Fast 9000 Linzer haben bei der großen Bürgerbefragung verraten, wie sie ihre Stadt erleben. Die Ergebnisse liefern viel Zustimmung, einige Überraschungen – und einen Bereich, bei dem die Stimmung deutlich kippt. Was die Menschen in ihren Vierteln konkret beschäftigt, soll ab Oktober bei fünf Stadtteilgesprächen noch genauer unter die Lupe genommen werden.
Die Linzer stellen ihrer Stadt grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus – allerdings mit einem deutlichen Sorgenkind. Das zeigt die erste große Bürgerbefragung seit neun Jahren. 58.500 Linzer ab 16 Jahren wurden eingeladen, 8919 machten mit. 92 Prozent leben gerne in Linz, knapp 81 Prozent auch gerne in ihrem eigenen Stadtteil. Rund 63 Prozent beurteilen zudem die Entwicklung der Stadt positiv.
Zufrieden mit dem eigenen Stadtviertel
Auch vor der eigenen Haustür passt für viele das Gesamtpaket: Besonders zufrieden sind die Befragten mit Einkaufsmöglichkeiten, Öffis sowie Grünflächen und Parks. Selbst beim zuletzt viel diskutierten Thema Sauberkeit überwiegen die positiven Bewertungen. Rund 60 Prozent sind mit Gehsteigen, Straßen und Plätzen in ihrem Wohngebiet zufrieden, bei Grünflächen und Parks sind es knapp 61 Prozent.
Acht von zehn fühlen sich sicher
Bemerkenswert ist das Sicherheitsgefühl: Acht von zehn Linzern fühlen sich in ihrem Wohngebiet sehr oder eher sicher. Bürgermeister Dietmar Prammer zeigte sich davon bei der Präsentation selbst überrascht – schließlich fand die Befragung nach jenen schweren Gewalttaten statt, die zuletzt eine intensive Sicherheitsdebatte ausgelöst hatten. Gegenüber früheren Befragungen blieb das Sicherheitsgefühl dennoch weitgehend stabil.
Die ärztliche Versorgung ist schlechter geworden. Das gilt für praktische Ärzte genauso wie für Fachärzte. Vor allem die Suche nach ihnen wird schwieriger.
Dietmar Prammer, Linzer SP-Bürgermeister
„Ärztliche Versorgung ist schlechter geworden“
Ganz anders die Entwicklung bei der medizinischen Versorgung. Nur noch 53 Prozent sind mit praktischen Ärzten zufrieden oder sehr zufrieden, 22 Prozent unzufrieden. 2011 lag die Zufriedenheit noch bei mehr als drei Viertel. Bei Fachärzten sind aktuell überhaupt nur rund 43 Prozent zufrieden, knapp ein Viertel ist unzufrieden. „Die ärztliche Versorgung ist schlechter geworden“, sagte Prammer. Vor allem einen Hausarzt zu finden, der noch neue Patienten aufnimmt, werde zunehmend schwieriger.
Fünf Stadtteilgespräche geplant
Dass die Linzer nicht nur gefragt werden wollen, zeigt ein weiterer Wert: Knapp 59 Prozent können sich vorstellen, die Zukunft ihrer Stadt aktiv mitzugestalten. Ab 8. Oktober sollen die Ergebnisse deshalb bei fünf Stadtteilgesprächen weiter vertieft werden. Dort werden auch die Detailzahlen für die einzelnen Viertel präsentiert.
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