Bilanz einer Amtszeit

Trump sagte mehr als 30.000 Mal die Unwahrheit

Ausland
25.01.2021 09:06

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump soll laut einem Medienbericht während seiner Amtszeit insgesamt 30.573 falsche oder irreführende Behauptungen in der Öffentlichkeit getätigt haben. Fast die Hälfte davon im letzten Jahr. Die Bandbreite an Themen, zu denen Trump log, war dabei enorm.

Donald Trump dürfte durch seine zahlreichen unwahren Aussagen einen Schaden verursacht haben, der noch über seine Amtszeit hinausgehen wird. Wie die „Washington Post“ in einem Faktencheck vorrechnet, nahm es der ehemalige Präsident in seiner vier Jahre laufenden Amtszeit durchschnittlich 20 Mal pro Tag nicht ganz so ernst mit der Wahrheit.

Unwahrheiten gleich zu Beginn
Bereits im Zuge seiner Amtseinführung offenbarte Trump sein Verhältnis zu Wahrheit und Fakten - daran erinnern etwa die Bilder der Angelobung, bei der Trump von einer „riesigen“ Menschenmenge sprach, die schlicht nicht vorhanden war. Selbst, dass es während seiner ersten Ansprache an die Nation regnete, leugnete er kurz darauf. Ebenso seine Aussage, dass er von Barack Obama ein „Gemetzel“ geerbt habe, stieß auf Kritik.

„Ungewöhnlich krasse Respektlosigkeit gegenüber Fakten“
Das Rechercheteam der „Washington Post“ prüft seit mittlerweile zehn Jahren Aussagen von Politikern auf deren Richtigkeit. Die „ungewöhnlich krasse Respektlosigkeit gegenüber Fakten“ habe das Team dabei jedoch vor „eine neue Herausforderung“ gestellt. Die Lügen nahmen dabei im Laufe seiner Regentschaft drastisch zu.

2500 Lügen zum Coronavirus
Waren es im ersten Jahr im Amt zunächst sechs falsche oder irreführende Aussagen pro Tag, steigerte sich Trump immer weiter und erreicht zuletzt 39 falsche Aussagen pro Tag. „Er brauchte 27 Monate für 10.000 falsche Aussagen und weitere 14 Monate um auf 20.000 zu kommen. Die Marke von 30.000 überschritt er dann in weniger als fünf Monaten“, heißt es in dem Bericht.

Lange wollte Trump vermeiden, dass man ihn mit einer Schutzmaske ablichtet - wie sich herausstellte, hat er besonders zum Thema Corona besonders oft die Unwahrheit gesagt. (Bild: AP/Julio Cortez)
Lange wollte Trump vermeiden, dass man ihn mit einer Schutzmaske ablichtet - wie sich herausstellte, hat er besonders zum Thema Corona besonders oft die Unwahrheit gesagt.

Den traurigen Höhepunkt erreichte der Republikaner dann schließlich mit seinen Aussagen zum Coronavirus und der Corona-Pandemie. Während Trump im Nachhinein erklärte, dass er die Gefahr „absichtlich heruntergespielt“ habe, rechneten die Faktenchecker nach und kamen dabei auf 2500 Unwahrheiten zu dem Themengebiet. Eine kurze Pause dazu gab es nur während Trumps eigener Erkrankung an Covid-19 - danach legte er mit durchschnittlich 150 Falschaussagen pro Tag wieder los.

Ein Feuerwerk der Lügen auf Twitter
Thematisch wandelten sich Trumps Lügen dabei im Laufe der Jahre. Besonders, wenn er öffentlich in Bedrängnis geriet, war der frühere US-Präsident laut dem Bericht dazu geneigt, eine „alternative Realität“ zu konstruieren. Einen besonders geringen Wahrheitsgehalt hatten dabei seine Aussagen während Wahlkampfveranstaltungen oder auf seinem mittlerweile gesperrten Twitter-Account.

Besonders viele Unwahrheiten verbreitete Trump via Twitter - das Soziale Netzwerk hat seinen Account nach den Ausschreitungen rund ums Kapitol schließlich gesperrt. (Bild: AP, stock.adobe.com, krone.at-Grafik)
Besonders viele Unwahrheiten verbreitete Trump via Twitter - das Soziale Netzwerk hat seinen Account nach den Ausschreitungen rund ums Kapitol schließlich gesperrt.

„Permanente Lügen durch das präsidiale Megafon“
Die vielen Unwahrheiten, mit denen Trump oft auch seine politischen Entscheidungen begründete, beschäftigten dessen Nachfolger Joe Biden bereits am ersten Tag seiner Amtszeit, an dem er damit beschäftigt war, so viele Entscheidungen wie möglich wieder rückgängig zu machen.

Der neue US-Präsident Joe Biden hatte an seinem ersten Tag schon allerhand zu tun. (Bild: AP/Evan Vucci)
Der neue US-Präsident Joe Biden hatte an seinem ersten Tag schon allerhand zu tun.

Der Historiker Michael Beschloss erklärt zudem, dass durch die „permanenten Lügen durch das präsidiale Megafon“ viele Amerikaner noch nie so skeptisch gegenüber echten Fakten waren. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen wird die nachkommenden Politiker wohl noch länger beschäftigen.

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