Am 3. Oktober wird es in der Arena wieder laut und hart, wenn das Vienna Metal Meeting erneut seine Festivalpforten öffnet. Headliner sind die norwegischen Black-Metaller von Satyricon, die in Norwegen längst zum Mainstream zählen. Frontmann Sigurd Wongraven aka Satyr hat sich vom Musiker mit Corpsepaint zum erfolgreichen Weinbauer emporgeschwungen und erzählt uns im etwas anderen Talk darüber, wie man wirtschaftlich erfolgreich ist, wo die Prioritäten in seinem Leben liegen und was eine gute Mitarbeiterführung ausmacht.
„Krone“: Satyr, du bist nicht nur Frontmann einer der größten Black-Metal-Bands, sondern auch erfolgreich als Unternehmer im Weingeschäft tätig und mit zahlreichen Hobbys ausgestattet. Bist du jemand, der sprichwörtlich gerne ins kalte Wasser springt?
Sigurd Wongraven/Satyr: Das kommt darauf an, worum es geht. Ich würde sagen: ja und nein. Ich sehe mich schon als Person, die das Entrepreneurswesen in die Wiege gelegt bekommen hat. Da ich ein großer Motorsport-Fan bin, zitiere ich gerne den legendären Ayrton Senna, als er damals in Alain Prost gefahren ist und damit den WM-Titel verloren hat: „Wenn du nicht versuchst, in die sichtbare Lücke zu stechen, dann bist du kein Rennfahrer mehr“. Damit kann ich mich hervorragend identifizieren. Ich bin Hobby-Rennfahrer und habe diesen Biss nicht auf der Piste, sehr wohl aber im Geschäftsleben. Es geht darum, wie sehr du etwas willst. Die meisten Menschen wollen alles umsonst. Ich habe seit den 2000er-Jahren einen Vertrag mit ESP und das Anrecht auf eine bestimmte Menge an Gitarren pro Jahr, aber ich habe dieses Anrecht nie ausgenutzt. Ich könnte alle nehmen und sie gewinnbringend verkaufen, aber darum geht es in einer Vereinbarung nicht. Wenn man das Maximum aus seinem Leben herausholen will, dann muss man ehrlich interessiert sein und ethisch arbeiten. Ansonsten bist du ein Aasfresser, aber kein Unternehmer.
Wenn du nicht zwanghaft durch jede Lücke durchstechen möchtest, bedeutet das auch, dass du nicht alles im Leben als Wettbewerb siehst. Muss man als Unternehmer nicht den Wettbewerb über alles stellen?
Das kommt darauf an, was du im Leben priorisierst. Als meine Söhne auf die Welt kamen, habe ich meinem Team gesagt, dass ich mit der Band keine neunwöchigen Touren mehr fahren will, weil ich sonst einen wichtigen Teil ihres Lebens und ihres Aufwachsens verpassen würde. Sie meinten, damit würde ich viel Geld verlieren, aber wertvolle Zeit mit meinen Söhnen zu verlieren, war für mich die schlimmere Option. Das ist Zeit, die nie wieder zurückkommt. Die wichtiger ist als eine künstlerische Karriere. Sie haben dann versucht, mir wieder so lange Touren aufzubürden, aber diese Ideen habe ich im Keim erstickt.
Privatleben vor Geschäftsleben?
Wenn es möglich und wichtig ist, ja. Wobei ich vieles aus einer Businessperspektive sehe. Erinnere dich zurück an die Fußball-WM in den USA. Die Norweger sind weit gekommen, Haaland und Co. haben einen Boom in ganz Skandinavien ausgelöst, wir haben sogar die Brasilianer besiegt. Es war die historischste WM unseres Landes, und was passiert? Nach der Hälfte der WM war das Merchandise in Norwegen restlos ausverkauft. Wie dumm kann man sein? Wie kann man so daneben kalkulieren und warum gab es keinen Plan B? Wie viel mehr Umsatz hätte der norwegische Fußballverband da machen können, denn die Einnahmen gehen mitunter in den Kinder- und Jugendfußball. 5,6 Millionen Norweger waren im Fußballfieber. Sie hätten Dressen zu astronomischen Preisen gekauft. Wenn ich an dieses Versagen denke, blutet mir mein Unternehmerherz.
