Bis zur letzten Minute versuchten Tierschützer, das Fütterverbot für Tauben in Linz zu verhindern. Vergebens: Am vergangenen Donnerstag wurde es im Gemeinderat besiegelt. Für Sabine Auer, die sich an vorderster Front um die Vögel kümmert, ist das ein falscher Ansatz.
Der Linzer Gemeinderat hat am Donnerstag mit den Stimmen von SPÖ, FPÖ, ÖVP und NEOS entschieden, dass wild lebende Straßentauben nicht mehr gefüttert werden dürfen. Wer dagegen verstößt, muss mit Strafen von bis zu 218 Euro rechnen. Verunreinigungen durch Taubenkot und zurückgelassene Futterreste hätten zuletzt überhandgenommen, so die Begründung.
„Haben schon 106 Eier getauscht“
Tierschützerinnen wie Sabine Auer vom Verein „Streunerkatzen OÖ“ ist das Verbot ein Dorn im Auge: „Viel sinnvoller ist eine kontrollierte Betreuung und Fütterung der Tiere in Taubenschlägen. Wir haben einen davon und konnten bereits in der Anfangsphase 106 Eier austauschen.“ Ein solcher Austausch von Taubeneiern gegen Attrappen aus Gips- oder Plastik ist eine tierschutzgerechte Methode zur Geburtenkontrolle.
35 Kilogramm Kot weniger
Auer ist davon überzeugt, dass nur auf diese Weise Überpopulation und Leid von Stadttauben zu verhindern ist. „Aber nicht nur das – seit Februar wurden in unserem Kobel rund 35 Kilogramm Taubenkot entfernt, der damit nicht auf Straßen, Gehsteigen oder vor Geschäften landet“, so die Tierschützerin. Auch die umliegenden Geschäfte würden die Entwicklung positiv wahrnehmen. Die Tiere würden sich in ihrem Zuhause aufhalten und kaum noch auf der Straße.
Nach Einschätzung des Vereins müsste es mindestens 17 Standorte geben, um das gesamte Linzer Stadtgebiet mit betreuten Taubenschlägen abdecken zu können. Sabine Auer: „Das muss natürlich nicht alles gleichzeitig sein. Entscheidend ist, zunächst jene Orte zu finden, an denen sich besonders viele Tauben versammeln.“ Besonders geeignet seien dafür Dachböden öffentlicher Gebäude.
Wien und Innsbruck setzen auf Kobel
Der Linzer Sicherheits- und Gesundheitsstadtrat Michael Raml (FPÖ) verwies bei der Diskussion auf unterschiedliche Rückmeldungen zum Umgang mit den Tauben. Die Taubenschützerinnen argumentieren im Gegenzug mit Erfahrungen aus anderen Städten sowie auf wissenschaftliche Untersuchungen. Betreute Taubenschläge gibt es etwa in Wien oder Innsbruck.
Tierschützer fühlen sich nicht gehört
Wer sich um die vielen Taubenschläge kümmern soll? Sabine Auer: „Diesbezüglich haben wir schon Personallösungen entwickelt und der Politik vorgelegt. Auch wenn die Kosten kritisiert werden, kann ich nur darauf hinweisen, dass betreute Taubenschläge langfristig günstiger sein könnten, weil durch die geringere Zahl frei lebender Tauben auch die Reinigungskosten deutlich sinken könnten.“
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