Es ist eine Spur, die tief ins Waldviertel führt – und mitten hinein in die Geschichte der deutschsprachigen Literatur: Der große Minnesänger Walther von der Vogelweide könnte seine Kindheit bei Allentsteig verbracht haben.
Nach den Erkenntnissen des renommierten Mittelalterforschers Univ.-Prof. em. Dr. Helmut Birkhan sprechen die Indizien mit rund 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit dafür. Konkret geht es um Walthers bei Bernschlag/Hörmanns, nur rund 6,5 Kilometer westlich von Allentsteig und zwölf Kilometer von Zwettl entfernt.
Auch das Stift Zwettl soll in Walthers Jugend eine wichtige Rolle gespielt haben. Dort wurde der junge „Cantor“ – Sänger und Dichter – der Überlieferung zufolge unterrichtet, bevor ihn sein Weg a den Babenberger-Hof nach Wien führte. Später zog der Minnesänger durch die deutschen Lande, er kehrte aber offenbar auch immer wieder in jene Gegend zurück, die möglicherweise seine Heimat war. Ausgerechnet hier, wo die Spuren des mittelalterlichen Poeten beginnen könnten, wird nun sein Vermächtnis zum Klingen gebracht.
Vom Minnesänger zum Singer-Songwriter
Denn Walther von der Vogelweide war gewissermaßen der Singer-Songwriter seiner Zeit. Lange vor Goethe dichtete und sang er über Liebe, Sehnsucht, Politik und das Leben. Sein „Ich saz ûf eime steine“ gehört zu den berühmtesten Texten der mittelhochdeutschen Literatur. Und in „Unter der Linden“ erzählt er von einer Liebesnacht mitten in der Natur – mit der Nachtigall als verschwiegener Zeugin und dem legendären „Tandaradei“ als klangvollem Kehrreim. Mehr als 800 Jahre später wird daraus ein musikalisches Fest.
Am 10. und 11. Oktober findet in Allentsteig und Walthers erstmals das „WALTHER von der VOGELWEIDE Singer & Song-Writer Festival“ statt. Rund 30 Künstler in 15 Acts schlagen dabei eine Brücke vom Minnesang zur modernen Liedermacherkunst. Im Mittelpunkt steht ein Thema, das Walther schon vor Jahrhunderten meisterhaft besang: die Liebe.
Ein moderner Troubadour
Ein besonderer Höhepunkt ist die erstmalige Verleihung des „WALTHER Minne-Preises“. Er geht an Bryan Benner, den in Florida geborenen Musiker, der als „the modern Troubadour“ auftritt. Auf die Auszeichnung folgt ein exklusives Konzert.
So kehrt die Geschichte gewissermaßen an ihren Ausgangspunkt zurück: Dort, wo Walther möglicherweise einst seine Jugend verbrachte und seine ersten Eindrücke sammelte, erklingen wieder Lieder über Liebe, Sehnsucht und das Leben. Walther selbst starb um 1230 und wurde in Würzburg beigesetzt. Sein Grab liegt fern seiner möglichen Waldviertler Heimat. Seine Verse aber sind geblieben – und könnten nun dort, wo seine Geschichte einst begann, eine ganz neue Melodie bekommen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.