Wäre das für dich eine Option? Im Fußball- oder Sportbereich Dinge zu verändern oder anzukurbeln?
Nein, aber das war jetzt auch nur ein generelles Beispiel für Fehlplanung, wie man sie immer wieder und in allen Branchen erlebt. Als das norwegische Fußballteam heimkam, wurde es in Oslo von Zehntausenden Fans empfangen – und es gab kein Merchandise. Das musst du dir mal vorstellen. Das bringt mich dann auch wieder zur Personalsituation. Als Unternehmer musst du wissen, wen du einstellst. Viele Leute wollen nur den Gehaltsscheck abholen und tun lediglich das Nötigste. Sobald du so jemanden in einer Schlüsselposition hast, fängt das ganze Schiff zu wackeln an. Wenn jemand deinen Weg nicht mitgeht und nicht an dein Produkt glaubt, ist er wie Gift im System. Du brauchst immer Menschen, die mit dir den Berg besteigen wollen. Sobald jemand eigene Ambitionen hat, sollte er sein eigenes Business machen, aber er ist bei dir falsch aufgehoben. Das habe ich schon früh verstanden.
Man muss nicht nur am selben Strang ziehen, es geht auch darum, dass man sich versteht und versucht, Fehler zu minimieren.
Ich habe in meinem Leben nicht das perfekte Album gemacht und ich habe in meinem Leben noch nicht das beste Konzert gespielt. Wird das alles je passieren? Ich weiß es nicht, aber der Weg ist das Ziel. Es ist der Wille zur ständigen Verbesserung, der mich antreibt. Man muss zumindest immer danach streben, einem perfekten Album so nahe wie möglich zu kommen.
Gibt es im Leben immer Ziele? Hat man für sich nie alles erreicht?
Nein, hat man nicht. Vergleichen wir es mit Konzerten, ich bin auch dort perfektionistisch veranlagt. Wenn wir viel proben und üben und einen Weg gefunden haben, dass alles so klingt, wie wir wollen, ist es umso enttäuschender, wenn dann auf der Bühne Fehler passieren. Dafür probt man so hart, dass diese Fehler eben nicht passieren. Live zu spielen ist für mich auch eine Überwindung, weil ich mich anderen Menschen hingebe und nicht will, dass dort Fehler passieren. Das unterscheidet die Großen vom Durchschnitt. Als Frontmann sind die Blicke meist auf mich gerichtet, ich trage als Sänger die Hauptverantwortung. In einem Orchester hat es auch einen Grund, warum der Solist Solist ist. Wenn mir jemand von außen sagt, das Konzert wäre fantastisch gewesen, ist das schön, aber wenn ich Fehler bemerke, dann überwiegt dieses Gefühl der Imperfektion. Wir setzen uns Ziele, die wir erreichen wollen. Erst wenn das geschafft ist, bin ich zufrieden.
Am Ende geht es um Erfolg, aber Erfolg kann vielseitig sein. Wie definierst du Erfolg?
