmten sie oft gegen ihn. Drei der neun Richter hat er selbst nominiert. Er hat also einen Teil seiner eigenen Moderatoren eingestellt und wundert sich nun, dass sie auch gegen ihn moderieren. Schließlich hat er auch auf die Verfassung geschworen, er müsste das Regelwerk also kennen. Wer eine Moderationsentscheidung von uns nicht nachvollziehen kann, schreibt uns bitte an forum@krone.at – und nicht gleich dem „Time Magazine“.

9. Mehrfachaccounts
Kurz vor der Wahl 2020 sperrte Facebook die Marketingfirma Rally Forge samt rund 200 Fake-Profilen und 55 Gruppen, die im Auftrag Trump-naher Organisationen Stimmung machten. Auf krone.at wäre so ein Vorgehen auch ein klarer Fall für Punkt 9 der Netiquette: „Mehrfachaccounts“. Wer gleich mehrere Profile anlegt, um etwa eine Sperre zu umgehen und Identitäten sowie vorherrschende Meinungen vortäuscht, bleibt am Ende nur mit sich selbst im Gespräch. In dieser Hinsicht hätten es die Herren Laider, Lüssel und Lasser auch nicht einfach im Forum.

10. sowie alle anderen Einwirkungen auf Diskussionen, welche nicht einer positiven Diskussionskultur dienlich sind.
Dazu zählen gezielte Ablenkungsmanöver und das systematische Überfluten einer Debatte mit Behauptungen. Donald Trump hat dafür eine eigene Methode: „Flooding the Zone with Shit“. Sein ehemaliger Berater Steve Bannon propagierte, die Öffentlichkeit mit so vielen Behauptungen zuzumüllen, dass niemand mehr hinterherkommt. Das Ergebnis: Die Debatte verliert ihre Gestalt, Fakten gehen im Dauerlärm unter und am Ende weiß niemand mehr, worüber eigentlich gestritten wird. Wir bevorzugen Diskussionen, in denen Argumente geprüft statt Debatten zugeschüttet werden und bei denen am Ende noch klar ist, worum es ging.

Ihre Meinung zählt!
Wie beurteilen Sie die Eskapaden von Donald Trump? Welche weiteren Aussagen vom US-Präsidenten fallen Ihnen ein, die gegen unsere Netiquette verstoßen würden? Welche Auswirkungen hat das Verhalten von Trump auf das Vertrauen und die Demokratie innerhalb und außerhalb der USA?

Teilen Sie Ihre Ansichten dazu in den Kommentaren!

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