Wirre Rede in Davos

So treibt Donald „Daddy“ Trump Europa vor sich her

Außenpolitik
21.01.2026 19:59
Porträt von krone.at
Von krone.at

In einer ausführlichen – aber teils wirren – Rede in Davos hat US-Präsident Donald Trump am Mittwoch versucht, zu begründen, warum Grönland in den Besitz der Vereinigten Staaten übergehen sollte. Dabei verwechselte er die Arktisinsel jedoch mit Island – und monierte, wie die NATO ihn plötzlich behandelt ...

Zwei südafrikanische Geschäftsleute brachen immer wieder in Gelächter aus, als sie im Foyer des Konferenzzentrums im schweizerischen Davos die Rede von Trump beim Weltwirtschaftsforum am Bildschirm verfolgten.

Auch andere Besucher, die keinen Platz mehr im Saal bekamen, rollten mit den Augen und griffen sich an den Kopf, als Trump sich zahlreicher Großtaten brüstete, Grönland mit Island verwechselte, auf Windräder schimpfte und sich über Medikamentenpreise entrüstete.

Trump in seiner Lieblingsrolle
Am Ende tritt Trump in seiner Lieblingsrolle auf – einer Mischung aus narzisstischem Politiker und gutmütigem Onkel, der seine undankbaren Neffen maßregelt. Zu denen zählt etwa die NATO, die ihm Grönland vorenthalten wolle – obwohl sie ihn doch eigentlich ganz gern habe.

US-Präsident Donald Trump (re.) traft sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos auch mit NATO-Chef ...
US-Präsident Donald Trump (re.) traft sich beim Weltwirtschaftsforum in Davos auch mit NATO-Chef Mark Rutte.(Bild: AP)

An einer Stelle sagte Trump in Davos, die NATO habe ihn bis vor ein paar Tagen „geliebt“. „Sie haben mich Daddy genannt“, meinte er mit Blick auf NATO-Generalsekretär Mark Rutte – „bis ich ihnen vor ein paar Tagen von Island erzählt habe“. Vom Anführer sei er „zu einem schrecklichen Menschen geworden“. Zur Erklärung: Rutte nannte Ende Juni 2025 beim NATO-Gipfel in Den Haag den US-Präsidenten tatsächlich „Daddy“.

„Ich glaube nicht, dass Europa in die richtige Richtung geht“
Mit Kritik an Europa sparte Trump auch nicht. „Der alte Kontinent geht nicht mehr in die richtige Richtung“, sagte er. „Ich erkenne es nicht wieder.“ Für die Lage machte er unter anderem „unkontrollierte Massenmigration und endlose Importe aus dem Ausland“ verantwortlich. Bestimmte Orte in Europa seien nicht mehr wiederzuerkennen, und dies sei „nicht positiv“ gemeint. Welche Länder Trump konkret meinte, sagte er nicht.

Zitat Icon

Die NATO hat mich bis vor ein paar Tagen geliebt. Sie haben mich Daddy genannt, bis ich ihnen vor ein paar Tagen von Island erzählt habe.

US-Präsident Donald Trump

Auch Europas Bemühungen um saubere Energie griff der US-Präsident scharf an. Er sprach von einem „grünen Betrug“, „vielleicht dem größten Schwindel der Geschichte“. Europa verschandele die Landschaft mit Windrädern, die Energieproduktion sei viel zu teuer.

Besucher ätzt über Trump: „Einfach nur lächerlich“
„Einfach nur lächerlich“, urteilte nun ein Besucher über Trumps Aussagen beim Weltwirtschaftsforum. Wegen des Streits um das von Trump mit Vehemenz für die USA eingeforderte Grönland galt die Rede schon im Voraus als Höhepunkt des Treffens. Lange bevor der US-Präsident überhaupt eingetroffen war, bildeten sich lange Schlangen im Konferenzzentrum. Würde er aggressiv auftreten? Sich versöhnlich zeigen?

Keine Begeisterungsstürme für den US-Präsidenten
Zur Beruhigung vieler versprach Trump mit Blick auf Grönland immerhin, „keine Gewalt“ anzuwenden. Begeisterungsstürme löste er in Davos damit nicht aus. Bei seiner Ankunft und am Ende seiner Rede standen zwar viele im Saal auf – aber eher um mit dem Mobiltelefon zu fotografieren, als um zu applaudieren.

Donald Trump in Davos
Donald Trump in Davos(Bild: AP/Evan Vucci)

Merz: Kein Treffen mit Trump
Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz, der schon einen Tag vor seiner für Donnerstag geplanten Rede nach Davos gereist war, traf am Ende doch nicht mit Trump zusammen – wegen technischer Probleme seines Flugzeugs musste der US-Präsident die Maschine wechseln und traf mit zweistündiger Verspätung in Davos ein. Merz hatte angesichts der Grönland-Krise und der jüngsten Zolldrohungen erklärt, sich um ein Treffen mit Trump bemühen zu wollen. Stattdessen wollte der US-Präsident in Davos die Staats- und Regierungschefs von Polen, Belgien und Ägypten treffen, wie seine Sprecherin mitteilte.

Angespanntes Verhältnis zwischen Trump und Macron
Der französische Präsident Emmanuel Macron war bereits am Vorabend wieder abgereist – ihn scheint Trump gerade besonders auf dem Kieker zu haben. „Ich habe ihn gestern mit seiner Sonnenbrille gesehen“, sagte er in seiner Rede. Macron sei „schon irgendwie tough“, fügt er ironisch hinzu. Ein Grund dürfte Frankreichs Ablehnung sein, dem von Trump geplanten „Friedensrat“ beizutreten.

Der französische Präsident Emmanuel Macron erschien in Davos mit Sonnenbrille
Der französische Präsident Emmanuel Macron erschien in Davos mit Sonnenbrille(Bild: AFP/YOAN VALAT)

Trump ködert Länder für Teilnahme am „Friedensrat“ mit Geld
Diesem Gremium will Trump seinen zweiten Tag im verschneiten Davos widmen. Mehr als 50 Staaten hat der US-Präsident eingeladen, für eine Milliarde Dollar dauerhafte Mitglieder in dem Gremium zu werden, das der UNO Konkurrenz machen soll. Neben Frankreich haben auch Schweden, Norwegen und Italien bereits abgelehnt, der Institution beizutreten, der Trump nach eigenen Plänen mit sehr weitreichenden Befugnissen vorsitzen soll.

Wie geht es mit der Ukraine weiter?
Unklar blieb noch, ob der US-Präsident in Davos noch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen wird. In seiner Rede wähnte Trump ihn am Mittwoch „im Publikum“, woraufhin das ukrainische Präsidialamt erklärte, dass Selenskyj sich in Kiew befinde. Eigentlich hätte die Zukunft der Ukraine eines der wichtigsten Themen der Davos-Konferenz sein sollen. Aber dann schob sich „ein Stück Eis“ dazwischen, wie Trump Grönland beschrieb.

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