Das kommt darauf an, wovon du sprichst und worum es geht. Für mich bedeutet Erfolg ein Leben mit einem Zweck und Intentionen zu füllen, die dich glücklich machen und dir wichtig sind. Sich mit Menschen zu umgeben, die man liebt und schätzt und die einen weiterbringen. Als Erwachsener lernst du, dass nichts Sinn macht, wenn man nicht gesund ist und auf seine Gesundheit achtet. Wenn du ein großartiger Athlet aus der Ukraine bist und jeden Tag um dein Leben fürchten musst, hilft dir auch dein Talent nicht weiter, weil es dir an Sicherheit und Frieden fehlt. Solch basische, einfache Dinge haben einen unglaublichen Wert. Man kann das große Bild nur schätzen, wenn man die essenziellen Dinge des Lebens besitzt. Körper und Geist müssen funktionieren. In meinem Fall geht es um Musik, um Kreativität, um Weine und die Weinproduktion und um meine Familie. Musik ist das Blut, dass durch meine Venen fließt und als der Wein von der Passion zu einer Profession wurde, wurde er auch Teil meiner Identität. Ansonsten liebe ich Motorsport, Fußball, Rudern und Tätigkeiten mit meinem Sohn. Das alles sind Grundpfeiler meiner Existenz.
Das Leben besteht immer aus Entscheidungen. Manche Entscheidungen bringen Fehler mit sich, aus denen wir wiederum etwas lernen. Gibt es rückblickend Entscheidungen aus deiner Zeit, die du bereust?
Nicht immer, das sehe ich differenziert. Es gibt einen bekannten norwegischen Indy-Car-Fahrer namens Dennis Hauger, der in Amerika reüssiert und einen bekannten Spruch hat: „Ich versage nie, ich lerne nur“. Er ist ein großartiger Typ, aber das sehe ich ganz anders. Zu versagen ist manchmal unabwendbar und oft lernt man daraus auch gar nichts. Natürlich kann man oft etwas anders machen und nimmt was aus Fehlern mit, doch manchmal sind es Fehler, die keinen großen Erkenntnisgewinn bringen, sondern einfach nur zurückwerfen. Wenn ich als Teamleader jemanden habe, der keinen guten Job macht, ist das genauso mein Fehler wie seiner. Ich bin verantwortlich dafür, dass diese Person hier arbeitet und habe sie falsch eingeschätzt oder ausgebildet. Hätte ich genauer darauf geachtet, hätte ich diese Person erst gar nicht geholt.
Zeichnet einen guten Chef aus, dass er Verantwortung übernimmt?
Ich muss hinterfragen, was ich beim Auswahlprozess falsch gemacht habe. Oder wo habe ich dabei versagt, jemandem etwas bei- bzw. näherzubringen? Wie hätte ich das Problem selbst gelöst? Wie kann ich jemanden so motivieren, dass er das Maximum seines Levels erreicht? Man kann das aber nicht perfekt lösen. In meinem Leben passieren eine Million verschiedene Dinge und bei anderen ist das genauso. Ich bin mir sicher, wenn man die Zeit hat, sich um jeden einzeln zu kümmern, seine Stärken und Schwächen zu analysieren, kann man ihn verbessern, aber diese Zeit hat keiner. Andererseits erwarte ich mir aber auch eine gewisse Grundfähigkeit in einem Job, wenn ich jemanden dafür engagiere.
Wie gehst du mit Problemen bei Mitarbeitern um?
Manchmal hat man dichte Projektwochen, wo man alle braucht und alle ein bisschen über die Grenzen gehen müssen. Natürlich kann es sein, dass man in der Zeit krank wird, aber oft weiß man, dass diese Krankheit nur vorgeschoben wird. Das passiert manchmal aus narzisstischen Zügen und diese Aufmerksamkeit will ich Narzissten gar nicht geben. Fühlst du dich emotional verletzt? Zu stark unter Stress gesetzt? Dann ist das vielleicht nicht die richtige Branche für dich. Als Chef muss man zu seiner Meinung stehen, auch wenn andere um einen herum nicht zustimmen. Man lernt teilweise aus seinen Fehlern, aber nicht generell. Und wenn du irgendwo nicht glücklich bist, dann pack die Koffer und probier es woanders.
Wie hat sich deine Persönlichkeit über die letzten 20 bis 30 Jahre verändert? Bist du heute ein ganz anderer Mensch als damals?
Es gibt mittlerweile viele Recherchen und Studien darüber, wann man die wichtigsten Änderungen in der Persönlichkeit durchläuft. Irgendwann zwischen vier und sechs Jahren, dann bist du in deinen Grundfesten halbwegs stabil. Wenn ich mit etwas an mir nicht glücklich bin, kann ich versuchen, hart daran zu arbeiten, um eine Veränderung einzuleiten, aber eine andere Person werde ich dadurch eher nicht mehr werden. Aber jedes Prozent Veränderung ist natürlich besser als gar keine Veränderung, wenn du eine solche anstrebst. Was ist der Unterschied zwischen mir mit Anfang 50 heute und dem 25-Jährigen von damals? Ich bin reifer und habe in jeder Hinsicht mehr Erfahrungen gesammelt. Die Formel ist: Zeit plus Erfahrung plus Reife und dazu noch der Wille, Neues lernen zu wollen, interessiert zu bleiben.
Es heißt immer, kreative Menschen können nicht gut wirtschaften und vice versa, was natürlich bei vielen nicht der Fall ist. Wann hast du erstmals deine wirtschaftlichen Stärken entdeckt?
Wenn du Unternehmer bist, musst du auch kreativ sein und kreative Lösungen für Probleme finden können. Nur an Technologie und Computern interessiert zu sein, macht keinen Steve Jobs aus dir. Dazu braucht es mehr. Gewöhnliche Menschen erzielen gewöhnliche Resultate. Das klingt immer so arrogant und brutal, aber um an die Spitze zu kommen, musst du zu einem gewissen Grad kompromisslos sein. Ein gewöhnlicher, netter Kerl wird das wahrscheinlich nicht schaffen. Man braucht einen Schuss Verrücktheit, etwas Unkontrollierbares in sich, um herauszustechen. Vieles im Leben wird dir genetisch mitgegeben oder durch deine direkte Umwelt geprägt.
Hat das bei dir schon früh als Musiker angefangen, dass du dich dem Gewöhnlichen entsagt hast?
Was die Leute heute noch nicht wissen oder glauben, ist, dass Satyricon nie von einem Management geleitet wurde. Klar, wir hatten Partner, aber 1997 habe ich mich mit einem Rechtsanwalt erstmals über Themen wie Lizenzierung und Plattenverträge unterhalten. Er sagte mir, ich solle ja nicht meine Rechte an die Plattenfirma abgeben. Wir haben unsere Produkte damals schon früh selbst lizenziert und das haben später auch alle anderen gemacht. So bleibt das Produkt unter meiner Kontrolle und die Verantwortung auch. Jemand, der nichts von Musik weiß, muss mir nicht sagen, wie man Musik schreibt. Wenn ich keine Lust auf Touren habe, toure ich nicht. Wenn ich keine Idee für ein Album habe, schreibe ich an keinem. All das kannst du nicht machen, wenn du unter der Fuchtel eines Managements stehst. Es gibt sicher stilistisch ähnlich gelagerte Bands, die mehr Alben und Konzerttickets verkaufen, denen aber aufgrund von Deals wesentlich weniger Geld bleibt. Ich verdiene Geld nicht aus Gier, sondern weil mir das Geld Freiheit vermittelt und ich mich nicht zwischen mehreren Jobs teilen muss
Du hast vorher angesprochen, dass die ganz erfolgreichen Menschen ein bisschen verrückt sind. Siehst du diese Verrücktheit auch in dir selbst verortet? Hat das dann einen direkten Einfluss auf deine Produkte?
Ich bin sehr zielstrebig, was meine Profession angeht. Ich habe sehr hohe Standards an mich gesetzt und das reflektiert auf andere Menschen durch. Ich will mit genauso viel Professionalismus empfangen werden, wie ich ihn an den Tag lege. Bist du selbst nicht professionell, ist die Chance hoch, dass es auch dein Umfeld nicht ist. Am Ende des Tages bin ich, bei all den anderen Bereichen, immer noch ein Künstler. Meine Mutter wollte immer, dass ich mich normal verhalte, aber ich bin Künstler und nicht so drauf, wie es die Norm ist. Sie hat sich immer um mich gesorgt und das verstehe ich sogar, aber ich habe ihr immer erklärt, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss. Nicht normal zu sein, heißt nicht, dass man verrückt ist. Man ist nur ein bisschen unkonventionell, aber das stört nicht weiter.
Künstler zu sein bedeutet aber auch, schon früh den Weg der Unsicherheit zu wählen. Kein fixes Geld am Monatsende, keine Krankenversicherung, kein doppelter Boden. Diesen Weg wählt man schon bewusst.
Ich würde es nicht anders haben wollen. Die besten Entscheidungen meines Lebens habe ich instinktiv und aus dem Bauch heraus getroffen. Als wir eine Möglichkeit zur Veröffentlichung unseres ersten Albums hatten, machten wir einen Vertrag über genau ein Album. Mit dem daraus verdienten Geld eröffnete ich mein Label Moonfog und nahm fortan alles selbst in die Hand. Ich schmiss die Schule und arbeitete damals an zwei bis drei Abenden die Woche und habe sonst die ganze Energie in die Band gesteckt. Um all das durchziehen zu können, musste ich raus aus dem Sicherheitsnetz. Ich wusste, dass ich es schaffen und erfolgreich sein könnte, aber um das zu erreichen, musste ich mich sozialen Hilfen entziehen. Der Hunger nährt die Bestie. Sobald ich aber einen Plan B habe oder mich der Staat unterstützt, habe ich zu wenig Hunger. Dann ziehe ich mein Ding nicht so durch, wie ich es vorhabe.
Das ist eine sehr wirtschaftsliberale Position, die bedingt, dass man Risiko lieber hat als Sicherheit.
Das ist korrekt, aber deshalb bin ich auch mit diesem Unternehmergeist geboren worden. Kein Unternehmer scheut das Risiko oder setzt zu stark auf Sicherheit. Im Wein-Business musste ich auch eine Absage eines potenziellen Partners hinnehmen, mit der ich nicht gerechnet hätte. Ich hatte auch dafür keinen Plan B, habe meine volle Energie in das ursprüngliche Vorhaben gesetzt. Und wenn Plan A nicht klappt, dann macht man eben einen neuen Plan A – und sucht sich einen neuen Partner. Das ist wie beim eigenen Personal. Wenn du einen richtig guten Mitarbeiter hast, der teuer ist, ist er sein Geld trotzdem wert. Besser mehr investieren in eine gute Person als zu sparen und dann auf der Stelle zu treten.
Ist es dafür wichtig, immer voll fokussiert auf eine Sache zu sein, ohne an eine Ausweichmöglichkeit zu denken?
Sobald du einen Plan B hast, konzentrierst du dich nicht ausreichend auf dein ursprüngliches Ziel. Das gilt vor allem für die persönlichen Vorhaben im Leben. Die Schule zu schmeißen und mich zu 100 Prozent auf die Musik konzentrieren war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich war damals erst 17 und vollkommen fokussiert. Es war ein Schwimmen gegen viele Ströme, aber ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe.
Geht es darum, alle Möglichkeiten, die einem das Leben bietet, anzunehmen? Sich, wie anfangs besprochen, auch ins kalte Wasser zu schmeißen?
Ich habe schon mit sieben Schlagzeug gespielt und mit zwölf Gitarre. Ich war der Musik in der Kindheit und Jugend komplett ergeben, habe alles auf eine Karte gesetzt und wusste, dass es nur so funktionieren würde. Man muss sich einem Thema so früh wie möglich hingeben und sich voll darauf fokussieren. Es gibt viele großartige Gitarristen, aber die, die zu Weltstars werden sind für gewöhnlich jene, die alles dafür geben. Es geht nicht nur darum, der Beste auf deinem Instrument zu sein, sondern alles andere im Leben diesem Ziel zu unterwerfen. Gerade im Sport siehst du den Unterschied zwischen guten Athleten und jenen, die keine Partys feiern, sich gesund ernähren und alles für den Erfolg geben. Es geht um den bestmöglichen Professionalismus.
Du hast finanziell längst ausgesorgt, bist erfolgreich in der Musik und im Weinbusiness tätig und hast auch genug Zeit für Familie und Hobbys. Gilt das Motto „Der Hunger nährt die Bestie“ unter solchen Voraussetzungen überhaupt noch?
Darüber habe ich noch nie wirklich nachgedacht. Diese Einstellung geht aber in dich über, wird ein Teil von dir. Ich habe viele Fehler gemacht, die ich nicht hätte machen sollen. Das ist menschlich und geht allen so. Aber es gibt immer neue Ziele. Neue Bereiche, die man erobern möchte. Ich würde gerne Alben in Städten aufnehmen, in denen ich noch nie war oder die Studios haben, in denen ich gerne arbeiten würde. Wenn ich ein Album aufnehme und, wie bei „Now, Diabolical“ oder „Deep Calleth Upon Deep“ in Vancouver bin, würde ich auch gerne alle tollen Restaurants besuchen, aber ich gehe abends lieber früh zu Bett, weil ich weiß, dass das Ergebnis dieses Albums für immer ist. Man muss Prioritäten setzen im Leben und die möglichst richtig.
Die Schule abzubrechen und alles auf eine Karte setzen – sind das Werte, die du deinen Söhnen auch vermittelst oder mit denen du in ihrem Fall okay wärst?
Es liegt an ihnen, ob sie es auch so machen wollen oder anders. Ich gebe ihnen keine Vorschriften, sage ihnen aber gerne, was ich denke. Ich erkläre ihnen, warum ich Entscheidungen für gut befinde oder nicht. Ich glaube, dass die Liebe stärker zwischen Mutter und Kind ist, dafür aber Väter eher als Leitfäden für Entscheidungen dienen. Das ist ein Teil meiner Verantwortung. Ich liebe meine Kinder und sorge für sie, aber sie sollen ihren eigenen Weg machen. Ich kann ihnen davon erzählen, was ich falsch gemacht habe und was ich unterlassen würde. Sie müssen entscheiden, ob sie diese Erfahrungswerte annehmen oder nicht.
Abschließend - wann wird es denn ein neues Album von Satyricon geben?
Wir hatten es 2023 schon fast fertig, aber dann kam dieses Munch-Projekt im Museum und das hat uns zurückgeworfen. Am Album haben wir von Herbst 2018 bis 2022 gearbeitet. 2024 sind wir dann auf die Bühne zurückgekehrt, nachdem wir fünf Jahre nie aufgetreten waren. Wir haben dafür so viel und hart geprobt wie nie zuvor und ich war sehr glücklich mit dem Ergebnis. Es sollte so aussehen und klingen, als wären wir nicht fünf Jahre, sondern nur fünf Minuten weg gewesen und das ging gut auf. Das war mein Ziel und es wurde erreicht. Mein neues Ziel ist es, das Studioalbum fertigzumachen. Bis 2027 sollte es sich aber endlich ausgehen.
Live beim Vienna Metal Meeting
Satyricon fungieren als Headliner für die neue Ausgabe des prestigeträchtigen Vienna Metal Meeting, das am 3. Oktober in der Wiener Arena stattfindet. Mit an Bord sind weitere Bands wie Benediction, Dodsrit, Ellende oder Sulphur Aeon. Unter www.viennametalmeeting.com gibt es noch Karten und weitere Informationen zum Metal-Highlight in diesem Herbst.
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